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Zahlen zur Corona-KriseBerner Wirtschaft erleidet historischen Einbruch

4,4 Prozent weniger Wirtschaftsleistung, 34’000 Kurzarbeitsgesuche von Firmen und über 16’000 Arbeitslose. Ein Bericht des Kantons zeigt das Ausmass der Corona-Krise.

Kistenweise gingen im März Gesuche für Kurzarbeit ein. Die Arbeitslosenkasse zahlte im ganzen 2020 Kurzarbeitsentschädigungen von 703 Millionen Franken aus.
Kistenweise gingen im März Gesuche für Kurzarbeit ein. Die Arbeitslosenkasse zahlte im ganzen 2020 Kurzarbeitsentschädigungen von 703 Millionen Franken aus.
Foto: Raphael Moser

Die Wirtschaftsleistung ist im Kanton Bern im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent geschrumpft. Der Rückgang ist damit laut Schätzung der Ökonomen von BAK Economics stärker als im gesamtschweizerischen Durchschnitt (3,1 Prozent). Das schreibt die Berner Wirtschaftsdirektion im Jahresbericht zur Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Grund für den besonders starken Rückgang im Kanton ist die vergleichsweise grosse Bedeutung des Tourismus. So verzeichneten insbesondere das Gastgewerbe, tourismusnahe Unternehmen sowie Dienstleistungsbranchen massive Wertschöpfungsverluste. Die Zahl der Hotelübernachtungen fiel um 40 Prozent, die Nachfrage von aussereuropäischen Gästen brach praktisch vollständig weg.

Aber auch in der Uhren- und der Maschinenindustrie schrumpften die Einnahmen stark. Nur wenige Branchen konnten das Vorjahresniveau halten. Dazu gehört die Logistik, weil man teilweise nur noch im Versandhandel einkaufen konnte. Gar zugelegt haben IT-Dienstleister, die von den Vorgaben für Heimarbeit und virtuelle Treffen profitierten.

Historischer Rekord bei Kurzarbeit

Gesamthaft schrumpfte das Bruttoinlandprodukt so stark wie seit der Ölpreiskrise von 1975 nicht mehr. Der Staat reagierte auf die Krise zwar mit Covid-19-Krediten, Darlehen und Zuschüssen. Und die Kurzarbeit als Überbrückungshilfe für die Beschäftigten erreichte nach dem nationalen Lockdown im März einen historischen Höchstwert.

Allein im März wurden 19’000 Gesuche für Kurzarbeit mit 222’200 potenziell betroffenen Beschäftigten eingereicht. Dies entspricht 30 Prozent aller Beschäftigten im Kanton. Im Gesamtjahr gingen 34’300 Gesuche ein, die potenziell 397’800 Personen betrafen. Zum Vergleich: 2019 waren es gerade mal 200 Gesuche für 3400 Personen gewesen.

Wie viele Beschäftigte effektiv betroffen waren, steht nicht im Bericht. Die ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigungen der öffentlichen Arbeitslosenkasse beliefen sich gemäss provisorischen Angaben auf 703 Millionen Franken.

Arbeitslosigkeit steigt weiter

Trotz der staatlichen Hilfen wurden aber Stellen abgebaut. Die Situation auf dem Berner Arbeitsmarkt verschlechterte sich deutlich. Die Arbeitslosigkeit nahm im Jahresverlauf um 5125 Personen zu. Die Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt von 1,8 auf 2,5 Prozent. Hier liegt der Kanton aber weiterhin unter dem landesweiten Schnitt, der von 2,3 auf 3,1 Prozent stieg.

Ende Dezember 2020 waren 16’206 Menschen im Kanton Bern als arbeitslos registriert. Die grosse Frage ist, wie stark die Arbeitslosigkeit wegen der anhaltenden Pandemie noch steigt. Im Januar betrug die Arbeitslosenquote bereits 2,9 Prozent.

7 Kommentare
    Daniela Valsecchi

    Saläre bei der öffentlichen Hand um 10 % kürzen, keine automatischen Teuerungszulagen bis Ende 2030 und das eingesparte Geld den betroffenen auszahlen. Schliesslich bezahlen diese die Zeche, was vom Bund/Kanton vorgegeben wurde. Der mit dem sicheren Job hat ja nichts zu velieren, daher nenne ich dies nicht mehr als Anstand.