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Corona-Welle steht bevorDas Testcenter zum Reinfahren muss warten

Gemäss Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg wird die Corona-Welle in drei bis sieben Tagen über den Kanton Bern hereinbrechen. Das geplante Drive-in-Testcenter kann vorerst jedoch nicht in Betrieb genommen werden.

Die Arbeiten für den Aufbau des Corona-Schnelltestcenters auf dem BEA-Gelände haben bereits begonnen. Wie es damit weitergeht, ist offen.
Die Arbeiten für den Aufbau des Corona-Schnelltestcenters auf dem BEA-Gelände haben bereits begonnen. Wie es damit weitergeht, ist offen.
Foto: Raphael Moser

Die Zahl der Corona-Fälle steigt auch im Kanton Bern unaufhaltsam an. Am Donnerstagvormittag waren es bereits über 280. Das sind 90 mehr als am Vortag. Trotzdem sagte Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) an einer Medienkonferenz: «Wir sind noch nicht in der Welle drin.» Aber diese komme unaufhaltsam näher. Er rechnet damit, dass der Sturm in drei bis sieben Tagen über den Kanton hereinbrechen wird. Denn die Kurve der Fallzahlen gleicht jener in anderen Kantonen vor ein paar Tagen. «Wir haben hier kein besseres Immunsystem», so Schnegg.

Einen kleinen Vorteil sieht er allerdings. Da das Coronavirus in Bern noch weniger weit verbreitet war, als der Bundesrat den Lockdown beschlossen hat, könnten die Massnahmen hier rascher Wirkung zeigen als etwa im Tessin. Dort ist bereits jetzt ein Mangel an Intensivpflegebetten in den Spitälern absehbar.

Das hofft man im Kanton Bern noch verhindern zu können. «Es werden alle Vorbereitungen getroffen, um die rasant ansteigende Anzahl von Fällen, die in Spitälern betreut werden müssen, aufnehmen zu können», so Schnegg. Die Altersheime müssten etwa ihre Bewohner so lange wie nur irgendwie möglich durch den Heimarzt betreuen lassen, um Klinikeinweisungen zu verhindern. Dasselbe gilt für die Spitex-Dienste.

Kanton will Liquidität sichern

Momentan könnten die Berner Spitäler die Situation aber noch bewältigen, so Schnegg. Von den 280 Coronafällen befinden sich 30 in den Kliniken, sechs werden auf einer Intensivstation betreut. Trotzdem sind auch die Spitäler selbst schon seit Tagen daran, Einsatzpläne anzupassen, zusätzliche Intensivpflegeplätze zu schaffen oder Personal zu rekrutieren. Zudem hat Schnegg sie aufgefordert, einen Ferienstopp zu verhängen.

Seit Dienstag dürfen die Kliniken gemäss der Bundesverordnung auch keine planbaren Eingriffe mehr durchführen, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen. Das führt nun aber dazu, dass der Kanton den Spitälern finanziell unter die Arme greifen muss. Denn die Wahleingriffe hätten Geld gebracht. Hinzu kommen unerwartete Kosten im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Gemäss Schnegg steht der Kanton bereit, um die Liquidität der Kliniken sicherzustellen. Regierungspräsident Christoph Ammann (SP) ergänzte: «Wir lassen unsere Spitäler nicht im Stich.»

Masken aus China

Einen Rückschlag musste der Kanton Bern beim geplanten Drive-in-Testcenter auf dem BEA-Gelände hinnehmen. Da in den letzten Tagen die Nachfrage nach Corona-Tests in der gesamten Schweiz massiv angestiegen ist, musste das Projekt sistiert werden. Eigentlich war geplant, das Center nächste Woche in Betrieb zu nehmen.

Der Bund habe den Kanton aber nicht zurückgepfiffen, beteuert Schnegg. Schliesslich sei in der betreffenden Arbeitsgruppe auch das Bundesamt für Gesundheit vertreten gewesen. Aber man habe feststellen müssen, dass die Tests nicht für eine längere Periode ausreichen würden. «Das wollen wir nun zuerst sicherstellen», sagt Schnegg. Zudem sei es klar, dass die Tests dort verwendet werden müssten, wo sie am nötigsten seien. Die Arbeiten für neue Testcenter ohne Drive-in-Möglichkeit würden aber im gesamten Kanton weiterlaufen.

Eine gute Nachricht konnte der Gesundheitsdirektor schliesslich doch noch verkünden. Immer wieder werden sowohl in Spitex-Kreisen als auch in Spitälern Stimmen laut, die einen Mangel an Schutzmaterial beklagen. Nun habe die chinesische Stadt Shenzhen der Schweiz solches geschickt. Von den 70’000 Schutzmasken seien 15’000 für den Kanton Bern bestimmt. Diese Sendung sei momentan unterwegs. Schnegg: «Dafür sind wir sehr dankbar.»