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Gedankenkarussell

Von der Loki auf die Titanic ins Badezimmer: Simone Lippuner über unberechenbare Gedankensprünge.

Simone Lippuner

Ich sass also im kleinsten Zug Biels. Der «W.Express» ist eine Kinderlokomotive, die in der Adventszeit zwischen Glühweinständen und Selbstgestricktem ihre Runden dreht. Ich quetschte mich auf die Sitzbank hinter meinen Sohn, es reichte nur knapp, normalerweise sitzen dort zwei bis drei Minipopos, und freute mich mit ihm auf die Reise.

Im Schritttempo ruckelte die Eisenbahn los. Da merkte ich rasch, dass es ein blöder Zug war von mir, mich mit rein­zusetzen – mit über eineinhalb Jahren ist man schliesslich genug alt, sich selber am Geländer einer Kinderloki fest­zuhalten.

Übervorsichtige Gluggere, dachte ich. Da kam die Hirnmaschinerie in Fahrt. Was für ein Blödsinn, dachte ich, dass die jedem Kind als Zugticket eine Plastikpfeife geben, so eine unökologische Geste. Doch das war meinem Sohn piepegal, er pustete rein und freute sich.

Das tönt ja wie bei Kate Winslet, wenn sie verloren und halb erfroren auf einer Eisscholle neben der sinkenden Titanic treibt und mit letzter Kraft ums Überleben pfeift.

Ich dachte weiter über das traurige Schicksal der Titanic nach, seit über hundert Jahren schlummert dieses Wrack nun in 4000 Metern Tiefe. Wie mag das heute wohl aussehen! Plötzlich kamen mir die verkalkten Siphons und Stöpsel in unserem Bad in den Sinn und all die Weihnachtsgäste, die in den nächsten Tagen zu Besuch kommen.

Ich sollte dringend putzen gehen, dachte ich. Oder besser: Verdammt noch mal aufhören, mit diesem Bimmelzug durch den Weihnachtsdampf zu fahren und dummes Zeug zu denken. Der Zug hielt an, wir stiegen aus. «Nomau», sagte mein Sohn.

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