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Coronavirus weltweit+++ Boris Johnson verkündet Lockdown, lässt Schulen offen +++ Österreich verhängt Teil-Lockdown

Die Ansteckungszahlen schnellen in vielen Ländern weiterhin in die Höhe. Belgien schränkt Zahl der sozialen Kontakte ein. Der US-Präsident wirft Ärzten Profit aus Corona-Toten vor. Internationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In vielen Ländern grassiert Covid-19 so stark wie im Frühjahr, fast ein Drittel aller Neuinfektionen entfällt auf Europa.

  • Die USA bleiben mit über 9 Millionen Infizierten punkto Gesamtzahlen das am stärksten betroffene Land.

  • Weltweit haben sich bisher mehr als 43 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt.

  • Mehr als eine Million Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben.

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Grossbritannien geht im November in den Lockdown

Nach mehreren anderen Ländern in Europa hat der britische Premierminister Boris Johnson auch für England einen Teil-Lockdown angekündigt. Ab kommenden Donnerstag sollen in England nur noch Schulen und Universitäten geöffnet bleiben, wie Johnson am Samstag erklärte. Alle anderen Orte – etwa Kultureinrichtungen, Sportzentren, nicht-lebensnotwendige Geschäfte sowie Restaurants und Pubs – müssen bis zum 2. Dezember schliessen.

«Das Virus breitet sich derzeit schneller aus, als es unsere wissenschaftlichen Berater in einem Worst-Case-Szenario angenommen haben», sagte Johnson. «Jetzt ist es Zeit zu handeln, denn es gibt keine Alternative.» Die Massnahmen seien notwendig, um Leben zu retten und den staatlichen Gesundheitsdienst NHS vor einer erneuten Überlastung zu schützen. Der Regierungschef schwor die Briten darauf ein, ihr Zuhause nur noch in dringenden Fällen zu verlassen – wie Arbeit, Sport, Einkäufe oder die Pflege Angehöriger.

Am Samstag meldete Grossbritannien knapp 22 000 Neuinfektionen. Damit durchbrach das Land die Schwelle von einer Million bestätigten Coronavirus-Fällen seit Beginn der Pandemie. In den vergangenen zwei Wochen zählte das Vereinigte Königreich nach Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control 451 Fälle pro 100 000 Einwohner.

Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Regeln. Dort gelten bereits weitgehend deutlich schärfere, temporäre Corona-Massnahmen als bisher in England.

Österreich verhängt Teil-Lockdown

Österreich schränkt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie grosse Teile des öffentlichen Lebens für vier Wochen ein. «Ab Dienstag, dem 3. November 0 Uhr bis Ende November wird es zu einem zweiten Lockdown in Österreich kommen», sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstag in Wien. Ab Dienstag gelten landesweit Ausgangsbeschränkungen zwischen 20 und 6 Uhr. In der Zeit ist das Verlassen des privaten Wohnbereichs nur aus bestimmten Gründen erlaubt.

Kultur- und Freizeiteinrichtungen müssen schliessen, mit Ausnahme von Beerdigungen finden keine Veranstaltungen mehr statt. Auch das Hotel- und Gastgewerbe schliessen, nur Takeaway und Lieferung sind erlaubt. Spitzensport findet ohne Publikum statt, Sport ist nur im Freien ohne Körperkontakt erlaubt. Handel, Schulen und auch Dienstleister wie Friseure bleiben zunächst unter Auflagen offen.

«Es ist notwendig, diesen Schritt zu setzen, um eine Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern», sagte Kurz. Am Sonntagnachmittag muss noch der Hauptauschuss des Parlaments den Massnahmen zustimmen. Die Verordnung gilt bis zum 30. November, die Ausgangsbeschränkungen müssen alle zehn Tage parlamentarisch neu genehmigt werden.

Die Infektionszahlen steigen seit Wochen steil auf fast täglich neue Höchstwerte. Die Regierung befürchtet eine baldige Überlastung der Krankenhäuser. Am Samstag zählte Österreich 5349 neue Fälle binnen 24 Stunden auf seine fast 9 Millionen Einwohner, nachdem am Freitag der Rekordwert von 5627 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet worden war.

Weniger «Knuffelcontacte» in Belgien

Der sprunghafte Anstieg der Corona-Neuinfektionen veranlasst die belgische Regierung zu weiteren einschneidenden Massnahmen im privaten und beruflichen Alltag. Premierminister Alexander De Croo hat am Freitagabend die ab Montag geltenden Beschränkungen bekannt gegeben - dazu gehört auch eine Reduktion der «Knuffelcontacten».

