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Kellerladen in der MarktgasseDer Hemdenkönig gibt auf

Seit drei Jahren versucht der Berner Markus Hauser erfolglos eine Nachfolge für seinen Kleiderladen Comeback zu finden. Nun gibt der 74-Jährige auf.

Markus Hauser hat sein Kellerlokal in der Berner Marktgasse gekündigt. Doch ein letztes Fünkchen Hoffnung für eine Nachfolge hat er noch.
Markus Hauser hat sein Kellerlokal in der Berner Marktgasse gekündigt. Doch ein letztes Fünkchen Hoffnung für eine Nachfolge hat er noch.
Foto: Nicole Philipp

Er ging zum Schweizer Fernsehen. Schrieb dieser Zeitung. Hörte sich zahlreiche Interessierte an. Empfing hoffnungsvolle Geschäftsleute im Laden in der Marktgasse. So gern wollte Markus Hauser sein Modegeschäft Comeback an einen Nachfolger weitergeben. Die Suche hat nicht gefruchtet, deshalb hat Markus Hauser nun das Kellerlokal in der Marktgasse gekündigt.

Zwar hat er ein Jahr Kündigungsfrist, und so wird er erst Ende März 2021 den Schlüssel abgeben, aber für ihn hat die Kündigung etwas Endgültiges: «Ab jetzt habe ich es nicht mehr in der Hand. Die Liegenschaftsverwaltung kann jederzeit einen neuen Mieter finden.»

Man hört seiner Stimme an, wie sehr das an ihm zehrt. Viel Herzblut liegt in seinem eigenhändig kuratierten Sortiment mit «irre farbigen Hemden», wie sie früher die Rolling Stones und die Beatles auf der Bühne trugen. Seit fünf Jahrzehnten ist der heute 74-Jährige im Berner Modebusiness tätig. 1969 eröffnete er seinen ersten Laden. Er brachte die Minijupes nach Bern. Mit gepunkteten Minis Cooper warb er für sein Geschäft. Und verwirklichte seinen Lebenstraum 1993 in der Marktgasse mit dem Comeback.

Hemden-Nachschub harzt

Wie andere Detailhändler muss auch er seinen Laden wegen des Coronavirus geschlossen halten. Aber sein Kündigungsentscheid habe keinen Zusammenhang mit der Krise. Diese behindere lediglich den Hemdennachschub aus Frankreich. «Ich weiss nicht, ob die Herbstkollektion ankommt», sagt Hauser. Im Normalfall reist er selber nach Paris, um einzukaufen. Doch die Grenzen sind dicht. Nicht nur die Produkte bereiten ihm Sorgen, auch das Zahlen seiner Ladenmiete. Er stehe in Verhandlung mit seinem Vermieter. «Eine Stundung ist keine Hilfe, was es braucht, ist eine Mietzinsreduktion», so Hauser.

Was man häufig hört: dass der Onlinehandel den Gewerblern das Geschäft schwer macht. Solche Entwicklungen hätten ihm nicht das Geschäft vermiest, sagt Markus Hauser. Er betont vehement: «Meine Hemden findet man selten im Internet, und wenn, dann teurer.»

Ganz die Hoffnung aufgegeben hat er noch nicht. Noch habe er einige Wochen Zeit, um den passenden Nachfolger zu finden. «Bei allen, die da waren, fehlte das Herzblut», sagt er. Herzblut für seine Hemden, aber vielleicht fehlt auch der Wille, für den Kundenstamm und ein gemachtes Nest Geld zu zahlen. Noch vor drei Jahren schätzte er den Wert seines Lebenswerks auf 300’000 Franken. «Heute bin ich froh, wenn ich die Hälfte bekomme.»

3 Kommentare
    Sly

    Danke Markus Hauser für ein bisschen Farbe im Hemdenbusiness. Schade, dass kein Nachfolger gefunden wurde, denn diese Auswahl gibts im Onlinehandel nicht so einfach an einem Ort.