Zum Hauptinhalt springen

Neue Kita in LangenthalChefin, Unternehmensgründerin und vierfache Mutter

Christa Rytz sieht in Langenthal einen Mangel an Kindertagesstätten. Also hat sie selbst eine gegründet. Minikita Süd soll im Herbst ihre Türen öffnen.

Christa Rytz hat das Wasserbecken des Vorgängers in ein Spielbecken für die Kinder umfunktioniert.
Christa Rytz hat das Wasserbecken des Vorgängers in ein Spielbecken für die Kinder umfunktioniert.
Foto: Marcel Bieri

In Langenthal gibt es momentan zwei Kitas: die Windrose und die Oberlimatte. Die dritte, Füchsli und Strolchli, ist letztes Jahr zugegangen. Nun war das Echo von Eltern: Das sind zu wenig. Christa Rytz, Geschäftsführerin der Dance Center Langenthal AG, hat darauf reagiert und eröffnet im Herbst eine dritte. Minikita Süd soll sie heissen.

Der Name zielt auf «meine Kita» ab. Man könnte es auch als Miniature-Kita verstehen. Doch «mini» ist die Kita an der Bleienbachstrasse Richtung Burgdorf nicht: Nebst zwei Schlafräumen – einer für Babys, der andere für ältere Kinder – und einem abgetrennten Spielzimmer gibt es eine grosszügige Halle. Sie ist dank Dachfenstern lichtdurchflutet und lädt zum Spiel, Essen und Malen ein.

«Der Renner ist der Indoor-Steinli-Pool», sagt Christa Rytz. Früher war das Becken mit Wasser, heute ist es mit Kies gefüllt. Da die Kita noch in der Entstehungsphase ist, hätten das Kiesbecken bisher nur die eigenen Kinder getestet. Denn, Rytz ist Mutter von vier Kindern und führt scheinbar völlig nebenbei das Pilates-Studio in Motion, das Dance Center und stellt eine neue Kita auf die Beine. «Ich stecke meine ganze Energie in diese Projekte», sagt die 37-Jährige. «Doch ohne meine Mitarbeitende wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.»

Die Spielsachen stehen bereit. Jetzt fehlen nur noch die Kinder.
Die Spielsachen stehen bereit. Jetzt fehlen nur noch die Kinder.
Fotos: Marcel Bieri
Christa Rytz hat einen Einblick in die Entstehungsphase gewährt.  Es sieht schon sehr nach Kita aus, gibt aber noch viel zu tun.
Christa Rytz hat einen Einblick in die Entstehungsphase gewährt. Es sieht schon sehr nach Kita aus, gibt aber noch viel zu tun.
Für Minikita fehlt noch das «N». Aber es dauert ja auch noch eine Weile bis zur Eröffnung.
Für Minikita fehlt noch das «N». Aber es dauert ja auch noch eine Weile bis zur Eröffnung.
1 / 4

Begegnungen im Dance Center haben Rytz auf die Idee einer neuen Kita gebracht. An der Reception sei der Puls der Stadt messbar, sagt sie: «Die Mütter der tanzenden Kinder erzählen, was sie beschäftigt.» Etwa von ihrem Bedürfnis nach mehr Kitaplätzen.

Zum Vergleich: Olten hat neun Kitas für 18’500 Einwohner, Langenthal zwei für 15’800 Einwohnerinnen. Tatsächlich, die Nachfrage sei hoch, gerade auch aus dem Spital Langenthal kämen viele Anfragen, sagt Rytz. Ausserdem habe sich gezeigt, dass viele Kinderbetreuerinnen und -betreuer auf der Suche nach einem Job seien.

«Gerade wenn es um die eigenen Kinder geht, sind die Leute froh, wenn sie in ihrer Muttersprache kommunizieren können.»

Christa Rytz, Gründerin Minikita Süd

Die Wahl für die Kita-Leitung fiel auf Ilona Baschung, sie betreut bereits die Spielgruppe im Dance Center, das Rytz gemeinsam mit ihrem Mann führt. Baschung bringt Leitungserfahrung in der Kinderbetreuung mit. Die 30-Jährige habe etwa auch die Qualifikation, Lernende auszubilden, sagt Rytz. Die Kita bietet 30 Plätze. Doch Platz ist nicht gleich Kind. Bis 18 Monate nimmt ein Kind wegen der intensiveren Betreuung eineinhalb Plätze in Anspruch.

Die 30-jährige Ilona Baschung übernimmt die Leitung der MiniKita Süd.
Die 30-jährige Ilona Baschung übernimmt die Leitung der MiniKita Süd.
Fotos: zvg
Ilona Baschung mit dem Kind von Christa Rytz im Kiesbecken.
Ilona Baschung mit dem Kind von Christa Rytz im Kiesbecken.
1 / 2

Die Trägerschaft und somit die Verantwortung für die Minikita übernimmt das Dance Center. Es eigne sich, weil die Leute wüssten, wer dahinterstecke, sagt Rytz. Denn: «Niemand gibt sein Kind gerne an einen unbekannten Ort.»

Dank dieser Vertrauensbasis aber auch mit der Sprachpalette kann die Minikita Süd verschiedene Familien erreichen. Das vierköpfige Team kann auf Deutsch, Englisch und Italienisch kommunizieren. Eine Angestellte spricht ausserdem Dari. Somit können sich auch Familien etwa mit Herkunft aus Afghanistan, dem Iran oder Tadschikistan melden – und bei Bedarf Dari sprechen. Denn: «Gerade wenn es um die eigenen Kinder geht, sind die Leute froh, wenn sie in ihrer Muttersprache kommunizieren können», sagt Rytz.

Froh um jede Kita

Deshalb sei sie mit ihrem Projekt beim Kanton auf positive Resonanz gestossen, sagt Rytz. Insbesondere, nachdem Füchsli und Strolchli zwangsmässig geschlossen wurde, sei der Kanton froh um jede Kita in Langenthal. «Gerade auch während des Lockdown haben sie realisiert, dass Kitas systemrelevant sind», fährt Rytz fort. Doch Kitas seien nach wie vor eine Nullrunde: «Es ist nötig, dass der Staat mehr Kosten in der Kinderbetreuung übernimmt.»

Derzeit diskutiert das Stadtparlament über Betreuungsgutscheine, deren Höhe nach Einkommen der Eltern geregelt würden. Den Gutschein kann die Familie in einer Kita ihrer Wahl einlösen, die vom Kanton anerkannt ist. Ein Schritt zur Wettbewerbsgleichheit aller Kitas sei das, findet Rytz. Doch Langenthal hinkt etwas nach: Umliegende Gemeinden haben diese Gutscheine bereits eingeführt.

Kurz vor dem Ziel

Ins Rollen gebracht wurde das Projekt der Minikita im März 2019. Nun stehen Rytz und ihr Team kurz vor dem Ziel. Sobald die Stadt Langenthal grünes Licht und das kantonale Jugendamt die definitive Bewilligung gegeben haben, gibt das Team der Minikita Süd den genauen Eröffnungstermin bekannt.

Zudem ist schon eine weitere Kita geplant, wie der Name der ersten verrät. Minikita Nord öffnet ihre Türen voraussichtlich 2021 mit 24 neuen Plätzen an der Aarwangenstrasse. Damit würde sie den entgegengesetzten Arbeitsweg zur Minikita Süd bedienen. Und somit wäre die aktuelle Zahl an Kitas dann verdoppelt.