Demnach dürfen Belgier nur einen Besucher pro Woche zu Hause empfangen, der nicht zur Familie gehört oder im selben Haushalt lebt. Bei Alleinstehenden sind es zwei dieser sogenannten «Knuffelcontacte». Der flämische Begriff für engen sozialen Kontakt machte daraufhin in den sozialen Medien rasch die Runde.

Auch Griechenland schliesst Restaurants

In Griechenland sollen Bars und Restaurants in den bevölkerungsreichsten Regionen für einen Monat geschlossen werden. Ausserdem soll die nächtliche Ausgangssperre ausgeweitet werden, wie Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis ankündigt. Demnach gelten die Massnahmen ab Montag.

Deutschland mit Negativrekord

In Deutschland sind in 19.059 neuen Fällen Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die am Samstag auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) veröffentlichte Zahl ist die bislang höchste seit Ausbruch des Virus. Am Freitag waren es 18.681 neue Fälle gewesen. Die Werte sind allerdings nur begrenzt mit denen vom Frühjahr vergleichbar, da damals weitaus weniger Tests gemacht wurden.

Die Gesamtzahl der Positiv-Tests beläuft sich mittlerweile auf 518.753. 103 weitere Menschen starben, die positiv getestet wurden, nachdem es am Freitag 77 gewesen waren. Die Gesamtzahl der Todesfälle liegt inzwischen bei 10.452.

Im Kampf gegen die Infektionswelle wird im November das öffentliche Leben in Deutschland drastisch eingeschränkt. Darauf hatten sich am Mittwoch Bund und Länder geeinigt.

Fast 100'000 Neuinfektionen in den USA

Die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen eines Tages hat in den USA mit fast 100 000 kurz vor der Präsidentenwahl einen neuen Höchststand erreicht. Am Freitag wurden 99 321 Fälle verzeichnet, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) hervorgeht. Das sind fast 11 000 mehr als noch am Vortag.

Insgesamt wurden nach JHU-Angaben in den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern seit Beginn der Pandemie rund 9,05 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt. Etwa 229 700 Menschen starben bislang – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Trump greift Ärzte an

US-Präsident Donald Trump hat im Schlussspurt des Wahlkampfes Vorwürfe gegen Mediziner erhoben. «Unsere Ärzte bekommen mehr Geld, wenn jemand an Covid stirbt», sagte der Republikaner am Freitag bei einer Veranstaltung im Bundesstaat Michigan und unterstellte ihnen damit indirekt, ein Interesse an der Ausweisung von Corona-Todesfällen zu haben. Experten wiesen allerdings darauf hin, dass diese Behauptung nicht zutreffe. Trump hat die Gesundheitskrise monatelang heruntergespielt und seinen Anhängern in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt, dass das Land «die Wende» in der Corona-Krise vollziehe.

In Minnesota sagt sein Herausforderer Joe Biden, Trump habe im Kampf gegen das Virus «aufgegeben». Der Amtsinhaber solle nicht das medizinische Personal angreifen, das die Opfer der Pandemie behandele. «Im Gegensatz zu Donald Trump werden wir vor diesem Virus nicht kapitulieren», sagte der Demokrat. Er warnte angesichts steigender Neuinfektionen vor einem «dunklen Winter».

Donald Trump spricht zu seinen Anhängern in Rochester. (30. Oktober 2020)
Donald Trump spricht zu seinen Anhängern in Rochester. (30. Oktober 2020)
REUTERS
Frankreichs Schuldenberg wächst

Die französische Regierung rechnet wegen der hohen Kosten für den gerade begonnenen zweiten Lockdown im Kampf gegen die Corona-Pandemie mit einer weiter steigenden Staatsverschuldung.

Die Verbindlichkeiten dürften in diesem Jahr bei 119,8 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire der Zeitung «Le Parisien» (Samstagsausgabe). Bislang war er von 117,5 Prozent ausgegangen. Die EU-Regeln sehen eigentlich eine Obergrenze von lediglich 60 Prozent zu.

Einbruch des BIP erwartet

In Frankreich begann am Freitag ein einmonatiger Lockdown, nachdem die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich gestiegen war. In den vergangenen 24 Stunden kamen 49'215 neue Fälle hinzu, rund 1500 mehr als am Donnerstag. Um Unternehmen für die entstehenden Umsatzeinbussen zumindest teilweise zu entschädigen, will die Regierung zusätzliche 20 Milliarden Euro ausgeben.

