Sie möbelt leer stehende Wohnobjekte auf

Lotzwil

Da eine Frucht­schale mit Erdbeeren, dort eine Wolldecke über dem Sofa. Astrid Lanz macht unbewohnte Immobilien wohnlich. Damit will die Home-Stagerin Häuser und Wohnungen schneller an die Käufer ­bringen.

Astrid Lanz ist die erste Home-Stagerin im Oberaargau.

Astrid Lanz ist die erste Home-Stagerin im Oberaargau.

(Bild: Thomas Peter)

Über dem Sofa hängt ein Hirschgeweih – das Wohnzimmer mit dem moosgrünen Teppich wirkt dunkel und etwas gruselig. Astrid Lanz zeigt Fotos auf ihrem Handy. Bilder von Wohnungen, die im Internet zum Verkauf angeboten werden. «Wer sein Auto verkauft, poliert es vorher ja auch auf Hochglanz», sagt sie und runzelt die Stirn.

Dabei würde es nicht viel dafür brauchen, einen besseren Eindruck der Immobilie zu vermitteln, meint sie.Und genau das macht sie sich zur Aufgabe. Als Home-Stagerin bringt die Lotzwilerin Häuser und Wohnungen vor dem Verkauf auf Vordermann. «Ziel ist es, ein schönes Ambiente zu schaffen, sodass sich die Objekte schneller verkaufen oder vermieten lassen», sagt Astrid Lanz.

Im Ausland weitverbreitet

Auf die Geschäftsidee kam sie vor zwei Jahren. Damals besuchte sie ihre Tante in Kalifornien. Diese liess ihr Haus vor dem Verkauf schön herrichten. «Warum machst du das jetzt und nicht, als du noch darin gewohnt hast?», habe sie ihre Tante gefragt. Das nenne sich Home-Staging und sei in den USA gang und gäbe, meinte die Tante.

Seit den 1970er-Jahren hat sich das Home-Staging in den Staaten etabliert. Im vergangenen Jahr haben gemäss einem Artikel der «New York Times» 34 Prozent ­aller Immobilienmakler mit ­Home-Stagern zusammengearbeitet. Auch in Australien, Skandinavien oder Deutschland ist es verbreitet.

Die Erste in der Region

In der Schweiz hingegen ist diese Dienstleistung noch wenig bekannt. Etwa 30 Home-Stager hat der kürzlich gegründete Dachverband angeschrieben. Astrid Lanz ist eine davon. «In der Region bin ich die Einzige», sagt sie. Und so befinden sich ihre derzeitigen Projekte im Oberaargau.

In Roggwil hat sie in einem Neubau eine Musterwohnung eingerichtet. Im Kinderzimmer liegt ein angefangenes Puzzle, und im Tumbler finden sich Frotteetücher – soeben fertig getrocknet, könnte man meinen. «Die Wohnung sieht dadurch bewohnt aus», sagt Lanz.

Tricksen ist erlaubt

Doch nur Leben in die leeren Wohnungen bringen ist nicht alles. Hinter der Einrichtung steckt ein Konzept. Die Möbel in neutralem Weiss sollen eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen, und die Farbakzente in Türkis und Gelb sollen der Wohnung im Sommer eine kühle Frische verleihen.

Zudem diene die Einrichtung dazu, dass sich die Leute die Grössenverhältnisse vorstellen könnten, meint Lanz. Hie und da findet sich auch eine optische Täuschung. So sieht das Bett mit gestepptem Überwurf nach bester Liegequalität aus. Dass sich darunter statt eines Bettgestells vier Plastikkisten und eine aufblasbare Matratze befinden, ist nicht sichtbar.

Man dürfe ein bisschen tricksen, solange man nicht gegen den Ehrenkodex der Home-Stager verstosse, sagt Lanz. «Vor eine Wand mit Schimmel oder Wasserschaden einen Schrank stellen geht hingegen nicht», sagt sie.

Traumobjekt im Hinterkopf

Dass sie mit sperrigen Möbeln trickst, hat seinen Grund. Denn ist die Einrichtung gerade nicht im Einsatz, muss sie in ihrem Fundus Platz finden. Dieser umfasst inzwischen 100 Quadratmeter Lagerfläche. Und dass Astrid Lanz die Möbel gleich selbst mitbringt, ist für Immobilienmakler Richard Bossert, der die Wohnungen in Roggwil zum Verkauf anbietet, ein entscheidender Vorteil.

«Früher haben wir mit Möbelhäusern zusammengearbeitet, doch das ist heute nicht mehr so einfach», sagt er. Denn wer eine Wohnung besichtige, sei nicht in erster Linie am Kauf der Einrichtung interessiert, sagt Bossert. Nebst der Musterwohnung in Roggwil hat Lanz einen weiteren Neubau und eine Ferienwohnung hergerichtet.

Vor einem Jahr hat sie angefangen, ihr Geschäft nebst ihrer Tätigkeit als Eventmanagerin bei den SBB aufzubauen. Ihr Angebot umfasst das Einrichten und bei Bedarf die Reinigung der Zimmer sowie die Koordination von Handwerkern. Zudem arbeitet sie mit einer Fotografin zusammen und stellt den Kunden Bilder zur Ver­fügung.

Für die Zukunft hat die Home-Stagerin aus Lotzwil bereits ein Traum­projekt im Hinterkopf, das wohl nicht der gängigen Vorstellung eines Traumhauses entspricht: «Ein richtig altes Haus mit Blümchentapete und Spannteppich würde ich gerne aufmöbeln», sagt sie.

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