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«Prinz anonym» greift den König an

Unruhe in Saudiarabien: Ein Prinz fordert den König in zwei Briefen zum Rücktritt auf.

Kritiker aus der eigenen Familie fordern seinen Rücktritt: Der saudische König Salman.
Kritiker aus der eigenen Familie fordern seinen Rücktritt: Der saudische König Salman.
Evan Vucci, Keystone

Kritik sind die Könige von Saudiarabien nicht gewohnt. Seit 1932 führen sie das Land auf der Arabischen Halbinsel als absolute Monarchie. Was der König sagt, gilt. Nun jedoch kommt die Kritik aus den eigenen Reihen. Ein saudischer Prinz, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen will, hat im September zwei Briefe geschrieben, in denen er fordert, König Salman solle zurücktreten. König Salman (79) regiert in Saudiarabien seit Januar dieses Jahres.

Die Briefe haben sich online verbreitet, mehr als zwei Millionen Menschen sollen sie in Saudiarabien gelesen haben. Auch die englische Zeitung «The Guardian» veröffentlichte die Briefe und konnte mit dem Prinzen sprechen. Der Prinz ist ein Enkel des Staatengründers Abdul Aziz bin Saud.

«Der König ist in keiner guten Verfassung, und sein Sohn Mohammed bin Salman regiert eigentlich das Königreich», sagte er der englischen Zeitung. Einige seiner Onkel würden sich schon bald treffen, um über die Zukunft des Landes zu diskutieren. Auch verschiedene Stammesführer hätten ihre Unterstützung zugesichert. «Sie sagten, man müsse handeln, sonst steuere das Land auf die Katastrophe zu.»

Tatsächlich hätte das saudische Königshaus genügend dringende Probleme, um die sich die Regierung kümmern sollte. Bei einer Massenpanik in Mekka starben letzte Woche mindestens 769 Menschen, vermutlich waren es aber über 1000 Opfer. Wie üblich bestreitet das Königshaus, irgendwelche Fehler gemacht zu haben. Kritiker werfen Regierungskreisen jedoch vor, sich viel zu wenig um die heiligste Stätte des Islam, die in Saudiarabien liegt, zu kümmern. Zudem ist die Korruption in Beamtenkreisen ein weit verbreitetes Problem.

Schelte für Prinz Rücksichtslos

König Salmans Sohn Mohammed bin Salman, der laut dem Briefe schreibenden Prinzen das Land eigentlich regiert, hat einige wichtige Posten. Er ist Verteidigungsminister und für die staatliche Ölförderfirma Aramco zuständig. Offiziell ist er 35 Jahre alt, was nach saudischen Massstäben für einen Herrscher sehr jung ist, tatsächlich soll er aber erst 30 sein und wird laut «Guardian» hinter vorgehaltener Hand auch Prinz Rücksichtlos genannt.

Er führt im Nachbarland Jemen Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, Tausende Zivilisten sind bei den saudischen Luftschlägen bereits ums Leben gekommen. Erst diese Woche starben bei einem Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft 130 Zivilisten. Saudiarabien weist jegliche Verantwortung von sich.

Auch finanziell stand das Land schon besser da. Der stetig sinkende Ölpreis nagt an den Ressourcen. Laut der «Financial Times» musste die Regierung Milliarden von Dollar an ausländischen Investitionen zurückziehen, um die Verluste aus dem Ölgeschäft auszugleichen.

Die Briefe des Prinzen vergleicht der «Guardian» mit der Palastrevolte 1964, als König Faisal den amtierenden König Saud vom Thron stiess. Ob die Briefe nun tatsächlich einen Machtwechsel innerhalb der Familie auslösen können, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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