Die jüngsten Massnahmen zur Eindämmung des Virus dürften die zweitgrösste Volkswirtschaft der Währungsunion zum Jahresende bremsen. Im Gesamtjahr 2020 werde das Bruttoinlandprodukt wohl um 11 Prozent einbrechen, sagte der Minister. Er hoffe dann auf ein ordentliches Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr.

Bericht: Grossbritannien erwägt Lockdown

Nach Frankreich und Deutschland erwägt auch Grossbritannien einem Zeitungsbericht zufolge landesweite Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. Premierminister Boris Johnson ziehe einen nationalen Lockdown ab kommenden Mittwoch in Betracht, wie «The Times» (Samstagsausgabe) berichtete. Dieser solle bis mindestens 1. Dezember in Kraft bleiben. Alle nicht essenziellen Geschäfte könnten geschlossen werden, während Bildungseinrichtungen geöffnet bleiben sollen. Über die neuen Massnahmen werde noch beraten. Eine endgültige Entscheidung sei nicht getroffen, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine hochrangige Regierungsquelle.

Das Vereinigte Königreich meldete am Freitag 24'405 neue Fälle von Covid-19 und weitere 274 Todesfälle. Es gehört damit zu den am stärksten betroffenen Ländern Europas.

Mehr als 9 Millionen Infektionen in den USA

Seit Beginn der Pandemie sind in den USA mehr als neun Millionen Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Das ging am Freitag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Damit verzeichneten die USA die höchste absolute Zahl an nachgewiesenen Infektionen, dicht gefolgt von Indien mit mehr als acht Millionen Fällen. An dritter Stelle steht Brasilien, wo rund 5,5 Millionen Ansteckungen registriert wurden. Experten gehen zugleich von einer hohen Dunkelziffer an Corona-Infektionen aus.

Die USA hatten erst vor zwei Wochen die Schwelle von acht Millionen bestätigten Infektionen überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt im Schnitt auf gut 75'000 pro Tag an. Für Donnerstag etwa meldete Johns Hopkins sogar mehr als 88'000 Neuinfektionen.

Fast 230'000 Menschen sind gestorben – mehr als in jedem anderen Land. Allerdings sind die USA ein Land mit rund 330 Millionen Einwohnern. Auf 100'000 Einwohner kommen damit knapp 70 Tote, während es in Peru rund 108, in Brasilien und Spanien rund 76 sind. Weltweit starben laut Johns-Hopkins-Universität knapp 1,2 Millionen Menschen nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2.

Belgien: Massnahmen der letzten Chance

Im schwer vom Virus getroffenen Belgien müssen die meisten Geschäfte ab Montag wieder schliessen. Ausnahmen gebe es etwa für Supermärkte, sagte Regierungschef Alexander De Croo am Freitag nach einer Krisensitzung in Brüssel. «Das sind die Massnahmen der letzten Chance.» Gemessen an der Einwohnerzahl zählt Belgien nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur derzeit die meisten Corona-Infektionen in der Europäischen Union.

Die nächtlichen Ausgangssperren in Belgien bleiben bestehen. Kneipen, Restaurants und Cafés, Kultur- und Sportstätten sind ohnehin bereits geschlossen. Die Kontaktbeschränkungen werden nun weiter verschärft, wie De Croo sagte. Künftig dürfen Belgier demnach nur einen Besucher pro Woche zu Hause empfangen; bei Alleinstehenden sind es zwei. Bislang waren es – mit Maske – vier.

Berufe mit engem Kundenkontakt wie Friseure müssen ihre Arbeit einstellen. Die neuen Regeln sollen zunächst für eineinhalb Monate gelten. Für die geschlossenen Geschäfte soll am 1. Dezember eine Zwischenbilanz gezogen werden. Kunden können aber weiter Waren aus den geschlossenen Geschäften abholen oder sich liefern lassen.

