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Freiheit für einen BullenDer einsamste Elefant der Welt

Kaavan musste 35 Jahre lang in einem pakistanischen Zoo leiden. Sängerin Cher hat sich für ihn eingesetzt. Jetzt macht er sich auf grosse Reise.

Kavaan darf endlich weggebracht werden: Der Elefantenbulle in seinem Gehege im Marghazar Zoo in Islamabad, Pakistan.
Kavaan darf endlich weggebracht werden: Der Elefantenbulle in seinem Gehege im Marghazar Zoo in Islamabad, Pakistan.
Foto: Saiyna Bashir (Reuters)

Der Elefantenbulle Kaavan hat zuletzt nur noch seinen Kopf geschüttelt, immerzu. Er verbrachte 35 Jahre in einem Zoo in Pakistan, sein ganzes Leben. Er war verwahrlost, seit langem schon, wahrscheinlich seit immer. Als Elefantenweibchen und Kumpanin Saheli 2012 starb, blieb Kaavan allein zurück. Seine Gesundheit verschlechterte sich. Tierschützerinnen weltweit waren besorgt um den Elefanten und forderten seine Freilassung. Kaavan wurde bald als der «einsamste Elefant der Welt» bekannt.

Lange schien es, als würde sich im Leben von Kaavan kaum etwas ändern. Doch im Mai hat das oberste Berufungsgericht in Islamabad eine Verlegung von Kaavan angeordnet. Die Richter wiesen Pakistans Wildtierbeauftragte an, innerhalb von dreissig Tagen eine geeignete Unterkunft für Kaavan zu suchen. Die internationale Organisation Free the Wild besuchte einen Elefantenpark in Kambodscha und befand, dass Kaavan dort gut aufgehoben wäre. Im Naturschutzgebiet sollen schon mehr als 80 Elefanten aufgepäppelt worden sein. Der Elefantenpark erstreckt sich auf 25’000 Hektaren.

Kaavan hat Kummer

Ein deutscher Arzt untersuchte Kaavan am Wochenende in Islamabad, um festzustellen, ob er transportfähig ist. Der Arzt sagte den Medien, Kaavan sei übergewichtig, gleichzeitig gebe es aber auch Anzeichen von Unterernährung. Seine Nägel seien beschädigt und eingewachsen – wohl, weil der Boden des Geheges Kaavans Füsse verletzt habe und Kaavan jahrelang auf einer zu kleinen Fläche gelebt habe: 90 auf 140 Meter.

Kaavan sei insgesamt stabil, sagte der Arzt, und könne verlegt werden. Er werde aber lange brauchen, um sich zu erholen, sagte ein Sprecher der internationalen Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Kaavan sei auch seelisch versehrt: Sein apathisches Kopfschütteln deute auf Unterbeschäftigung und Einsamkeit hin. Kaavan hat Kummer.

Kaavan wurde 1985 in Sri Lanka geboren und der Regierung Pakistans geschenkt, als er ein Jahr alt war – als Zeichen der guten Beziehungen zwischen den Ländern. Kaavans Gehege im Murghazar-Zoo in Islamabad bot kaum Schatten, nur wenig Futter und Trinkwasser. 1990 kam Elefantendame Saheli dazu und war während mehr als 20 Jahren Kaavans Gefährtin. 2015 wurde Kaavan tagsüber angeblich stundenlang angekettet, weil er sich zunehmend aggressiv verhalten haben soll. Die Betreiber des Zoos stritten dies ab.

Zwei Löwen sind gestorben

Tierrechtsaktivisten starteten Petitionen, sie sammelten 400’000 Unterschriften. Auch die amerikanische Sängerin Cher setzte sich für die Freilassung von Kaavan ein. Sie sah Bilder, auf denen Kaavan angekettet war, und lancierte einen Hashtag in den sozialen Medien. Als Cher von der richterlichen Anordnung erfuhr, schrieb sie auf Twitter: «Das ist einer der grössten Momente meines Lebens.»

Das oberste Berufungsgericht ordnete auch an, den Zoo in Islamabad temporär zu schliessen. Zu sehr würden die Tiere unter den miserablen Bedingungen leiden, die dort herrschten. Zwei Löwen starben laut der Organisation Vier Pfoten Ende Juli, als örtliche Tierhändler versuchten, sie aus ihrem Gehege in einen Transporter zu locken. Die Händler hatten ein Feuer gelegt, um die Löwen hinauszuscheuchen.

Die Organisation Vier Pfoten wird die Verlegung der übrigen Tiere begleiten. Es sind Dutzende Braunbären, Löwen und Vögel. Für Kaavans Transport steht noch kein Datum fest, aber immerhin das Ziel der Reise: ein bisschen Freiheit.