Ziemlich dämlich!

Peter Meier klopft Bundesbern auf die Finger.

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Na endlich! Ich dachte schon, das wird nichts mehr. Aber nun ist er doch noch aufgetaucht: der obligate Geheimplan. So eine Bundesratswahl ohne finstere Absprachen, Verschwörungen und Intrigen wär doch Firlefanz, oder? Dieses Mal sind es sinistre Romands und dubiose Tessiner, die im Versteckten Fieses planen.

Ein konspirativer Trupp um Ex-Nationalratspräsident Yves Christen (FDP, VD) soll gerade die lateinische Machtübernahme in der Landesregierung aufgleisen. Der Plan, den die «Basler Zeitung» (BaZ) aufgedeckt haben will, geht so: Zuerst wird jetzt statt FDP-Kronfavorit Ignazio Cassis dessen Waadtländer Parteikollegin Isabelle Moret für Didier Burkhalter ins Amt gemauschelt, später der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi für Doris Leuthard. Üble Sache! Denn die Geheimaktion zielt laut BaZ auf die Unterjochung der Deutschschweizer und den Erhalt der EU-freundlichen Mehrheit im Bundesrat. «Filippo» heisst ­dieser dunkle Masterplan angeblich. Toller Tarnname!

Einen Kronzeugen für die Story finde ich in der BaZ nirgends, nicht mal ein ominöses Geheimpapier als Quelle. Dafür die enthüllende Erkenntnis: «Aussichtslos erscheint dieser Plan nicht von vornherein, bliebe er geheim.» Aha.

Wo der Schwachsinn regiert, ist meist auch Thomas Aeschi nicht weit. Der Zuger SVP- Nationalrat hat auch einen Plan ausgeheckt: In den Sommerferien ist er mit dem Töff in den Maghreb gebraust. Nicht, um zu baden. Das ADHS-Kind des Parlaments (Spitzname: Ritalin) spielt dort Staatsmann: «Ich will prüfen, ob wir illegale Migranten nach Nordafrika ­zurückbringen können», schwadroniert der spröde Finanzpolitiker, der sich selbst zum sexy Afrika- und Asyl­experten ernannt hat. Konkret: Die Schweiz soll in Tunesien ein Auffanglager finanzieren, in das afrikanische Wirtschaftsmigranten ausgeschafft werden könnten. Das will Aeschi bald per Motion fordern.

Was ihm entgangen ist: Die EU wälzt diesen Plan schon seit über zehn Jahren und ködert Tunis vergeblich mit Milliarden. Tunesien sträubt sich beharrlich dagegen und hat genau deswegen bis heute kein Asylgesetz.

Manchmal sind Politiker schwer zu ertragen. Ich meine: Um wie Aeschi grossspurig zu schwurbeln, müssen sie nicht zwingend etwas von der Materie verstehen, schon klar. Aber es wäre doch sachdienlicher, wenn sie zumindest den Hauch einer Ahnung davon hätten, ­bevor sie Bundesrat und Parlament mit nutzlosen Vorstössen eindecken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.08.2017, 11:38 Uhr

Politik, Geschichte, Provinz und Grenzen: Darum geht es samstags in den «Echtjetzt?»-Kolumnen von Lucie Machac, Peter Meier, Stefan von Bergen, Gregor Poletti und Andreas Saurer.

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