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Eine «Orgie des Blutvergiessens»

Die Gewalt in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui hat ein beispielloses Ausmass angenommen. Szenen wie aus Dantes Inferno. Eine Reportage.

Der Gymnasiallehrer Joseph Mboris haust mit seiner Frau und mehreren Verwandten in einem von französischen Soldaten bewachten Flüchtlingscamp in der Nähe von Bangui.
Der Gymnasiallehrer Joseph Mboris haust mit seiner Frau und mehreren Verwandten in einem von französischen Soldaten bewachten Flüchtlingscamp in der Nähe von Bangui.
Johannes Dieterich
Das Flüchtlingscamp befindet sich entlang des «Aéroport M'poko». Hier haben knapp 100'000 Christen Schutz vor den Gewalttaten der muslimischen Séléka-Rebellen gefunden.
Das Flüchtlingscamp befindet sich entlang des «Aéroport M'poko». Hier haben knapp 100'000 Christen Schutz vor den Gewalttaten der muslimischen Séléka-Rebellen gefunden.
Johannes Dieterich
Auch der Muslim Azolo Ibrahim Fati wird in den Tschad flüchten. Ansonsten drohen dem 25-Jährigen Übergriffe von blutdürstigen Christen, die praktisch tagtäglich stattfinden.
Auch der Muslim Azolo Ibrahim Fati wird in den Tschad flüchten. Ansonsten drohen dem 25-Jährigen Übergriffe von blutdürstigen Christen, die praktisch tagtäglich stattfinden.
Johannes Dieterich
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Auf dem Platz der Vereinten Nationen wird ein Mob zweier Muslime habhaft, schlägt sie – vor den Augen französischer Soldaten – tot und zündet sie an: Schliesslich schneidet ein junger Mann ein Stück Fleisch aus einem der toten Körper, um es unter dem Gegröle der Meute zu verspeisen. Auf der Strasse zum Flughafen schnappt sich anderntags eine Gruppe marodierender Christen einen muslimischen Passanten. Sie töten ihn mit Buschmessern und schneiden ihm das Geschlechtsteil ab, um es ihm anschliessend in den Mund zu stecken. «Nein, hört nicht auf zu filmen», ruft die Meute einem sich abwendenden ausländischen TV-Team zu: «Wir sind noch längst nicht fertig.» Soldaten der soeben wieder neu konstituierten Nationalarmee werden kurz nach einer Zeremonie mit Catherine Samba-Panza, der neuen Präsidentin des Landes, eines Muslimen habhaft, schlagen ihn tot, schneiden ihn in Stücke und zünden seine Körperteile auf der Strasse an. Und als am vergangenen Freitag ein muslimischer Flüchtlingskonvoi die Hauptstadt Bangui in Richtung Norden verlässt, fällt ein älterer Mann von einem voll bepackten Lastwagen: Er wird von den die Flucht bejubelnden Christen aufgegriffen und auf der Stelle umgebracht.

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