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Mit russischer Hilfe greift der General Tripolis an

Der Bürgerkrieg in Libyen hat das Potenzial, auf die ganze Region überzugreifen.

Khalifa Haftar wird auch von Ägypten, den Emiraten und Saudiarabien unterstützt. Foto: AFP
Khalifa Haftar wird auch von Ägypten, den Emiraten und Saudiarabien unterstützt. Foto: AFP

Mit schweren Angriffen auf die libysche Hauptstadt Tripolis hat der Kriegsherr Khalifa Haftar am Wochenende eine neue Offensive begonnen, mit der er die Macht in dem nordafrikanischen Land übernehmen will. Der General hatte seinen Vorstoss auf Tripolis bereits im April begonnen, machte dann aber monatelang keine Fortschritte gegen die Milizen, die mit der international anerkannten Regierung der nationalen Übereinkunft unter Premier Fayez el-Serraj verbündet sind und Tripolis verteidigen.

Vergangene Woche kündigte Haftar dann in einer Fernseh­ansprache «die entscheidende Schlacht und den Vormarsch auf das Herz der Hauptstadt» an, die er bis zum Jahreswechsel einnehmen will. Massgeblich dafür ist nach Ansicht von Experten, westlichen Diplomaten und Geheimdienstlern die Unterstützung von Söldnern des privaten russischen Militärunternehmens Gruppe Wagner, dessen Chef ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin ist.

1400 Mann der mit dem ­russischen Militärgeheimdienst GRU verbundenen Firma sind laut westlichen Geheimdiensten in Libyen stationiert. Sie sind gut ausgebildet und bedienen moderne Waffensysteme, welche überwiegend die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien an Haftars sogenannte ­Libysche Nationalarmee liefern.

Schickt Erdogan Soldaten?

Diese verfügt über das moderne russische Luftabwehrsystem Pantsir, das die Emirate nach Libyen gebracht haben. Sie haben Haftar de facto die Lufthoheit und damit einen entscheidenden militärischen Vorteil verschafft. Mit einem solchen System wurde kürzlich eine US-Aufklärungsdrohne abgeschossen, vor allem aber Drohnen, die von der Türkei an die international anerkannte Regierung geliefert worden waren.

Haftar lässt Luftangriffe mit ebenfalls von den Emiraten gelieferten Drohnen des chinesischen Typs Wing Loong fliegen. Die Wagner-Söldner verbesserten Reichweite und Präzision von Haftars Artillerie und setzen modernes Feuerleitradar zur Bekämpfung feindlicher Stellungen ein.

Ägypten dürfte eine türkische ­Militärpräsenz im Nachbarland kaum hinnehmen.

In dieser Situation springt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Milizen aufseiten der international anerkannten Regierung bei und droht sogar mit der Entsendung türkischer Truppen nach Libyen. Sollte Premier Fayez el-Serraj darum bitten, werde die Türkei dies in Erwägung ziehen, sagte Erdogan. Das würde aber das Risiko eines Regionalkrieges mit sich bringen. Ägypten, neben den Emi­raten wichtigster Unterstützer Haftars, dürfte eine türkische ­Militärpräsenz im Nachbarland kaum hinnehmen.

Der Westen bleibt aussen vor

Libyen ist längst Schauplatz eines Stellvertreterkriegs. Auf Regierungsseite steht neben der Türkei noch Katar, die beide die Muslimbruderschaft unterstützen. Haftar erhält Unterstützung von den Emiraten und Ägypten, aber auch Saudiarabien. Zugleich stösst Putin in Libyen wieder in ein Vakuum, wenngleich Russland offiziell die Existenz und den Einsatz privater Militärfirmen bestreitet.

Erdogan hat bereits angekündigt, mit Putin über Russlands Unterstützung für Haftar sprechen zu wollen. Manch ein westlicher Diplomat sieht schon Verhandlungen vergleichbar mit dem Astana-Format zu Syrien – bei denen westliche Länder aussen vor blieben, während Putin und Erdogan zusammen mit dem Iran Fakten schufen.

Die deutsche Kanzlerin rief am Freitag beim EU-Gipfel gemeinsam mit Frankreichs Präsident und Italiens Premier «alle libyschen und internationalen Parteien auf, das militärische Vorgehen einzustellen, sich aufrichtig zu einer umfassenden und dauerhaften Beendigung der Feindseligkeiten zu bekennen». Die USA kritisieren zwar Haftars Zusammenarbeit mit russischen Söldnern. Präsident Donald Trump aber hatte im April mit Haftar telefoniert, was als Billigung für dessen Vormarsch auf Tripolis gewertet worden war.

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