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«Ich bin nicht gekommen, um Reue zu zeigen»

Als Parteisekretär forderte François Hollande noch, Frankreich habe sich bei Algerien für die Kolonialzeit zu entschuldigen. Als Präsident auf Staatsbesuch will er nichts mehr davon wissen.

Vor 50 Jahren wurde Algerien unabhängig: Der französische Staatschef François Hollande mit dem algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika in Algiers. (19. Dezember 2012)
Vor 50 Jahren wurde Algerien unabhängig: Der französische Staatschef François Hollande mit dem algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika in Algiers. (19. Dezember 2012)
Keystone
Hollande wird begleitet von seiner Lebenspartnerin Valérie Trierweiler (Mitte).
Hollande wird begleitet von seiner Lebenspartnerin Valérie Trierweiler (Mitte).
Reuters
Dafür gibt es Verträge.
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Keystone
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Der französische Präsident François Hollande hat bei seinem Staatsbesuch in der früheren Kolonie Algerien angekündigt, dass sich Frankreich für die Kolonialzeit nicht entschuldigen werde. «Ich bin gekommen, um die Wahrheit zu sagen», sagte Hollande am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz in Algier. Er sei hingegen nicht gekommen, um «Reue zu zeigen oder Entschuldigungen vorzubringen».

Mehrere algerische Parteien hatten zuvor beklagt, dass die französischen Behörden «die vom kolonialen Frankreich in Algerien begangenen Verbrechen» nicht anerkennen würden. Vor seiner Wahl zum Präsidenten hatte François Hollande als Parteisekretär von Frankreichs Sozialisten genau dieselbe Forderung gestellt.

«Ich, ich bin Präsident der Republik»

Gegenüber dem Sender France 2 begründete Hollande seinen Gesinnungswandel wie folgt: «Ich, ich bin Präsident der Republik, ich vertrete Frankreich, ich vertrete keine Partei.»

Mit seiner neuen Haltung ist Hollande aber in Frankreich bei weitem nicht alleine. Kurz vor seinem Algerien-Besuch haben sich nur 13 Prozent der Franzosen klar für eine Entschuldigung von französischer Seite ausgesprochen. 35 Prozent lehnten es in der Umfrage im Auftrage eines Fernsehsenders ab, dass sich Hollande in Algerien entschuldigt. 26 Prozent waren der Ansicht, er solle dies nur tun, wenn sich umgekehrt auch Algerien bei den Franzosen entschuldige. 26 Prozent äusserten sich nicht.

«An der Zukunft arbeiten»

Hollande forderte stattdessen die «Bereitschaft, uns nicht von der Vergangenheit blockieren zu lassen, sondern an der Zukunft zu arbeiten». An der Zukunft arbeiten heisst für Hollande vor allem auch, Wirtschaftspolitik zu betreiben. Am frühen Nachmittag war der französische Präsident vom algerischen Staatschef Abdelaziz Bouteflika empfangen worden. Während des zweitägigen Besuchs sollen etwa 15 Abkommen geschlossen werden. Der französische Autobauer Renault will ein Montagewerk für jährlich 75'000 Autos in Westalgerien bauen. Algerien will sich auf den Feldern Wissenschaft und Technologie an Paris orientieren.

Auch bei der militärischen Zusammenarbeit soll es vorangehen. Paris wiederum hofft auf eine engere Zusammenarbeit beim Anti-Terror-Kampf im Norden Malis, an der Grenze zu Algerien.

Zugeständnis für Opfer von Atomtests

Zudem versprach Hollande, dass das Entschädigungsgesetz für Opfer von Atomtests in der algerischen Sahara und in Französisch-Polynesien konsequent angewendet werde. Dies sei bislang nicht mit der notwendigen Entschlossenheit geschehen. Etwa 150'000 Zivilisten und Soldaten hatten zwischen 1960 und 1996 an mehr als 210 Tests teilgenommen.

Algerien hatte im Juli 1962 nach 132 Jahren unter französischer Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit erklärt. Der algerische Unabhängigkeitskrieg von 1954 bis 1962 war einer der blutigsten überhaupt. Er prägt das Verhältnis beider Länder bis heute. Algerien wartet bislang vergeblich auf eine Entschuldigung für französische Verbrechen während der Kolonialzeit.

AFP/mw

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