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Gewalt in Nahost hält trotz Gesprächen an

Vertreter der Hamas und Israels haben sich laut ägyptischen Angaben in Kairo zu Verhandlungen getroffen. Heute kam es auf beiden Seiten zu weiteren Angriffen. Der Konflikt kostet immer mehr Zivilisten das Leben.

Feiern die Waffenruhe als Sieg: Palästinenser in Gaza-Stadt. (21. November 2012)
Feiern die Waffenruhe als Sieg: Palästinenser in Gaza-Stadt. (21. November 2012)
Reuters
Verkünden die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas: Die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton (l.) und der ägyptische Aussenminister Mohammed Amr in Kairo. (21. November 2012)
Verkünden die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas: Die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton (l.) und der ägyptische Aussenminister Mohammed Amr in Kairo. (21. November 2012)
AFP
Die israelische Luftwaffe traf das Auto des Hamas-Militärchefs: Helfer löschen die Überreste in einer Strasse von Gaza-Stadt. (14. November 2012)
Die israelische Luftwaffe traf das Auto des Hamas-Militärchefs: Helfer löschen die Überreste in einer Strasse von Gaza-Stadt. (14. November 2012)
Reuters
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Die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Israel und palästinensischen Extremisten im Gazastreifen kostet immer mehr Menschen das Leben. Die Zahl der Opfer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung stieg heute, als bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen zwei Häuser dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Dabei kamen palästinensischen Angaben zufolge zwei Kinder und zwei Erwachsene ums Leben. 42 weitere Menschen seien verletzt worden. Rettungsmannschaften suchten noch nach zwölf bis 15 weiteren Menschen, die unter den Trümmern vermutet wurden.

Israelische Kampfflugzeuge hätten heute auch die Reste einer ehemaligen Anlage der nationalen Sicherheitsbehörden in Gaza bombardiert, sagte ein palästinensischer Sprecher. Dabei sei ein Kind von herumfliegenden Granatsplittern tödlich verletzt worden.

80 Palästinenser umgekommen

Seit Beginn der israelischen Luftoffensive am Mittwoch sind damit mehr als 80 Palästinenser ums Leben gekommen, davon etwa die Hälfte Zivilisten. Auf israelischer Seite waren drei Zivilisten zu beklagen. Dutzende wurden verletzt.

Beim bislang blutigsten Angriff der israelischen Streitkräfte seit Beginn der jüngsten Offensive kamen am Sonntag mindestens elf Zivilisten ums Leben. Unter den Opfern waren palästinensischen Angaben zufolge vier Kinder und fünf Frauen. Sie wurden getötet, als eine israelische Rakete in einem zweigeschossigen Haus in einer Wohngegend von Gaza einschlug, in dem das israelische Militär einen Extremisten vermutete.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief beide Konfliktparteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Er werde in den Nahen Osten reisen, um sich dort persönlich für ein Ende der Gewalt einzusetzen. Ein Datum für seine Reise wurde am Sonntag nicht genannt.

Obama und Hague warnen vor Bodenoffensive

US-Präsident Barack Obama bekräftigte am Sonntag, Israel habe das Recht, sich gegen Raketenangriffe zu verteidigen. Kein Land würde es tolerieren, wenn sein Volk ständigem Raketenbeschuss ausgesetzt sei, sagte Obama am Rande eines Besuchs in Thailand. Alle Bemühungen zur Lösung des Konflikts müssten daher mit einem Stopp des Beschusses beginnen. Zugleich warnte der amerikanische Staatschef vor den Risiken einer Ausweitung der israelischen Luftkampagne auf einen Bodenkrieg. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Sonntag erklärt, das Militär sei «bereit, die Operation erheblich auszuweiten».

Neben Obama warnte auch der britische Aussenminister William Hague vor einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen. Es sei «wesentlich schwieriger für die internationale Gemeinschaft», für eine derartige Invasion Verständnis zu haben, sagte Hague.

Laut Palästinensern viele Zivilisten unter den Opfern

Die israelischen Streitkräfte flogen am Sonntag Dutzende Luftangriffe gegen Ziele der Hamas im Gazastreifen. Die israelische Marine bombardierte zudem Ziele entlang der Mittelmeerküste der Region. Viele der Angriffe galten Gebäuden, in denen Extremistenführer oder Waffen vermutet wurden.

Palästinensische Extremisten im Gazastreifen setzten unterdessen ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. Allein am Sonntag wurden mehr als 100 Raketen auf Israel abgefeuert. Das von den USA finanzierte israelische Raketenabwehrsystem «Iron Dome» fing rund 40 Raketen ab, darunter zwei mit Ziel Tel Aviv.

Palästinensischen Angaben zufolge handelte es sich bei 20 von 27 Palästinensern, die am Sonntag getötet wurden, um Zivilisten. Darunter seien viele Frauen und Kinder. Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri warnte, «das israelische Volk wird den Preis» für die Tötung von Zivilisten zahlen. Ein israelischer Militärsprecher, Brigadegeneral Joav Mordechai, warf der Hamas vor, die Bevölkerung im Gazastreifen als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Feldlazarett aus Marokko

Der marokkanische König Mohammed VI. hat die sofortige Aufstellung eines Feldlazaretts im Gazastreifen angeordnet. Wie ein Palastsprecher gestern Abend erklärte, sollen in diesem Feldspital medizinisches Fachpersonal der Streitkräfte und zivile marokkanische Ärzte und Sanitäter arbeiten.

Damit sollten die Leiden der Bevölkerung gemildert werden. Der König habe verfügt, dass die «humanitäre Initiative» sofort und in Zusammenarbeit mit den palästinensischen Behörden umgesetzt werde.

Um Waffenruhe bemüht

Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas hat die Gewalt im Nahen Osten am Sonntag unvermindert angehalten. Zwar bewerteten Hamas-Vertreter die Gespräche in Kairo unter Ägyptens Vermittlung als «positiv». Trotzdem flogen weiter Raketen auf Israel und die dortige Armee setzte ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort, bei denen am Sonntag mindestens 20 Palästinenser starben.

Ein Hamas-Vertreter sagte AFP, die Palästinensergruppe fordere eine Garantie, dass die «Aggression und die Morde aufhören». Eine Möglichkeit sei, dass die USA als Israels engste Verbündete ein «Garant» für eine Waffenruhe werden könnten. Nach ägyptischen Angaben nahm am Sonntag auch ein israelischer Vertreter an den Verhandlungen in Kairo teil.

sda/dapd/AFP/kpn/fko

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