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Ghadhafi-Truppen sollen hunderte Frauen vergewaltigt haben

Dem Übergangsrat in Benghazi droht das Geld auszugehen. In den Flüchtlingslagern haben die Menschen ganz andere Probleme – insbesondere die Frauen.

Erlangte traurige Berühmtheit: Die Libyerin Iman al-Obeidi, die Ghadhafis Soldaten öffentlich bezichtigte, sie vergewaltigt zu haben. (26. März 2011)
Erlangte traurige Berühmtheit: Die Libyerin Iman al-Obeidi, die Ghadhafis Soldaten öffentlich bezichtigte, sie vergewaltigt zu haben. (26. März 2011)
Keystone

In der Rebellenhochburg Benghazi warnte der Übergangsrat der Opposition vor Geldnot. Den Rebellen drohe das Geld auszugehen, weil die versprochene finanzielle Unterstützung aus dem Ausland ausbleibe, sagte der Finanzminister des Übergangsrats der Opposition in Bengasi, Ali Tarhuni. Viele Länder schickten statt der versprochenen Hilfe Geschäftsleute, die sich nur für Verträge interessieren würden.

«Ich glaube selbst unsere Freunde verstehen nicht die Dringlichkeit der Situation», sagte Tarhuni. Er lobte Katar und Kuwait für ihre grosszügige Hilfe, sagte aber nicht, ob sie Geld geschickt hätten. Lob zollte er auch Frankreich und bezeichnete das Land als die treibende Kraft hinter der Durchsetzung einer Flugverbotszone. Die anderen redeten nur, sagte Tarhuni. Bislang sei nichts angekommen und ihm gehe bald das Geld aus.

Ghadhafi-Soldaten gaben ihre Waffen ab

In Tunesien sind nach Angaben der tunesischen Nachrichtenagentur TAP 22 libysche Soldaten angekommen. Sie seien in zwei Booten aus Misrata geflohen, berichtete eine Person, die mit ihnen gesprochen hatte. In Tunesien gab die Gruppe, der auch Offiziere angehörten, ihre Waffen ab.

Ein NATO-Sprecher sagte, bei den Luftangriffen der Allianz sei heute früh das Gelände Bab al Asisijah in der Hauptstadt Tripolis getroffen worden. Dabei sei auch ein Fahrzeugdepot angegriffen worden. Ghadhafi sei aber nicht das Ziel gewesen. Es gebe keine Möglichkeit zu wissen, ob er sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Komplex aufgehalten habe, sagte der Sprecher. Der Komplex war schon vor 25 Jahren bei Angriffen amerikanischer Kampfflugzeuge schwer beschädigt worden. Der Angriff damals war eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle», bei dem zwei US-Soldaten getötet worden waren.

Über 250 Vergewaltigungsopfer – hohe Dunkelziffer

Eine Kinderpsychologin ist bei der Befragung libyscher Flüchtlinge auf zahlreiche Fälle gestossen, in denen Anhänger des libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi Frauen vergewaltigt haben. Insgesamt hätten 259 Frauen angegeben, vergewaltigt worden zu sein, sagte die in London ausgebildete Ärztin Seham Sergewa. Sie kam in die Flüchtlingslager, um mit Kindern zu arbeiten und zu untersuchen, wie sich der Konflikt auswirkt. Doch vor zwei Monaten habe ihr eine Frau berichtet, sie sei vergewaltigt worden. Weitere Frauen erzählten ähnliche Geschichten.

Sergewa sagte, sie habe sich entschieden, die Frage nach einer Vergewaltigung in die Fragebögen aufzunehmen, die sie in den Lagern verteilt. Von 70.000 befragten Familien hätten 59.000 die Fragebögen zurückgegeben. 259 Frauen hätten angegeben, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Die Dunkelziffer sei aber vermutlich um ein Vielfaches höher, da viele Frauen Angst hätten, über die Angriffe zu sprechen. In einem konservativen muslimischen Land wie Libyen kann es passieren, dass die Familie das Vergewaltigungsopfer verstösst, um die Familie vor der damit verbundenen vermeintlichen Schande zu bewahren.

Einige Frauen hätten die Fragebögen nicht unterschrieben, damit sie nicht zurückverfolgt werden können oder nur ihre Initialen notiert, sagte Sergewa. Andere Frauen hätten auf der Rückseite ihre Leidensgeschichte aufgeschrieben. Auch der Chefankläger des internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, teilte bereits mit, er habe Beweise dafür, dass das Gaddafi-Regime Menschenrechtsverbrechen begangen habe, darunter auch sexuelle Übergriffe.

dapd/ami

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