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Trump drängt auf SchulöffnungDer nächste Corona-Schub könnte bereits in wenigen Wochen folgen

Trotz bedrohlicher Infektionszahlen wollen viele Schulen und Universitäten im August den Unterricht aufnehmen. Das könnte der nächste Abschnitt der amerikanischen Corona-Katastrophe sein.

Die Mannschaften der Hochschul-Ligen trainieren bereits wieder und haben damit einen Anstieg der Infektionen verursacht: Donald Trump spricht in Texas mit einem Footballspieler der Permian Panthers. (29. Juli 2020)
Die Mannschaften der Hochschul-Ligen trainieren bereits wieder und haben damit einen Anstieg der Infektionen verursacht: Donald Trump spricht in Texas mit einem Footballspieler der Permian Panthers. (29. Juli 2020)
Foto: Carlos Barria (Reuters)

Genau einen Tag hielt sich Donald Trump an das Script: Er räumte in der vergangenen Woche ein, dass die Corona-Krise in den USA bedrohlich sei, und befürwortete plötzlich das Tragen von Schutzmasken. Schon zum Wochenbeginn aber war wieder Schluss damit: Wie gewohnt verharmloste der Präsident die Lage, und am Mittwoch verteidigte er neuerlich das gemäss mehreren Studien wirkungslose Mittel Hydroxychloroquin.

Während Robert Redfield, der Leiter der Centers for Disease Control and Prevention, gleichentags ein amerikanisches «Versagen» bei der Bekämpfung des Erregers eingestand, wurde die Marke von 150’000 Corona-Toten überschritten. Zwar flachten die Ansteckungswellen in Texas und Kalifornien etwas ab, Staaten wie Virginia und Missouri aber verzeichneten steigende Infektionsraten.

Charlottesville befürchtet Anstieg der Fälle

Der nächste Corona-Schub könnte bereits in wenigen Wochen folgen: Im August beginnt vielerorts der Schulbetrieb, die meisten US-Universitäten werden ihre Hörsäle und Seminarräume öffnen. Epidemiologen befürchten neue Ausbrüche, schon jetzt wehren sich Lehrer und Eltern in stark betroffenen Bundesstaaten gegen die Wiederaufnahme des Unterrichts. In mehreren Kreisen in Florida lag die Positivrate bei Tests von Kindern zwischen 18 und 25 Prozent, gemäss einer Erfassung der «New York Times» vom Mittwoch sind schon jetzt mindestens 6300 Infektionen an US-Hochschulen bekannt.

Ob Burschenschaftler, Uni-Sportler oder Verwaltungspersonal: Im gesamten Land meldeten Universitäten nach Sommerkursen und dem Trainingsbeginn von Uni-Athleten Ansteckungen. Mit Sicherheit werden die Fälle ansteigen, wenn Ende August das Herbstsemester beginnt.

Auch unter Studierenden sind Masken nicht besonders populär. Die Elite-Universität Harvard in Cambridge, Massachusetts, wird ihre Kurse darum über das Web anbieten. Aufnahme vom 16. Juli 2020.
Auch unter Studierenden sind Masken nicht besonders populär. Die Elite-Universität Harvard in Cambridge, Massachusetts, wird ihre Kurse darum über das Web anbieten. Aufnahme vom 16. Juli 2020.
Foto: Steven Senne (Keystone)

In Charlottesville im Bundesstaat Virginia erwartet die University of Virginia dann rund 25’000 Studenten; trotz aller Sicherheitsvorkehrungen der Universität befürchtet der Stadtrat eine Zunahme der Infektionen. Am Montag wurde deshalb das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit angeordnet, auch dürfen Restaurants nur bis zur Hälfte ihrer Kapazität bewirten.

Die Öffnung birgt Risiken für den Präsidenten

Als Studenten der Universität im Juli zur traditionellen Mittsommer-Party nach Charlottesville kamen, beklagten Anwohner, dass weder Masken getragen noch Social-Distancing-Regeln eingehalten wurden. Die Aufnahme des Lehrbetriebs sei «ein Rezept für ein Disaster», erklärte daraufhin Bürgermeisterin Nikuyah Walker.

Manche Hochschulen, darunter die Harvard-Universität sowie sämtliche California-State-Universitäten, wollen den Lehrbetrieb im Herbst zwar online führen, die meisten staatlichen Unis aber werden die Studenten auch vor Ort unterrichten. Für Donald Trump, der sich seit Monaten für die Öffnung von Schulen und Universitäten starkgemacht hat, birgt der Beginn des Lehrbetriebs erhebliche politische Risiken: Falls in den Monaten vor der Präsidentschaftswahl im November Corona-Ausbrüche im Bildungswesen bekannt werden, muss sich neben den Gouverneuren auch der Präsident dafür verantworten.