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«Wir werden gegrillt wie peruanisches Hühnchen»

Sollte die Menschheit dem Klimawandel weiter nur zusehen, werde es ihr so ergehen wie einem peruanischen Huhn. Christine Lagarde wählt drastische Worte am IWF-Treffen in Lima.

Sieht eine düstere Zukunft: IWF-Chefin Christine Lagarde. (7. Oktober 2015)
Sieht eine düstere Zukunft: IWF-Chefin Christine Lagarde. (7. Oktober 2015)
Ernesto Benavides, AFP

IWF-Chefin Christine Lagarde hat mit klaren Worten dringende Schritte gegen die globale Erwärmung gefordert. Sollte die Menschheit dem Klimawandel tatenlos zusehen, werde es ihr so ergehen wie dem peruanischen Geflügel, das die Teilnehmer des Jahrestreffens der Weltbankgruppe und des Internationalen Währungsfonds in Lima genössen, sagte Lagarde am Mittwoch auf der besagten Konferenz.

«Wenn wir kollektiv kneifen, werden wir uns alle in Hühnchen verwandeln und wir werden alle gebraten, gegrillt, getoastet und geröstet», sagte Lagarde während einer Podiumsdiskussion mit Weltbankpräsident Jim Yong Kim, UN-Klimageneralsekretärin Christiana Figueres sowie dem Ökonomen und Klimaexperten Nicholas Stern. Kim und Lagarde sprachen sich für eine Abkehr von Subventionen für fossile Brennstoffe und die Notwendigkeit von Verbrauchssteuern für Kohlenstoffemissionen aus. Die beiden stimmten überein, dass der Klimawandel eine grosse Herausforderung sei.

Zeit für eine CO2-Emissionssteuer

Weiter hat Christine Lagarde die Einführung einer CO2-Emissionssteuer gefordert. Es sei «der richtige Moment» für die Besteuerung der Klimagase. Neben dem Umweltaspekt habe eine solche Steuer den positiven Effekt, dass sie insbesondere den Staaten, deren Haushaltslage durch die Finanzkrise angespannt sei, frisches Geld in die Kassen spülen könne.

«Finanzminister suchen nach Einnahmen. Das ist das Los von Finanzministern», sagte Lagarde. «Vor allen Dingen im Moment ist dies der Fall, weil viele bereits viel von ihren finanziellen Rücklagen aufgebraucht haben.» Sie benötigten aber immer einen gewissen Puffer, um auch die nächste Finanzkrise zu bewältigen. In einer solchen Lage könne eine CO2-Steuer neue Einnahmequellen schaffen.

100 Milliarden Dollar für einen Klimafonds

Eine CO2-Steuer sei der Vorzug vor dem Emissionszertifikate-Handel zu geben, wie er in Europa bereits etabliert sei, sagte Lagarde weiter. Der Handel mit diesen Zertifikaten erlaubt es Unternehmen mit geringem Ausstoss von Klimagasen, ihr Verschmutzungsrechte zu verkaufen. «Ich glaube, dass eine Kohlesteuer um einiges besser wäre», sagte Lagarde. Die möglichen Einnahmen aus einer solchen Steuer würden es den Industrieländer zudem erleichtern, ihre Finanzzusagen für ärmere Staaten einzuhalten, sagte die IWF-Chefin.

Die Industriestaaten haben grundsätzlich zugesagt, einen Klimafonds mit einem jährlichen Volumen von 100 Milliarden Dollar (88,8 Milliarden Euro) ab dem Jahr 2020 einzurichten. Das Geld soll Entwicklungsländern für die Bewältigung der Lasten für Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung stehen. Am 30. November beginnt der UN-Klimagipfel in Paris, er dauert bis zum 11. Dezember.

Finanzminister aus aller Welt und Vertreter von Zentralbanken kommen in diesen Tagen im peruanischen Lima zusammen, um bei dem gemeinsamen Jahrestreffen der Weltbank und des IWF miteinander zu diskutieren. Das Forum dauert noch bis Sonntag.

SDA/slw

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