Der fünfjährige Hug aus Brüssel verfolgt die TV-Ansprache von Regierungschef Alexander De Croo.
Der fünfjährige Hug aus Brüssel verfolgt die TV-Ansprache von Regierungschef Alexander De Croo.
Foto: Olivier Hoslet (Keystone/30. Oktober 2020)

In Belgien steigen die Infektionszahlen seit Wochen rasant. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes zählten innerhalb einer Woche zuletzt im Schnitt 15 316 Infektionen am Tag – ein neuer Rekord. EU-weit registrierte das Nachbarland innerhalb von zwei Wochen die meisten Infektionen pro 100'000 Einwohner: 1600. Das sind neun Mal so viele wie in Deutschland. Jeder vierte Corona-Test fiel in Belgien zuletzt positiv aus.

Über 30'000 Neuinfektionen in Italien

In Italien hat die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb eines Tages erstmals die Marke von 30'000 übersprungen. Wie die Behörden in Rom am Freitag mitteilten, wurden 31'084 neue Corona-Fälle registriert. Damit hat sich der Wert in etwa einer Woche verdoppelt. In dem Mittelmeerland mit seinen rund 60 Millionen Einwohnern starben in 24 Stunden zudem fast 200 Menschen mit oder an dem Virus.

Seit Beginn der Pandemie im Februar gab es in Italien nun 647'674 bestätigte Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Die Zahl der Corona-Toten stieg auf über 38'300. Die Regierung hatte Anfang der Woche verschärfte Schutzmassnahmen wie die Schliessung aller Lokale um 18 Uhr abends gestartet. Kinos und Theater sind seit Montag zu.

Zahlreiche Experten mahnten am Freitag, dass die Infektionskurve schnell abgeflacht werden müsse. Der zuständige Sonderkommissar der Regierung, Domenico Arcuri, sagte im Fernsehsender Sky TG24, noch gebe es ausreichend Intensivbetten für die Behandlung von Covid-19-Patienten im Land. Er nannte eine Zahl von rund 10'000 Plätzen. Allerdings dürften die Infektionen nicht mehr so schnell wie zuletzt klettern, sagte er.

Berlin stuft Österreich und Italien als Risikogebiete ein

Die deutsche Regierung hat Österreich bis auf zwei kleine Exklaven und fast ganz Italien wegen dramatisch steigender Infektionszahlen ab diesem Sonntag zu Corona-Risikogebieten erklärt. Mit Kroatien, Slowenien, Ungarn, Bulgarien und Zypern werden zudem fünf EU-Länder komplett auf die Risikoliste gesetzt, wie das Robert Koch-Institut am Freitag auf seiner Internetseite mitteilte.

Ausnahemzustand in Tschechien wird verlängert

Das tschechische Parlament stimmt der Verlängerung des Ausnahmezustands bis zum 20. November zu. Damit wird der rechtlichen Rahmen für die Regierung geschaffen, die Bewegungsfreiheit der Bürger Menschen oder den Produktionsbetriebs in Fabriken gegebenenfalls einzuschränken.

Deutsche Wirtschaft wächst in Rekordtempo um 8,2 Prozent

Nach dem Einbruch wegen der Corona-Krise im Frühjahr hat sich die deutsche Wirtschaft spürbar erholt und ist im Sommerquartal in Rekordtempo gewachsen. Das Bruttoinlandprodukt stieg zwischen Juli und September um 8,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten ein Plus von 7,3 Prozent erwartet.

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft wegen Eindämmungsmassnahmen in der Virus-Pandemie noch mit 9,8 Prozent eingebrochen und damit so stark wie nie zuvor.

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal in Rekordtempo gewachsen. Blick auf die Skyline von Frankfurt.
Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal in Rekordtempo gewachsen. Blick auf die Skyline von Frankfurt.
Foto: Thomas Lohnes (Getty Images)

Der wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen für November angekündigte Teil-Lockdown dürfte die Erholung der Wirtschaft allerdings im laufenden Quartal erneut bremsen. Einige Experten befürchten deshalb sogar wieder ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft zum Jahresende 2020.

Italiens Wirtschaft erholt sich stärker als erwartet

Die italienische Wirtschaft hat sich im Sommer stärker als erwartet von dem Corona-Einbruch erholt. Das Bruttoinlandprodukt sei im dritten Quartal um 16,1 Prozent zum Vorquartal gewachsen, teilte das nationale Statistikamt Istat am Freitag in Rom nach einer ersten Erhebung mit. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 11,1 Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung noch um 13,0 Prozent geschrumpft.

Die Wirtschaft hat sich damit aber noch nicht vom Corona-Einbruch im ersten Halbjahr erholt. So lag die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 4,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Italien war besonders hart von der Corona-Krise betroffen.

