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So schulen britische Einsatzkräfte die libyschen Rebellen

Im Auftrag der Nato sollen britische Soldaten in Libyen aufständische Truppen trainieren. Nun wurde erstmals ein Video veröffentlicht, das diese Einsätze veranschaulicht.

Britische Soldaten zeigen libyschen Rebellen, wie man eine Waffe bedient. Immer wieder fallen Schüsse. Die Soldaten verstecken sich hinter Schutzschildern. Geübt wird der Ernstfall. Solche Szenen zeigt ein Video, dass der arabische Fernsehsender al-Jazeera ausgestrahlt hat.

Es ist das erste Video, das aufzeigt, wie britische Soldaten im Auftrag der Nato die libyschen Rebellen im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Ghadhafi unterstützt. Laut dem Guardian zeigen die Bilder sechs westliche Soldaten im Westen von Misrata zusammen mit Aufständischen. Fünf davon sind bewaffnet und tragen sandfarbige Tarnkleidung sowie Hut und Schal. Der Sechste - wahrscheinlich ein Nachrichtenoffizier - trägt auf den ersten Blick keine Waffe.

Aufstand in den eigenen Reihen

Währenddessen wenden sich immer mehr Soldaten gegen Ghadhafi. Wie ein tunesischer Radiosender vermeldet hat, sind 30 weitere libysche Soldaten desertiert und mit einem Boot nach Tunesien geflohen. Erst am vergangenen Freitag hatten auf die gleiche Weise bereits 22 libysche Armeeangehörige das Land verlassen, darunter etliche hochrangige Offiziere. Die 30 Soldaten erklärten, sie seien bereit, in die von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Libyens zu gehen, um dort auf der Seite der Rebellen zu kämpfen.

Derweil traf der südafrikanische Präsident Jacob Zuma in Libyen ein, um im Konflikt zwischen dem Ghadhafi-Regime und den Aufständischen zu vermitteln. Dies im Auftrag der Afrikanischen Union (AU). Zuma wurde zunächst von Regierungschef Baghdadi Mahmudi empfangen. Ghadhafi hat sich schon seit mehr als einer Woche nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt.

Einleitung von «politischen Reformen»

Dem Vorstoss soll ein im Februar von der AU vorgeschlagener «Fahrplan» zugrunde liegen: sofortiger Waffenstillstand, humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung sowie ein politischer Reformplan.

Gemäss Berichten, die sich auf Quellen im südafrikanischen Aussenministerium stützen, wolle Zuma in Wahrheit eine «Exit-Strategie» mit Ghadhafi aushandeln und diesem gar Asyl anbieten.Doch diese Berichte wurden vom Sprecher des Präsidenten dementiert: Bei den Gesprächen gehe es um die Einleitung «politischer Reformen, die für die Beendigung der gegenwärtigen Krise» notwendig seien, hiess es.

Afrikanischer Staatenbund verärgert

Eine Verhandlungslösung ohne Machtverzicht der Ghadhafi-Familie halten Beobachter aber für ausgeschlossen. Sowohl für die Rebellen wie für die Chefs der Nato-Mitgliedsstaaten und inzwischen sogar Russland ist der Abtritt des seit 42 Jahren regierenden Obersten Voraussetzung für jede Einigung – diese Tatsache können Zuma und die AU höchstens zum eigenen Schaden negieren.

Schon seit Monaten ist der afrikanische Staatenbund verärgert darüber, dass er nur eine Zuschauerrolle spielt: «Einige internationale Spieler versuchen Afrika bei der Suche nach einer Lösung des Konflikts an den Rand zu drängen», ist AU-Kommissionschef Jean Ping überzeugt. Allerdings sind Afrikas Staatschefs daran nicht unbeteiligt: In ihrer Einschätzung des einst grosszügig mit Geld um sich werfenden libyschen «Bruders» sind sie höchst zerstritten.

Erfolgschancen gering

Beobachter in der Region schätzen die Erfolgsaussichten seiner Initiative jedoch eher gering ein. Die Aufständischen bestehen auf den Rücktritt Ghadhafis und wollen ihn vor Gericht sehen.

Schon einmal war Zuma gescheitert, als er bereits im April im AU-Auftrag nach Tripoli reiste und nach dem Gespräch mit Muammar al-Ghadhafi einen Durchbruch bekannt gab. Der Jubel kam jedoch zu früh: Der mit dem «Revolutionsführer» ausgehandelte Waffenstillstand wurde von Ghadhafi gleich wieder gebrochen und von den libyschen Rebellen erst gar nicht ratifiziert.

Nato verhinderte rechtzeitige Lösung

Selbst wenn Zumas Mission erwartungsgemäss keinen Erfolg haben sollte, könnte sein Vorstoss zumindest zu einer Ehrenrettung der AU und einem afrikanischen Schulterschluss führen. Der wird gewöhnlich hergestellt, indem man den Westen für sein «koloniales Gehabe» geisselt.

Es sei die Nato gewesen, die eine «rechtzeitige Lösung» des libyschen Konflikts verhindert habe, sagte Zuma vor seiner Abreise. Solche Töne wird man auch in Tripolis gerne hören.

Neue Luftangriffe

Die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtete von neuen Nato-Luftangriffen auf Ziele in den Bezirken Nalut und Al-Dschufra in der Nacht. Ein Militärsprecher sprach von elf «Märtyrern» und zahlreichen Verletzten. «Es ist das zweite Mal, dass sie auch tagsüber angreifen», erklärte er.

Die Aufständischen meldeten in ihren eigenen Medien einen Luftangriff nahe der Stadt Slaiten. Dabei sollen zehn Panzer der Truppen Ghadhafi zerstört worden sein.

SDA/wid

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