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Die Wüste erwacht zum Leben

Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Wochen das ansonsten staubtrockene Innere Australiens überflutet. In Wasserstellen und Pfützen tauchen nun unzählige prähistorisch anmutende Krustentiere auf.

Das viele Wasser hat nicht nur viele Wildblumen sprießen lassen, sondern hat auch unzählige kleine Krustentiere zum Leben erweckt.
Das viele Wasser hat nicht nur viele Wildblumen sprießen lassen, sondern hat auch unzählige kleine Krustentiere zum Leben erweckt.
Facebook/Northern Territory Parks and Wildlife
Diese sogenannten Kiemenfußkrebse erinnern mehr an prähistorische Tiere als an tatsächliche Lebewesen.
Diese sogenannten Kiemenfußkrebse erinnern mehr an prähistorische Tiere als an tatsächliche Lebewesen.
Facebook/Northern Territory Parks and Wildlife
Die Krebse, die in den Parks und Reservaten des Northern Territorys gefunden wurden, sind geschützt.
Die Krebse, die in den Parks und Reservaten des Northern Territorys gefunden wurden, sind geschützt.
Facebook/Northern Territory Parks and Wildlife
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Einmal alle 50 Jahre kommt es vor, dass es im australischen Outback so heftig regnet wie in den vergangenen Wochen. Das viele Wasser hat nicht nur viele Wildblumen spriessen lassen, sondern hat auch unzählige kleine Krustentiere zum Leben erweckt. Diese sogenannten Kiemenfusskrebse erinnern mehr an prähistorische Tiere als an tatsächliche Lebewesen.

Denn sie sehen ein wenig aus wie die Urwesen, die sich vor 540 Millionen Jahren in den warmen seichten Meeren gebildet haben und eine der ersten Lebensformen auf der Erde waren: Leanchoilia, Trilobiten, Sanctacaris oder Opabinia – alles Ausgeburten des Kambriums, die aber schon ein Knochenskelett oder einen harten Panzer am Rücken hatten.

Regen liess Tiere erwachen

Genau so einen tragen auch die kleinen Kiemenfusskrebse, die jetzt wie aus dem Nichts in den Pfützen und Wasserstellen im Outback Australiens aufgetaucht sind. Der Regen hat ihre Eier, die oft über Jahre im trockenen Busch liegen, millionenfach zum Leben erweckt.

Die meist bräunlichen oder olivgrünen Tiere können bis zu sieben Zentimeter gross werden. «Sie fressen kleine Mikroorganismen und Bakterien im warmen Wasser und atmen über eine Reihe externer Kiemen entlang ihrer Füsse», erklärte der Experte Michael Barritt die Eigenschaften der seltenen Tiere in einem Blog für das Territory Natural Ressource Management. Weibchen und Männchen sind sich extrem ähnlich, ausser dass das Weibchen die Eier trägt, die an der Unterseite ihres Körpers kleben.

Evolutionärer Trick gegen Dürre

«Die Eier sind das, was die Krebse so besonders erstaunlich macht!», sagte Barritt. «Das Weibchen breitet die Eier im Wasser aus, während es verdunstet.» Je mehr die Sommersonne auf die Eier scheint, umso mehr trocknen sie aus und begeben sich in eine Diapause oder in eine Art Ruhephase. Der Wind bläst sie dann oft über weite Strecken an die ungewöhnlichsten Orte.

Als die Nationalparkbehörde im Northern Territory Australiens auf Facebook über die Tiere berichtete, meldeten sich Australier, die die Tiere sogar direkt auf dem Ulruru entdeckt hatten. «Jetzt ist die beste Zeit die Krebse zu sehen, nachdem die heftigen Regenfälle in Zentralaustralien sie zum Leben erweckt haben», schrieben die Ranger auf Facebook.

Gute Orte um sie zu sehen, seien vor allem das Redbank Wasserloch im Owen Springs Reserve, das Palm Valley im Finke Gorge Nationalpark und das Ewaninga Rock Carvings Conservation Reserve in Zentralaustralien.

Theoretisch sogar essbar

Die Weiterentwicklung der Tiere wird erst aktiviert, sobald es wieder zu regnen beginnt – ein ähnliches Konzept wie bei den Sea-Monkeys, die viele Kinder als eines ihrer ersten Experimente im Mini-Aquarium züchten. Wie bei den Sea-Monkeys stellt der evolutionäre Trick auch bei den Kiemenfusskrebsen sicher, dass die Tiere lange Trockenperioden überleben.

Ihr plötzliches Auftauchen im Outback begeistert derzeit Hunderte Internetnutzer. Larry Snell fragte sogar bei der Nationalparkbehörde nach, ob die Tiere essbar seien. «Wahrscheinlich, Larry», antworteten die Experten. «Aber die Krebse, die in den Parks und Reservaten des Northern Territorys gefunden wurden, sind geschützt.» Mensch dürfen die kleinen Krebstierchen also nur bewundern – den vielen Vögeln im Outback munden sie dafür aber umso besser.

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