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Waffen statt Weizen für SyrienCousin von Diktator Assad packt aus

Rami Makhlouf war bisher der reichste Mann Syriens. Nach einer Familienfehde erzählt der Tycoon nun auf Facebook, wie er für das Regime die Sanktionen von USA und EU umgangen hat.

Bei seinem Cousin in Ungnade gefallen: Rami Makhlouf, Unternehmer und Milliardär.
Bei seinem Cousin in Ungnade gefallen: Rami Makhlouf, Unternehmer und Milliardär.
Foto: AFP

Ob hinter der Ankündigung mehr steckt als der Versuch, einen schnellen Propagandaerfolg zu erzielen, bleibt abzuwarten. Denn eigentlich hat Syriens Machthaber Bashar al-Assad gerade andere Sorgen, als seine türkischen Gegner mit Symbolpolitik zu ärgern. Berichten lokaler Medien zufolge plant das Regime jedoch, eine Kopie der Hagia Sophia zu errichten, jenes Istanbuler Sakralbaus, den der türkische Präsident trotz weltweiter Proteste nach über 80 Jahren wieder von einem Museum in eine Moschee umwandeln liess.

Die syrische Hagia Sophia soll als Miniaturversion in Suqailabiyya entstehen, einer christlich-orthodoxen Stadt in der Provinz Hama. Der Verbündete Russland will den Bau laut Medienberichten unterstützen, auf der Militärbasis Hmeimim arbeiteten russische Techniker bereits an Plänen.

Initiiert haben soll das Projekt Nabeul al-Abdullah, Führer einer lokalen regimenahen Miliz. Falls die Idee nicht im Planungsstatus versandet, ist es mehr als wahrscheinlich, dass Firmen eines Mannes namens Rami Makhlouf am Bau beteiligt sein werden. Der bislang reichste Syrer errichtete ein Geschäftsimperium, das in fast allen Branchen präsent ist und in vielen den Ton angibt.

Experten schätzen gar, dass er vor Kriegsbeginn direkt oder indirekt an 60 Prozent der Wirtschaftsleistung Syriens beteiligt war. Seine Sham-Holding dominiert unter anderem das Baugewerbe. Sie dürfte derzeit aber auch die Liste der «anderen Sorgen» anführen, die Assad plagen.

Rami Makhlouf taucht in Panama Papers auf

Lange halfen und vertrauten sich der Präsident und der Tycoon, die als Cousins zudem verwandtschaftlich verbunden sind. Auch, als das Land 2011 in einen Bürgerkrieg abglitt, standen sie zusammen: Makhlouf finanzierte Milizen, die für das Regime kämpften, gründete eine Stiftung, die Invaliden, Witwen und Waisen vor allem aus der alawitischen Minderheit versorgte, der er und Assad angehören. Im Gegenzug durfte er Immobilienprojekte auf attraktiven, ehemals von der Opposition gehaltenen Gebieten entwickeln, nachdem Assads Bomber die in Schutt gelegt hatten.

Mit seinem Firmengeflecht, das sich bis in diskrete Steuerparadiese verästelt, wie die Panama Papers offenlegten, half Makhlouf dem Cousin zudem, die wegen Kriegsverbrechen erlassenen Sanktionen der USA und der EU zu umgehen, wie Beobachter seit langem vermuteten.

Seit Sonntag wissen sie es sicher: Makhlouf setzte sich an einem unbekannten Ort vor eine Kamera und erzählte freimütig, wie sich Embargos aushebeln lassen. Eine Firma namens Ornina habe er etwa genutzt, um «Importeure zu bezahlen, die keine direkten Beziehungen wollten», als seine Sham-Holding längst auf schwarzen Listen stand.

Gründe für Familienfehde sind unklar

Seit Ende April lädt Makhlouf von Zeit zu Zeit solche Videos bei Facebook hoch, neben korrupten Verwicklungen legt er damit Risse in Syriens Herrscherclan offen. Was die Familienfehde ausgelöst hat, ist unklar. Manche vermuten Assads Ehefrau hinter den Querelen, andere, dass Assad reiche Verwandte schröpft, um Schulden in Moskau zu begleichen. Teile von Makhloufs Firmenimperium hat der Staat konfisziert, etwa die genannte Sham-Holding.

Das neueste Geständnis Makhloufs trifft Assad an einem wunden Punkt: Für die immensen wirtschaftlichen Probleme und die im Volk grassierende Not macht das Regime stets die Sanktionen verantwortlich. Das Geständnis, dass sich die beim Kauf von Kriegsgerät umschiffen lassen, dürfte selbst bei hungernden Loyalisten die Frage aufwerfen, warum es dann unmöglich sein soll, dass mehr Weizen und Medikamente ins Land gelangen.

Von Nabeul al-Abdullah, dem Milizenführer mit grossen Bauplänen, berichten etwa Oppositionelle, er wolle mit dem Hagia-Sophia-Projekt vor allem seine Bande zu Russland stärken. Für den Fall, dass sich Moskau einmal für ein Syrien ohne Assad entscheiden sollte.

8 Kommentare
    Nick Schaefer

    EU und USA hätten die Möglichkeit, im Kurdischen Teil Syriens eine Demokratie aufzubauen.

    Wo sowohl die Bevölkerung das Land selber kontrolliert, als auch der Westen vor Ort ist - oder bis vor kurzem war.

    Aber lieber lässt man die Diktatoren Erdogan und Assad gewähren.

    So wie man vor zehn Jahren über das miese System Assad zwar schimpfte und es piesackte, aber keinen Finger rührte, um den schrecklichen Bürgerkrieg zu verhindern. Der Westen war geradezu begeistert je wilder es in Syrien und Libyen zuging.

    Die Russen haben vergleichsweise gute Arbeit geleistet - alle Alternativen zu Assad ausserhalb der Kurdengebiete waren fundamentalistische Mörderregime mit noch schlimmeren Methoden als der Diktator.