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Massenexodus vor der Syrienwahl

Die kommenden Präsidentschaftswahlen in Syrien bezeichnen die Rebellen als Alibi-Veranstaltung. Nun drohen sie mit einem militärischen Grossschlag und lösen eine Massenflucht aus.

Das Bombardement nimmt kurz vor den Wahlen zu: Flüchtendes Passanten in Aleppo. (30. Mai 2014)
Das Bombardement nimmt kurz vor den Wahlen zu: Flüchtendes Passanten in Aleppo. (30. Mai 2014)
Keystone

Die Opposition lehnt die syrische Präsidentenwahl in der kommenden Woche als Alibi-Veranstaltung für Staatschef Assad ab. Nun drohen Rebellen mit Angriffen.

Vor der Präsidentenwahl in Syrien kommende Woche fliehen offenbar Tausende Menschen aus Furcht vor Rebellenangriffen aus den Städten unter Kontrolle der Regierung. Dies berichteten am Freitag unter anderem Bewohner der Stadt Idlib im Nordwesten des Landes. Videos zeigten den Exodus ebenfalls.

Schwere Angriffe auf Aleppo

In der nördlichen Stadt Aleppo kamen unterdessen bei Raketenangriffen auf von Regierungsanhängern bewohnte Stadtviertel mindestens zwölf Menschen ums Leben, wie die staatliche Nachrichtenagentur meldete. Mehr als 80 wurden verletzt. Aleppo ist nach zwei Jahren der Kämpfe praktisch geteilt: Der Osten wird von Rebellen kontrolliert, der Westen von Regierungstruppen.

Die Präsidentenwahl ist für Dienstag angesetzt. Es gilt als ausgemacht, dass Präsident Baschar al-Assad für eine weitere siebenjährige Amtszeit bestätigt wird. Die Opposition und die Rebellen, die seit mehr als drei Jahren gegen ihn kämpfen, lehnen den Urnengang mitten im Bürgerkrieg ab.

«Psychologische Kriegsführung»

In Idlib flohen Zivilisten, nachdem der sogenannte Islamrat - ein militärisches und ziviles Gremium in von Rebellen gehaltenen Regionen - sie zum Verlassen der Stadt bis Freitagfrüh aufgefordert hatten. Die Stadt wird seit zwei Jahren von Rebellen belagert und ist von drei Seiten von ihnen eingekreist. Nach Ablauf der Frist hätten Aufständische die Ausfallstrassen blockiert, berichtete Aktivist Hasan Idilbi über Skype. «Die Opposition bereitet einen Schlag vor, um die Wahlen zu stören», fügte er hinzu.

Bassil Asaad, ein weiterer Aktivist in der Nähe von Idlib, sprach ebenfalls von einer Flucht Tausender Menschen. Er rechnet aber nach eigenen Worten nicht mit einem gross angelegten Angriff am Dienstag. «Ich glaube, es ist nur psychologische Kriegsführung, obwohl einige Rebellen sagen, sie würden den Tag in Idlib blutig werden lassen.»

Video soll Flucht belegen

Der Aktivist Asaad Kandscho im nahen Ort Sarakeb sagte, etwa 4000 Menschen seien allein am Donnerstag geflüchtet. Sie suchten vor allem in Dörfern und Städten in der Nähe Schutz oder in Gebieten an der Grenze zur Türkei. Ein Amateurvideo, das von Aktivisten online gestellt wurde, zeigte zahlreiche Menschen zu Fuss in einer ländlichen Gegend. Das Video wirkte authentisch und deckte sich mit AP-Informationen aus der Gegend.

In der von der Regierung gehaltenen Stadt Hama sagte Aktivist Ahmad al-Ahmad, einige Hundert Menschen hätten sich in Vorstädte zurückgezogen, nachdem es Drohungen von Rebellen gegeben habe. Der Sprecher der kleinen Rebellengruppe Rahman Brigade sagte, mehrere Gruppen von Aufständischen hätten angekündigt, während der Wahl die Hauptstadt Damaskus zu bombardieren. Seine Gruppe werde aber «keine Zivilisten angreifen», sagte er.

Zerstörerische Sprengsätze

Das oppositionsnahe Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete am Freitag, dass syrische Regierungstruppen bei ihren Angriffen auf Rebellenhochburgen nach wie vor systematisch Fassbomben einsetzen. Die einfachen, aber extrem zerstörerischen Sprengsätze hätten allein in Aleppo in diesem Jahr bereits 1963 Menschen getötet, darunter 283 Frauen und 567 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Der UN-Sicherheitsrat hatte in einer Resolution im Februar den Stopp aller Angriffe auf Zivilisten verlangt.

Die Aktivisten vom Syrischen Beobachtungszentrum berichteten zudem, die radikalislamische Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien habe am Donnerstag 193 Kurden aus dem Dorf Kabasin in der Provinz Aleppo entführt. Unklar blieb zunächst das Motiv dafür. Doch die Extremisten führten bereits in der Vergangenheit brutale Kämpfe mit kurdischen Milizen im Nordosten Syriens und nahmen dabei auch Geiseln.

(SDA)

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