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Mehr als Folklore liegt nicht drin

Auf der französischen Seite der Pyrenäen leben ebenfalls Katalanen. Viel zu sagen haben sie allerdings nicht: Paris verdrängt ihre Existenz und will nichts wissen von einer Autonomie.

Katalanen in Perpignan verlangten 2016 bei einer Demo, dass ihre Region bei der Territorialreform den Zusatz «pays catalan» erhalte.
Katalanen in Perpignan verlangten 2016 bei einer Demo, dass ihre Region bei der Territorialreform den Zusatz «pays catalan» erhalte.
Radio France / Sébastien Berriot

Eigentlich müsste derzeit jeder Pariser Chefredaktor einen Envoyé spécial nach Südfrankreich schicken. Denn mit den Vorgängen in Barcelona stellt sich unweigerlich die Frage, wie es denn um die «Nordkatalanen» bestellt sei. So nennen sich die französischen Katalanen seit der Teilung Kataloniens im Pyrenäenfrieden im Jahre 1659 zwischen Spanien und Frankreich.

«Unteilbare» Republik

Doch die Pariser Medien berichten kaum über die Katalanen im eigenen Land. Als gute Anhänger des jakobinischen Zentralstaates stehen sie ohnehin eher auf der Seite der Regierung in Madrid. Aber nicht nur deshalb übergehen sie die Katalanen im eigenen Land schlicht.

Der Pariser Nabel fürchtet sich historisch bedingt vor den Zentrifugalkräften in den Randregionen: Autonomieforderungen in Korsika oder der Bretagne, dem Elsass oder dem Baskenland – und eben auch in Katalonien werden aus Prinzip abgelehnt: Die Republik ist laut dem ersten Artikel der Verfassung «unteilbar». Regionalsprachen gelten erst seit einer Grundrechtsrevision von 2008 als Teil des nationalen Kulturerbes.

Katalonische Lieder

Das Katalanische ist in der Stadt Perpignan (120 000 Einwohner) und dem umliegenden Departement Pyrénées-Orientales gut vertreten, was sich auch in den rot-gelben Flaggen beider Körperschaften äussert. Sprache und Kulturgut werden ohne Aggres­sivität, aber mit Beharrlichkeit hochgehalten; bei Rugbyspielen wird gerne das katalanische Anti-Franco-Lied «L’Estaca» gesungen.

Mehr als diese – in Frankreich durchaus geschätzte – Folklore wird den Katalanen aber nicht zugestanden. Und da sie mit schätzungsweise 100 000 Vertretern nicht eben zahlreich sind, vermögen sie sich auch politisch kaum je durchzusetzen.

Vor einem Jahr verlangten 10 000 Katalanen bei einer Demonstration in Perpignan, dass die neue Region bei der Territorialreform den Zusatz «pays catalan» erhalte. Doch in der neu­gebildeten Region Occitanie mit 5,8 Millionen Einwohnern und Grossstädten wie Toulouse und Montpellier verhallte diese katalonische Forderung weitgehend ungehört.

Eine Nacht-und-Nebel-Aktion

Wenig zahlreich, erliegen die französischen Katalanen aber auch nicht der Radikalisierung. Ihr Anführer Jordi Vera sagt von sich, er liebe Frankreich wie jeder andere Franzose. Das hindert ihn nicht, eine stärkere Autonomie zu fordern. Chancen hat das Anliegen nicht; die Gegend ist eine der ärmsten Frankreichs und auf Hilfe aus Paris angewiesen.

Umso offener zeigen sich die Nordkatalanen mit ihren Brüdern und Schwestern in Barcelona solidarisch. Für deren Referendum lagerten sie Wahlurnen und druckten Millionen von Wahlzetteln, um sie zum Abstimmungstag bei Nacht und Nebel über die Grenze zu schaffen.

Im Dorf Pézilla-la-Rivière veröffentlichte der versammelte Gemeinderat ein Foto mit der Aufschrift: «Urnen beissen nicht». Nach den Einsätzen der spanischen Polizei vor den Wahlbüros protestierten in Perpignan Hunderte französischer Katalanen mit Spruchbändern vor dem spanischen Konsulat. Ohne dass die Pariser Medien darüber berichteten.

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