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Fusion von BZ und BundBerner Stadtpräsident verärgert, Regierungsrat enttäuscht

Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried kritisiert die Zusammenlegung der Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund». Auch die Berner Kantonsregierung bedauert den Schritt von Tamedia.

Stadtpräsident Alec von Graffenried kritisiert die Zusammenlegung der Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund». (Archivbild)
Stadtpräsident Alec von Graffenried kritisiert die Zusammenlegung der Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund». (Archivbild)
Foto: Raphael Moser

«Ein schwarzer Tag für den Medienplatz Bern»: So kommentiert der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried die Ankündigung von Tamedia, die Redaktionen von «Berner Zeitung» und «Der Bund» zusammenzulegen. Der Stadtpräsident zeigte sich am Donnerstag verärgert.

Die beiden Tageszeitungen seien bisher als Leitmedien für die Meinungsbildung in der Hauptstadt der Schweiz von grosser Bedeutung gewesen, schreibt die Stadtberner Präsidialdirektion in einer Mitteilung vom Donnerstag.

«Der publizistische Wettbewerb zweier Redaktionen stellte eine differenzierte, kritische und unabhängige öffentliche Debatte sicher», so von Graffenried. Dies hätten Bevölkerung und Institutionen stets anerkannt.

Der Berner Stadtpräsident wirft Tamedia vor, mit dem Abschied vom «Berner Modell» die eigenen wirtschaftlichen Interessen höher gewichtet zu haben als die medienpolitische Verantwortung.

Ferner appelliert der Stadtpräsident an die soziale Verantwortung des Unternehmens. Er fordert Tamedia auf, den Abbau zu staffeln und über die natürliche Fluktuation aufzufangen. Allenfalls sei ein grosszügiger Sozialplan auszuarbeiten, zumal der Konzern jahrelang Gewinne erwirtschaftet habe und über finanzielle Reserven verfüge.

Staatliche Medienförderung ist nötig

Für den Berner Stadtpräsidenten zeigen die jüngsten Entwicklungen auch, dass die Geschäftsmodelle der traditionellen Massenmedien überholt sind. Er begrüsst deshalb Initiativen, welche die nun entstehende Lücke mit neuen Formaten zu schliessen versuchen. Dennoch sei es zwingend, neue Wege zu gehen. «Für den Gemeinderat ist klar, dass es eine staatliche Medienförderung braucht», sagte von Graffenried.

Die Stadtregierung plädiert schon seit einigen Jahren für dieses Anliegen. Sofern auf Bundesebene die nötigen rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, sei auch eine Medienförderung vorstellbar, indem die Produktion auch von lokalen und regionalen Nachrichten durch die Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitfinanziert werde.

Handlungsbedarf ortet der Stadtpräsident auch bei der SRG. Mit dem Rückzug der privaten Medien aus dem lokalen und regionalen Raum sei es wichtiger denn je, dass die SRG als öffentliches Medienhaus in die Lücke springe und ihr lokal- und regionaljournalistisches Angebot im Online- und im Radiobereich pflege und gegebenenfalls ausweite.

Ähnlich klingt es bei der Radiogenossenschaft Bern, Deutschfreiburg Wallis. Die privaten Medien befinden sich ihrer Ansicht nach längst auf dem Rückzug aus dem Lokaljournalismus. «Hier ist die SRG als öffentliches Medienhaus gefordert», wird Präsident Philipp Schori in einer Mitteilung vom Donnerstag zitiert.

Sie soll insbesondere dort Angebote schaffen, wo es die Privaten nicht mehr oder kaum mehr täten.

Für Berner Kantonsregierung «verarmt» Medienplatz Bern

Auch die Berner Kantonsregierung bedauert die Zusammenlegung der Redaktionen. Der damit verbundene Stellenabbau werde zu einer «Verarmung» des Medienplatzes Bern führen, schreibt sie in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Nach der Bildung der Einheitsredaktion würden «Bund» und «Berner Zeitung» nicht mehr im heutigen Umfang über das regionale und lokale Geschehen im Kanton Bern berichten können, so die Berner Regierung laut Communiqué.

Im Kanton Bern werde damit eintreten, was bereits in anderen Schweizer Grossregionen der Fall sei: Die Einheitsredaktion werde lokale und regionale Themen ohne Blick auf die Konkurrenz und ohne Vergleich mit der Arbeit der anderen Redaktion behandeln.

Es sei zu befürchten, dass dadurch beiden Titeln zusätzliche Leserinnen und Lesern verloren gingen. Die Berner Regierung erwartet, dass der Stellenabbau bei den beiden Zeitungen «einen fairen Sozialplan einschliesst».

sda/tag

8 Kommentare
    Jörg Kramer

    Was heute in Bern geschieht, geschah in den 1970er Jahren in Basel mit der Fusion von National-Zeitung und Basler Nachrichten. Der Aufschrei war gross und verständlich, denn zu dieser Zeit gab es ein ordentliches Inserateaufkommen und eine ansehnliche Zahl von Abonnenten. Heute schrumpft die Werbung in den Printmedien jährlich und ebenso die Abonenntenschar. Logisch, dass diese Art der Medien nicht mehr wirtschaftlich sein kann. Würden die Abonnementspreise etwa um das doppelte erhöht und die Inserate das Dreifache kosten, wäre dies ebenfalls nicht akzeptiert. Vom wirtschaftlichen Standpunkt ist die Entscheidung richtig. Nur geht dies zu Lasten der Medienkultur und der Bildung von Meinungsvielfalt, die niemand mehr gewillt ist finanziell zu fördern. Schade.