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Polizei beendet Protestaktion vor Pariser US-Botschaft

Vor der US-Botschaft in Paris ist es zu einer unbewilligten Demonstration gekommen. Nach schweren Zusammenstössen und rund hundert Verhaftungen löste die Polizei die Versammlung schliesslich auf.

Die Protestwelle erreicht Europa: Französische Polizisten bewachen die US-Botschaft in Paris. (15. September 2012)
Die Protestwelle erreicht Europa: Französische Polizisten bewachen die US-Botschaft in Paris. (15. September 2012)
AFP

Die französische Polizei hat heute eine Demonstration vor der US-Botschaft in Paris aufgelöst. Nach Angaben eines Polizeisprechers nahmen bis zu 250 Muslime an der Kundgebung teil, die sich gegen ein antiislamisches Schmähvideo richtete.

Nach Polizeiangaben nahmen dutzende Männer, Frauen und Kinder – die offenbar «salafistischen Kreisen nahestehen» – daran teil und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Dabei seien mehrere Polizisten leicht verletzt worden. Die französische Polizei nahm schliesslich rund hundert Menschen fest.

UNO-Sicherheitsrat verurteilt Angriffe

Die Welle der Gewalt radikaler Muslime wegen eines islamfeindlichen Internetvideos hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe auf westliche Botschaften und forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ausländische Vertretungen effizient zu schützen.

Die Angriffe seien «nicht zu rechtfertigen», kritisierten die 15 Mitglieder des höchsten UNO-Gremiums in einer am Freitagabend beschlossenen Erklärung. Darin heisst es, diplomatische Vertretungen seien von Natur aus friedlich.

«Zu den zentralen Aufgaben von Diplomaten gehört es, ein besseres Verständnis zwischen Ländern und Kulturen zu fördern», erklärte der Sicherheitsrat weiter. Er zeigte sich «zutiefst beunruhigt» über die Lage.

Die EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton verurteilte «jene, die Religion nutzen, um Extremismus anzustacheln». EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Attacken «absolut inakzeptabel».

Der Grossmufti von Saudiarabien verurteilte die Angriffe auf Botschaften und Diplomaten während der Proteste gegen den Mohammed- Schmähfilm als un-islamisch.

Malaysia und andere Staaten verschärften heute die Sicherheitsvorkehrungen besonders vor US-Institutionen. Der malaysische Innenminister Hishammuddin Hussein erklärte: «Ich habe begriffen, dass so ein Film den geheimen Zweck verfolgt, eine negative Reaktion der muslimischen Gemeinschaft zu provozieren.» Das könne er nicht hinnehmen.

al-Qaida: Rache für Tötung von al-Libi

Der tödliche Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi am vergangenen Dienstag war ein Racheakt für die Tötung des al-Qaida Vize-Chefs, des Libyers Abu Jahja al-Libi. Das erklärte die Gruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) laut dem auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierten US-Unternehmen SITE.

Direkte Verantwortung für den Angriff, bei dem unter anderen der US-Botschafter Christopher Stevens getötet wurde, übernahm die Organisation nicht.

Trauerfeier in den USA

Die USA beschworen angesichts der wütenden Proteste in arabischen Ländern Standhaftigkeit. «Wir werden standhalten angesichts der Gewalt gegen unsere diplomatischen Missionen», sagte US-Präsident Barack Obama bei einer Trauerfeier für die beim Angriff auf das US- Konsulat in Benghazi getöteten Diplomaten.

Bei der Trauerfeier auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews sagte Obama: «Ihr Opfer wird niemals vergessen werden, wir werden diejenigen, die sie uns genommen haben, zur Rechenschaft ziehen.»

Schon jetzt jagen das US-Militär und Geheimdienste in Libyen die Hintermänner des Angriffs in Benghazi. Auch in den Jemen, wo Demonstranten am Donnerstag die US-Botschaft gestürmt hatten, sandten die USA Marineinfanteristen. Die USA erwägen laut Medienberichten zudem, 50 Marines zum Schutz der Botschaft im Sudan zu entsenden.

Tumulte auch in Sydney

Die Proteste erreichten heute Australien. In Sydney setzte die Polizei Tränengas gegen Hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC.

Das in den USA privat hergestellte kurze Video stellt den Propheten Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dar. Youtube hat den Zugang zu dem Film in Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien zeitweise gesperrt.

Nach den Freitagsgebeten war es in islamischen Ländern von Indonesien bis Tunesien zu gewaltsamen Protesten gegen den Film gekommen. Vor allem US-Botschaften, aber auch die deutsche und die britische Botschaft in Khartum wurden attackiert. In Tunis, Tripoli und Khartum wurden mehrere Menschen getötet.

Mursi ruft zur Mässigung auf

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi rief im staatlichen Fernsehen zur Ruhe auf, nachdem er sich tagelang nur zurückhaltend geäussert und damit die US-Regierung aufgebracht hatte.

In Tunesien verurteilte die regierende gemässigt-islamistische Partei Ennahda den Angriff auf die US-Botschaft. Derartige Gewalt gefährde den Weg des Landes zur Demokratie, hiess es in einer heute per E-Mail verschickten Erklärung der Jugendorganisation der Ennahda.

(SDA)

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