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Die Geächteten

Michael Bucher setzt sich für den Schutz einer bedrohten Spezies ein: den Raucher.

Er steht abseits. Allein. Er schweigt, während sich die anderen amüsieren. Betreten blickt er zu Boden. Er weiss um seine Andersartigkeit. Er hat sich mit dem Mobbing ­abgefunden. Er atmet nochmals tief ein und zerdrückt die Zigarette im Aschenbecher. Danach kehrt er zur heiteren Gruppe im Innern des Lokals zurück und versucht den Anschluss ans ­Gespräch zu finden.

Raucher, die ausgegrenzt ­werden: Es ist leider ein alltägliches Bild. Begegnen sich zwei Rauchende an einem ­Anlass vor der Türe, nicken sie sich in stiller Verbundenheit zu. Ein Gefühl, das auch andere Randgruppen ­kennen. Ich bin ja Nicht­raucher, aber so etwas geht mir ans Herz. Wer schützt diese ­gepeinigte Minderheit? Ja, Sie ­lesen richtig. Auch Raucher, ­diese sensiblen Wesen, brauchen Schutz. Sie sind die Opfer des Gesundheitswahnes in ­unserer Wohlstandsgesellschaft.

Wann ist Rauchen eigentlich dermassen uncool geworden? James Dean, Marlene Dietrich, Humphrey Bogart – sie gal­ten als Ikonen, gerade weil sie rauchten. Heute dürfen in ­Hollywoodfilmen nicht einmal mehr die Bösen zur Kippe ­greifen. Aber auch in der realen Welt sieht man praktisch niemanden mehr qualmen. Und von den ­wenigen ­Übriggeblie­benen ­rauchen die meisten nicht mehr, sondern sie dampfen. Die elektronische ­Zigarette mit ihrem süsslichen Dampf ist die gesellschaftsfähige Kompro­miss­lösung in Sachen Rauchen. ­Wobei die Lifestyle-Zigaretten etwa so verwegen wirken wie ein Antischuppenshampoo. Sie gleichen eher einem Apple-Tool.

Das Rauchverbot in Bars hat den Niedergang der Zigarette zusätzlich beschleunigt. In Nachtclubs riecht es seither nicht mehr nach Rauch, sondern nach verschüttetem Bier, Schweiss und anderen Körperausdünstungen.

Auch andere, ans Absurde grenzende Nebenerscheinungen hat das Rauchverbot. Ich er­innere mich an einen Kneipen­besuch in Amsterdam. Die ­Ambiance aus herzhaftem Bierkonsum, angeregten Debatten und mitreissendem Fussball am TV schrie förmlich nach einer Zigarette. Ich und meine Kollegen fragten den Wirt, ob es ­gestattet sei zu rauchen. Weil er unsere spendierfreudige ­Runde nicht vergraulen wollte, gestand er uns eine Zigarette zu. Wir fragten nach einem Aschen­becher. Den hatte er aber nicht, da das Aufstellen eines solchen gesetzlich untersagt war und er so eine Busse riskierte. Er riet uns, die Asche auf den Fussboden zu schnippen. Seither weiss ich: Die menschliche ­Zivilisation hat ihren Höhepunkt erreicht.

Ich rufe hier und jetzt ein Solidaritäts-Hashtag für Raucher ins Leben: #LoveSmoke.

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