Nach Schüssen auf Demonstranten: 60 Tote im Sudan

Soldaten sind offenbar gegen Protestler in Khartum vorgegangen. Die US-Botschaft übt scharfe Kritik.

Mit brennenden Reifen und Steinen: Demonstranten versuchen das Protestcamp im Zentrum von Khartum abzuschirmen. Bild: AFP

Mit brennenden Reifen und Steinen: Demonstranten versuchen das Protestcamp im Zentrum von Khartum abzuschirmen. Bild: AFP

Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte im Sudan gegen Demonstranten ist die Zahl der Todesopfer auf 60 gestiegen. Dies teilte ein Ärzteverband am Mittwoch auf Facebook mit. Zuvor hatte dieser von 35 Toten gesprochen.

Demnach wurden zudem mehr als 300 Menschen verletzt. Die genaue Zahl sei aber schwer festzulegen, da die Kommunikation mit den Verletzten und den Krankenhäusern unter anderem durch das Abschalten des Internets in vielen Landesteilen sehr schwer sei.

Sicherheitskräfte waren am Montag mit Gewalt gegen eine wochenlange Sitzblockade in Khartum vorgegangen, die massgeblich zum Sturz des Präsidenten Omar al-Baschir beigetragen hatte. Dieser wurde im April nach drei Jahrzehnten an der Macht vom Militär abgesetzt. Die Streitkräfte rangen seit dem Putsch mit der Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung, die Verhandlungen brachen jedoch jüngst zusammen. Nach der Gewalt vom Montag erklärte der militärische Übergangsrat die Gespräche für beendet, kündigte die Zugeständnisse an die Opposition auf und rief Wahlen binnen sieben Monaten aus.

Vorwürfe aus den USA

Im Sudan hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April ein Militärrat die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrscht aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Die Botschaft der USA im Sudan kritisierte die Gewalt gegen Demonstranten scharf. «Angriffe sudanesischer Sicherheitskräfte auf Demonstranten und andere Zivilisten sind falsch und müssen aufhören», twitterte die Botschaft. Die Verantwortung dafür trage der militärische Übergangsrat. Der Rat könne die Menschen Sudans nicht verantwortungsvoll führen, hiess es.

red/sda

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