Raketenhagel der Hamas auf Israel

Mehr als 180 Raketen sind aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Als Reaktion bombardierte Israel 150 Ziele im Palästinensergebiet.

Erneute Eskalation beim Gazastreifen: Raketenabschüsse von Palästinensern in Richtung Israel.

Erneute Eskalation beim Gazastreifen: Raketenabschüsse von Palästinensern in Richtung Israel.

(Bild: Keystone)

Für die Bewohner auf der israelischen Seite entlang des Gazastreifens war es keine ruhige Nacht. Dutzende Male ertönte der Raketenalarm, zuletzt um sechs Uhr früh Ortszeit wurden die Bewohner mehrerer Orte aufgefordert, Bunkeranlagen aufzusuchen. Bis zum Mittag wurden mehr als 180 Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Der Grossteil davon landete auf offenem Feld, 30 davon wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome («Eisenkuppel») abgefangen. Mehrere Geschosse trafen Häuser in Sderot und Hof Ashkelon, mindestens 17 Israelis wurden verletzt, eine Person schwer.

Als Reaktion griff die israelische Armee insgesamt 150 Ziele in der Küstenenklave an. Am Donnerstag früh flog die Luftwaffe die dritte Angriffswelle. Sie konzentrierte sich vor allem auf Abschussstationen und Tunnel. Laut palästinensischen Behörden wurden drei Menschen im Gazastreifen getötet. Darunter soll der 30-jährige Ali Ghandour sein, Sohn eines Kommandanten der Kassam-Brigaden Abu Ghandour, der beim Beschuss einer mobilen Raketenabschussrampe umgekommen sein soll. Die beiden anderen getöteten Palästinenser sollen eine schwangere Frau und ihr 16 Monate altes Kind sein.

Israelische Angriffe auf Trainingszentren und Waffenlager

Die israelische Armee konzentrierte sich nach eigenen Angaben darauf, militärische Trainingszentren und Lager von Waffen zu treffen. Wie Armeesprecher Jonathan Conricus im Gespräch mit Journalisten erklärte, stehe die Armee bereit, die Bewohner aus den Orten rund um den Gazastreifen zu evakuieren. «Wir sind darauf vorbereitet. Dieser Prozess ist noch nicht eingeleitet und wir sind auch nicht begierig darauf, das zu tun.»

Es ist das erste Mal seit dem 30. März, dem Beginn der Auseinandersetzungen entlang des Gazastreifens, dass solche Überlegungen angestellt werden. In diesem Zeitraum stieg die Zahl der Toten auf rund 160. Die gegenwärtige Konfrontation sei «definitiv nicht vorbei», sagte der Armeesprecher. Die Bevölkerung in der Region wurde aufgefordert, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Massive Reaktion der israelischen Streitkräfte: Raketeneinschlag in Gaza-Stadt. Foto: Reuters

Premierminister Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman trafen in der Nacht im Hauptquartier der Armee in Tel Aviv zu einer Lagebesprechung ein. Das Sicherheitskabinett wurde für Donnerstagnachmittag zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Während Lieberman für eine Militäroperation ist, plädierte Netanyahu bisher für ein Abwarten.

Die Armee entschied, die Luftabwehr im Süden Israels massiv zu verstärken, und bereitet sich auch auf ein Szenario vor, dass Orte weiter im Landesinneren unter Beschuss kommen könnten. Bereits am Vortag wurden Strassen entlang des Gazastreifens auf israelischer Seite geschlossen aus Angst vor einem Beschuss durch Scharfschützen.

Ägypten und UNO bemühen sich um Waffenstillstand

Die ganze Nacht über bemühte sich Ägypten, einen Waffenstillstand zu erreichen, auch der UNO-Nahostbeauftragte Nikolay Mladenov schaltete sich ein. Er schrieb in der Nacht auf Twitter: «Ich bin sehr alarmiert durch die jüngste Eskalation, vor allem durch die Vielzahl an Raketen auf die im Süden Israels liegenden Orte. Seit Monaten habe ich davor gewarnt, dass durch die humanitäre, politische und sicherheitsmässige Krise in Gaza ein verheerender Konflikt riskiert wird.»

Ägypten und die UNO bemühen sich seit Wochen um eine dauerhafte Verhandlungslösung inklusive eines auf fünf Jahre angelegten Plans zum Wiederbau des Gazastreifens. Eigentlich schien es, als ob die Gespräche zwischen der im Gazastreifen regierenden Hamas, der von Präsident Mahmud Abbas geführten Autonomiebehörde und Israel auf gutem Weg seien.

Es gab in den vergangenen Tagen Beratungen sowohl mit der Hamas-Führung als auch mit dem israelischen Sicherheitskabinett. Ein Hamas-Führer wurde am Mittwoch damit zitiert, dass für Ende August ein Abkommen geschlossen werden könnte. Diese jüngste Welle von Raketenbeschuss kam daher überraschend. «Wenn die gegenwärtige Eskalation nicht sofort beendet wird, dann kann sich die Lage rasch verschlimmern mit katastrophalen Konsequenzen für alle Menschen», warnte der Nahostbeauftragte.

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