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May kämpft um ihre Zukunft

Premierministerin Theresa May versucht auf dem Parteitag der britischen Konservativen, ihre Macht zu konsolidieren. Aussenminister Johnson hatte zuvor ihren Brexit-Kurs offen infrage gestellt.

Theresa Mays Rede beim Parteitag geriet zum Debakel. Nicht nur weil ein Buchstabe von der Leinwand fiel.
Theresa Mays Rede beim Parteitag geriet zum Debakel. Nicht nur weil ein Buchstabe von der Leinwand fiel.
Keystone

Theresa Mays Rede beim Parteitag der Tories in Manchester sollte eine der wichtigsten in ihrer politischen Laufbahn werden. Schliesslich herrscht innerhalb der Konservativen Partei noch immer grosse Wut darüber, dass May bei den vorgezogenen Neuwahlen im Juni die absolute Mehrheit ihrer Partei im Unterhaus verloren hat. May wollte mit ihrem Auftritt gestern dafür werben, weiter Parteichefin zu bleiben. Die Rede soll einen Neustart markieren.

Zum Abtreten aufgefordert

Am Anfang läuft noch alles gut. May erzählt, warum sie sich als junge Frau den Tories angeschlossen hat. Sie räumt Fehler beim Wahlkampf vor wenigen Wochen ein, für die sie sich entschuldigt. May zählt die Errungenschaften der konservativen Regierungen seit 2010 auf. Doch dann geht alles bergab.

Ein geduckter Mann tritt an das Rednerpult heran. Es ist der Komiker Simon Brodkin. Er reicht May ein P45-Formular, mit dem man in Grossbritannien das Finanzamt darüber unterrichtet, dass man seinen Job verlässt, und er sagt, Aussenminister Boris Johnson habe ihn geschickt. Danach tritt er zu Johnson und unterhält sich mit ihm. Erst nach beinahe einer Minute schnappen sich Sicherheitsleute Brodkin und führen ihn aus dem Saal. Ein schwerer Bruch der Sicherheitsvorschriften.

May versucht, ihre Rede fortzusetzen. Doch beinahe sofort bricht ihre Stimme weg. Gute 20 Minuten lang hustet May immer wieder, ihre Stimme versagt wieder und wieder, sie kämpft sich durch die Rede.

Mays Minister, die in einer Reihe vor ihr sitzen, sehen besorgt aus. Als Mays Stimme zurückkehrt, kommt sie zum wesentlichen Teil ihrer Rede: Sie lobt die freie Marktwirtschaft und stellt Erleichterungen für Hauskäufer und für Studenten in Aussicht. Doch nach einigen Minuten versagt ihre Stimme erneut.

May hangelt sich bis zum Ende ihrer Rede. Als wäre das noch nicht genug, fällt irgendwann auch noch ein «f» aus dem Schriftzug, vor dem May steht. Als sie ihre Rede beendet, steht da: «A country that works (f)or everyone» – «Ein funktionierendes Land oder alle».

Zahlreiche Beobachter wiesen nach dem Ende der Rede darauf hin, dass wohl kaum der Inhalt von Mays Rede in Erinnerung bleiben werde, sondern die Unterbrechung durch den Komiker und Mays versagende Stimme. So gesehen hätte die Rede für May kaum schlechter laufen können.

Johnson fordert May heraus

Denn ein grober Angriff auf ihre Autorität hat den Parteitag überschattet. In den vergangenen zwei Wochen hat Aussenminister Boris Johnson mehrmals May mit eigenwilligen Erklärungen zum Brexit herausgefordert. In einem ellenlangen Artikel im «Daily Telegraph» etwa stellte Johnson die Brexit-Pläne der Regierung offen infrage führte seine eigene «Vision» aus.

Der Vorstoss war offenbar mit der Regierung nicht abgesprochen und somit ein gewaltiger Affront. Am Wochenende legte Johnson nach: Er erklärte in einem Interview, welche Zugeständnisse London gegenüber der EU bei den Brexit-Verhandlungen auf keinen Fall machen dürfe. Dabei hat Johnson mit den Verhandlungen überhaupt nichts zu tun.

Dass May Johnson nicht entlassen hat, spricht Bände darüber, wie geschwächt ihre Position ist. Ihre offensichtliche Sorge: Ein aus dem Amt geworfener Johnson könnte ihr den Posten an der Parteispitze streitig machen.

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