Der Stuckateur soll es kitten

Gibt Jupp Heynckes für die kriselnden Bayern tatsächlich ein Comeback an der Seitenlinie?

Champions League, Supercup, Meisterschaft und Pokal: Jupp Heynckes' letzter Abgang bei den Bayern war ein äusserst erfolgreicher.

Champions League, Supercup, Meisterschaft und Pokal: Jupp Heynckes' letzter Abgang bei den Bayern war ein äusserst erfolgreicher. Bild: Keystone

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Am Dienstag ass Bayern-Präsident Uli Hoeness mit dem früheren Trainer Pep Guardiola (jetzt bei Manchester City) beim Italiener in München zu Mittag. Dabei habe er dem Spanier verraten, wer der neue Trainer der Bayern werde, sagte Hoeness gleichentags der «Abendzeitung». Guardiola sei einverstanden gewesen.

Das Tischgespräch befeuerte die Spekulationen. Die Zeitung «Bild» tat sich beim Kaffeesatz­lesen besonders hervor: Sie schrieb, der letztjährige Dortmunder Thomas Tuchel werde es wahrscheinlich, schliesslich sei dieser mit Guardiola befreundet. Die «Bild» lieferte den Beleg für ihre These gleich nach: Eine Nacht von Tuchel und Guardiola in einer Münchner Bar, in der sie stundenlang mit Pfefferstreuern und Weingläsern Taktiken nachgespielt hätten. Wer wohl tiefer ins Glas geschaut hatte? Die beiden Trainer? Oder doch der «Bild»-Redaktor?

Es kam jedenfalls anders: Der eigenwillige Tuchel – der im Italienurlaub einst die Grundregel aufgestellt hatte: «Ohne Pasta, ohne Pizza» – konnte man sich ja auch nicht beim Tischgespräch mit Hoeness vorstellen. Es übernimmt auch nicht Hoffenheims 30-jähriger hoch begabter Julian Nagelsmann, der in München gerade ein Haus baut.

Die Bayern besinnen sich in der Krise (Platz 2 in der Bundesliga und Champions League) auf Jupp Heynckes, Triplegewinner im Ruhestand. Der «Rheinischen Post» bestätigte dieser am Donnerstag Gespräche, klar sei aber noch nichts. Beim letzten Einsatz des 72-Jährigen 2013 hatte RB Leipzig in der viertklassigen Regionalliga gespielt. Und Nagelsmann war ein unbekanntes Milchbubi.

Die Entscheidung pro Heynckes ist eine Überraschung. Anderseits: Guardiolas Vorgänger ist eine Wahl hoenessscher Art. Die beiden verstehen sich seit Jahrzehnten gut. Die Freundschaft brach nicht einmal auseinander, als der Manager den Trainer 1991 bei den Bayern entlassen hatte. 2009 half Heynckes aus, nachdem Jürgen Klinsmann die Bayern mit Buddhafiguren vor den Kopf gestossen hatte. 2011 folgte er auf das Riesenego Louis van Gaal.

Heynckes dürfte nun weniger Zeit für seine Fische haben. Etwa den Koikarpfen, den ihm die Bayern-Spieler zum Abschied geschenkt hatten. Heynckes taufte ihn Philippo. Nach Philipp Lahm, seinem Kapitän. Lahm trat im Sommer zurück, wie auch Grandseigneur Xabi Alonso. Zuletzt machten die Bayern vorab mit atmosphärischen Störungen Schlagzeilen. Es gibt viel zu kitten. Gut ist Heynckes gelernter Stuckateur. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.10.2017, 18:28 Uhr

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