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Geiseln sollen pensionierte Staatsdiener sein

Das Tauziehen um die 48 von syrischen Rebellen entführten Iraner hält an. Inzwischen wurden weitere Details zu deren Identitäten bekannt. Teheran bestellte ausserdem die Schweizer Botschafterin ein.

Gefangen in Damaskus: Im Hintergrund sind die iranischen Geiseln zu sehen. (Screenshot Youtube)
Gefangen in Damaskus: Im Hintergrund sind die iranischen Geiseln zu sehen. (Screenshot Youtube)
AFP

Unter den am Wochenende von syrischen Aufständischen entführten Iranern befinden sich nach Angaben aus Teheran Mitglieder der Revolutionsgarden «im Ruhestand». Auch pensionierte Armeeangehörige und Beamte gehören der Gruppe an, sagte der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi laut amtlicher Nachrichtenagentur Isna.

Salehi betonte erneut, bei den Männern handle es sich um «Pilger», die schiitische Heiligtümer in Damaskus hätten besuchen wollen. Die 48 Iraner waren am Samstag von der zur Freien Syrischen Armee gehörenden Al-Baraa-Brigade entführt worden. Drei der Geiseln wurden laut einer am Montag von der Brigade veröffentlichten Erklärung beim Beschuss durch Regierungstruppen in Damaskus getötet.

Zugleich drohte die Gruppe, alle Entführten hinzurichten, sollte die syrische Armee den Beschuss nicht einstellen. Bei den Geiseln handelt es sich laut den Entführern «erwiesenermassen» um Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden, einer Elitetruppe der iranischen Führung.

«USA verantwortlich» – Schweizer Botschafterin einbestellt

Bei einem Besuch in Damaskus hat der iranische Gesandte Saeed Jalili dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad die Unterstützung Teherans gegen Syriens «Feinde» aus dem Ausland zugesichert. Assad trat anlässlich des Besuchs erstmals seit einem tödlichen Bombenanschlag auf vier seiner engsten Vertrauten am 18. Juli im Staatsfernsehen auf. Jalili, Sekretär des Obersten nationalen Sicherheitsrats des Irans, versprach Assad öffentlich zwar keine grössere Militärhilfe. Dennoch verfolgte der Besuch nach Ansicht von Beobachtern das Ziel, Spekulationen zu zerstreuen, wonach Teheran Vorbereitungen für den Fall eines möglichen Sturzes von Assad treffe.

Mit Blick auf 48 entführten Iraner sagte Jalili, Teheran werde alles tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Das iranische Aussenministerium erklärte, es mache «die USA für das Schicksal der Geiseln verantwortlich».

Die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, das Aussenministerium habe die Schweizer Botschafterin einbestellt, um die Erwartung deutlich zu machen, dass Washington sich für eine Freilassung der Iraner einsetze. Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen der USA in Teheran. Aussenminister Ali Akbar Salehi bat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, sich für die Iraner zu verwenden.

Ankara kritisiert Teheran

Die Türkei kritisierte den Iran unterdessen für Anschuldigungen, Ankara sei für das Blutvergiessen in Syrien verantwortlich und unterstütze die «Kriegstreiberei» der USA. Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu verurteilte die Äusserungen aus dem Nachbarland am Dienstag als unbegründet und als «unangemessene Bedrohung». Wenig später traf sein iranischer Kollege Salehi in der türkischen Hauptstadt ein. Dort wollte er über die Entführung der 48 Iraner sprechen.

Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars hatte am Vortag den iranischen Militärchef Hassan Firouzabadi mit entsprechenden Vorwürfen an die Türkei, Katar und Saudiarabien zitiert. Dem Bericht zufolge warnte er, die drei Länder würden nach einem Fall Assads zu Zielscheiben des Terrornetzwerks al-Qaida werden.

UNO-Sondersitzung einberufen

Der UNO-Sicherheitsrat soll Diplomaten zufolge Ende des Monats zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über die Situation in Syrien zu beraten. Das Treffen auf Ministerebene sei auf Initiative Frankreichs einberufen worden, das derzeit den Vorsitz des Sicherheitsrates innehat, hiess es am Dienstag bei den Vereinten Nationen in New York. Es solle am 30. August stattfinden. Offiziell wurde die Sondersitzung von der UNO zunächst nicht bestätigt. Unklar blieb zunächst zudem, ob Russland und China ihre Minister zu dem Treffen in New York schicken. Die beiden Länder haben bereits dreimal im Sicherheitsrat ihr Veto gegen Resolutionen eingelegt, mit denen der syrischen Führung um Präsident Bashar al-Assad Sanktionen angedroht werden sollten.

In Syrien gibt es seit März 2011 einen landesweiten Aufstand gegen Assad, gegen den dieser mit aller Gewalt vorgehen lässt. Seit Beginn des Aufstandes wurden nach Angaben von Aktivisten bereits mehr als 21'000 Menschen getötet.

dapd/ses

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