Die Erholung dürfte sich im vierten Quartal nicht fortsetzen. Der italienischen Wirtschaft drohen im Herbst und Winter erneut schwere Belastungen. Mittlerweile ist auch in Italien die zweite Corona-Welle mit Wucht angekommen. Daher wurden erneut weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen.

Lonza erhält Zuschlag für Herstellung von Corona-Impfstoff

Lonza wird für den Pharmariesen AstraZeneca einen Wirkstoff herstellen, der möglichweise bei der Prävention und Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 hilft. Die Basler werden die Substanz voraussichtlich ab der zweiten Hälfte 2021 in ihren Anlagen in Portsmouth (USA) herstellen.

Konkret wird Lonza die Arzneimittelsubstanz für AZD7442 herstellen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. AZD7442 ist eine Kombination aus zwei langlebigen Antikörpern, die von rekonvaleszenten Covid-19-Patienten stammen.

Ende August hatte AstraZeneca mit Unterstützung der US-Regierung Phase-1-Studien mit AZD7442 eingeleitet. Zulassungsrelevante Phase-3-Studien würden in den kommenden Wochen vorangetrieben, erklärte Lonza.

Deutschland meldet erstmals über 18'000 Neuinfektionen

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland in Rekordtempo aus. Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitag erstmals mehr als 18'000 Neuinfektionen an einem Tag. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI 18'681 nachgewiesene Ansteckungsfälle binnen 24 Stunden.

Am Donnerstag waren es noch 16'774. Seit Ausbruch der Seuche wurden damit insgesamt 499'694 Infektionen registriert. Die Zahl der Menschen, die mit oder an dem Virus starben, stieg um 77 auf insgesamt 10'349.

Über 91 000 neue Fälle in den USA – Negativrekord

Die USA haben am Donnerstag so viele neue Corona-Infektionen registriert wie noch nie. Es seien mehr als 91'000 Fälle hinzugekommen, ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur Reuters. Der bisherige Tagesrekord wurde am 23. Oktober mit 84'169 Fällen gemeldet. Weltweit hält Indien mit 97'894 Infektionen den Höchstwert für registrierte Neuinfektionen an einem einzelnen Tag.

Neben den Neuinfektionen nehmen auch die Todesfälle und Krankenhausaufenthalte zu. Zum dritten Mal im Oktober starben am Donnerstag binnen 24 Stunden mehr als 1000 Menschen mit dem Virus. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der Todesopfer in den USA auf 229'000

Zu den aktuell am härtesten betroffenen US-Bundesstaaten gehören die im Präsidentschaftswahlkampf heiss umkämpften Ohio, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin.

WHO warnt vor negativen Effekten von Lockwdowns

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor negativen Nebeneffekten landesweiter Lockdowns im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewarnt.

Zwar könnten strikte Beschränkungen dabei helfen, Ansteckungsketten zu unterbrechen und zur Erholung des Gesundheitswesens beitragen, erklärte der Europa-Direktor der Organisation, Hans Kluge, am Donnerstag. Allerdings habe dies seinen Preis: So sei bei strikten Lockdown-Massnahmen mit einem Anstieg bei psychischen Erkrankungen und häuslicher Gewalt zu rechnen.

Kluge verwies auch auf den wirtschaftlichen Schaden durch strenge Einschränkungen. «Angesichts dieser Realitäten betrachten wir nationale Lockdowns als das Mittel der letzten Wahl, weil sie die nach wie vor bestehende Möglichkeit umgehen, jeden an grundlegenden und effektiven Massnahmen zu beteiligen.»

Nationale Lockdowns als das «Mittel der letzten Wahl»: Die WHO warnt vor negativen Nebeneffekten von Corona-Lockdowns.
Nationale Lockdowns als das «Mittel der letzten Wahl»: Die WHO warnt vor negativen Nebeneffekten von Corona-Lockdowns.
REUTERS

Der WHO-Experte betonte zugleich, dass Europa wieder zum Zentrum der Pandemie geworden sei. Auch die Todesfallrate sowie die Zahl der Spital-Patienten steige wieder an. Eine weitere Ausweitung der Testkapazitäten in grösserem Stil sei angesichts der massiven Ausbreitung des Virus nicht mehr möglich, erklärte Kluge.

sda/reuters/red

2337 Kommentare
    Leo Fritz

    Es ist schon sehr beängstigend, wie schnell und einfach wir uns unsere Freiheit und Grundrechte nehmen lassen.