Panzer ohne Dach

Worauf haben Städte gewartet? Auf ein «urbanes» SUV-Cabrio natürlich – meint zumindest VW und kündigt den neuen T-Roc an.

Der T-Roc kommt 2020 als Cabrio auf den Markt. Premiere feiert das Modell im September auf der IAA in Frankfurt. Bild: Volkswagen

Der T-Roc kommt 2020 als Cabrio auf den Markt. Premiere feiert das Modell im September auf der IAA in Frankfurt. Bild: Volkswagen

Das soll sie sein, die nächste Form von Freiheit. Zumindest wenn es nach VW geht. Mit Wind in den Haaren und erhöhter Sitzposition durch die Städte streifen. Wie ein Kutscher auf seinem Bock, nur nicht angetrieben von zwei PS, sondern einem Vierzylinder-Benzinmotor mit mindestens 115 Pferdestärken. In Wolfsburg nennen sie es die «kraftvollste Form der Leichtigkeit» und meinen damit tatsächlich das SUV-Cabrio T-Roc, das im September auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (IAA) zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Der Verkaufsstart ist für das nächste Frühjahr geplant.

Schaut man auf die Zulassungszahlen, scheint dieser nächste Schritt der «SUVisierung» logisch zu sein. Gerade erst hat die steigende Nachfrage nach den hochgebockten Modellen dafür gesorgt, dass Volkswagen den Absatzrückgang im vergangenen Monat in Grenzen halten konnte – trotz der Konjunkturschwäche. Fast jedes dritte verkaufte Auto der Wolfsburger ist inzwischen ein SUV. Und damit auch niemand auf die Idee kommt, man bräuchte extra viel Bodenfreiheit und eine erhöhte Sitzposition nur im Gelände, spricht VW in seiner Werbung für das T-Roc-Cabrio gleich vom «urbanen SUV». Als gäbe es in den Städten bislang noch keine.

Das nächste Modell aus dem Hause VW soll also ausgerechnet ein Cabrio mit Benzinmotor sein. Dabei gilt im gesamten Konzern eigentlich die Massgabe, sich voll auf Elektromobilität auszurichten. Unter dieser Prämisse – und weil man dafür an anderen Stellen sparen müsse – verkündete Audi-Chef Bram Schot im März das Aus für den Audi TT, der in seiner Cabrio-Variante lange ein Aushängeschild der VW-Tochter war. Und auch für die offene Variante des Golf und den Käfer-Nachfolger Beetle gab es keine Neuauflage mehr.

Ob die Kunden ausgerechnet auf diese doch etwas befremdlich anmutende Kombination aus Cabrio und SUV gewartet haben, ist dennoch fraglich. Denn die Idee, bei einem SUV das Blechdach durch eine Faltmütze aus Stoff zu ersetzen, ist nicht neu. Vor drei Jahren hatte Range Rover das Gleiche mit dem Evoque versucht. Der Erfolg war allerdings nicht sonderlich gross, das SUV-Cabrio wurde nach der ersten Modellgeneration direkt wieder eingestellt. Aber vielleicht sind die VW-Fahrer auch «immer für eine Überraschung gut», wie es die Werbung für das offene Crossover-Modell T-Roc verspricht – und wollen statt in bezahlbaren Elektroautos lieber mit einer Benzinkutsche durch die Gassen rollen.

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