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Soldaten wollten Regierung im Südsudan stürzen

Mehrere Militäreinrichtungen in der Hauptstadt Juba wurden von Soldaten angegriffen – erfolglos. Der südsudanesische Staatschef spricht von einem Putschversuch. Verantwortlich soll der Ex-Vizepräsident sein.

Ein Machtkampf im Südsudan hat sich zu einem Putschversuch ausgeweitet. Präsident Salva Kiir sagte in einer Fernsehansprache, Soldaten mit Verbindungen zum früheren Vizepräsidenten Riek Machar hätten die Regierung stürzen wollen. Aussenminister Barnaba Marial Benjamin sagte der Nachrichtenagentur AP, Soldaten hätten das Waffenlager auf dem wichtigsten Armeestützpunkt überfallen und seien zurückgeschlagen worden. Die Unruhen begannen den Angaben zufolge in der Nacht und sporadische Gefechte hielten bis zum Vormittag an.

Die Regierung habe die militärische Lage inzwischen wieder voll unter Kontrolle, sagte Staatschef Kiir, der bei seiner Ansprache eine Uniform mit den Schulterstücken eines Generals trug. «Ich verspreche Ihnen, dass die Gerechtigkeit sich durchsetzen wird», sagte er. Der Präsident ordnete eine Ausgangssperre an, die bis zur Abenddämmerung gelten sollte.

Angespannte politische Lage

Aussenminister Benjamin sagte, mehrere Politiker seien festgenommen worden. Er könne aber nicht bestätigen, ob auch Ex-Vizepräsident Machar darunter sei. Der Putsch sei von «verärgerten» Soldaten und Politikern unter Machars Führung geplant worden, erklärte er.

Zunächst war unklar, wie viele Opfer es bei den Gefechten gab. Es seien mehrere Militäreinrichtungen unter Beschuss geraten, sagte Armeesprecher Philip Aguer. Die Angreifer seien Soldaten gewesen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah am Morgen schwer bewaffnete Patrouillen in den Strassen der Stadt. Zivilisten wagten sich kaum aus ihren Häusern. Die Fluggesellschaft EgyptAir strich am Montag ihre Flüge nach Juba, da der Flughafen gesperrt wurde.

Seit Präsident Kiir im Juli seinen Stellvertreter Machar, und im gleichen Zug das ganze Kabinett, entlassen hat, ist die politische Lage in Juba angespannt. Machar kritisierte Kiirs Führung daraufhin als «Diktatur». Er hatte angekündigt, bei der Präsidentschaftswahl 2015 antreten zu wollen.

«Tiefe Besorgnis» über die Unruhen

Die Zeitung «Sudan Tribune» berichtete auf ihrer Website am Montag, die Kämpfe seien zwischen Mitgliedern der Präsidentengarde ausgebrochen. Angehörige des Dinka-Stammes von Präsident Kiir und des Nuer-Stammes, dem Machar angehört, hätten sich gegenseitig angegriffen.

Hilde Johnson, die UN-Vertreterin im Südsudan, teilte ihre «tiefe Besorgnis» über die Unruhen mit und rief die Konfliktparteien zur Ruhe auf. Hunderte Menschen suchten ihren Angaben zufolge in UN-Gebäuden Schutz.

Präsident Kiir ist der Anführer der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM). Machar und viele Angehörige des entlassenen Kabinetts gehörten zur Rebellengruppe, die Jahrzehnte lang im Bürgerkrieg gegen den Suden und für die 2011 erreichte Unabhängigkeit gekämpft hatte. Machar ist einer der einflussreichsten Politiker des Landes.

(AP)

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