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Eine Hausfrau polarisiert Ägypten

Mit 17 Jahren heiratete sie ihren Cousin Mohammed Mursi – heute ist sie Präsidentengattin am Nil. Die Hausfrau Naglaa Mahmoud stösst im Land auf Begeisterung und Ablehnung – Symptom einer gespaltenen Nation.

Vertritt die traditionellen islamischen Werte: An der Biederkeit der neuen ägyptischen First Lady Naglaa Ali Mahmoud scheiden sich die Geister.
Vertritt die traditionellen islamischen Werte: An der Biederkeit der neuen ägyptischen First Lady Naglaa Ali Mahmoud scheiden sich die Geister.
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Ali Mahmoud könnte sich von ihren Vorgängerinnen in optischer Hinsicht kaum stärker unterscheiden: Suzanne Mubarak, Ehefrau des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak, ...
Ali Mahmoud könnte sich von ihren Vorgängerinnen in optischer Hinsicht kaum stärker unterscheiden: Suzanne Mubarak, Ehefrau des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak, ...
AFP
... und Sheikha Mozah bint Nasser Al Missned, die zweite von drei Ehefrauen von Hamad bin Chalifa Sl Thani, Emir von Katar.
... und Sheikha Mozah bint Nasser Al Missned, die zweite von drei Ehefrauen von Hamad bin Chalifa Sl Thani, Emir von Katar.
AFP
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Ägyptens neuer Präsident heisst Mohammed Mursi. Ägyptens neue First Lady nicht. Naglaa Ali Mahmoud, die Ehefrau des ersten einigermassen demokratisch gewählten Staatschefs am Nil, hat nie den Namen ihres Gatten angenommen, wie die «New York Times» in einem ausführlichen Porträt schreibt. Dieser westliche Brauch ist in arabischen Ländern ohnehin wenig verbreitet.

Mursis Frau trägt stets eine unifarbene Abaya, die nur ihr Gesicht freilässt und bis zu den Knien reicht. Diese Art des Kopftuches ist in Ägypten keine Seltenheit, und dennoch ist es ein Statement: Von der bunten, modischeren Variante, die nicht nur bei jüngeren Frauen beliebt ist, grenzt sie sich ab. Naglaa Ali Mahmoud verkörpert die biedere ägyptische Hausfrau in Reinkultur.

Herkunft aus armen Verhältnissen

Die heute 50-Jährige heiratete ihren Cousin Mursi laut dem Blog «Egyptian Chronicles» im Jahr 1979. Sie war 17 und noch in der Schule, er 28 und Ingenieur. Beide stammten aus ärmlichen Verhältnissen, die weite Teile der Gesellschaft ausmachen – und in krassem Gegensatz stehen zu jener Elite, die während der letzten Jahrzehnte das Land autokratisch regierte.

Nach ihrem Englischstudium in Kairo folgte sie Mursi in die USA, wo er seinen Doktortitel machte. Laut dem ägyptischen Nachrichtenportal «Amwal al-Ghad» arbeitete Mahmoud dort als Übersetzerin in einem islamischen Zentrum. In den Staaten schloss sich das Paar der Muslimbruderschaft an.

Mit ihren Vorgängerinnen hat Mursis Frau wenig gemeinsam. Suzanne Mubarak und vor ihr Jehan al-Sadat – beide mit britischen Wurzeln – übten sich nicht in jener Zurückhaltung, die Ägyptens Religiöskonservative ihren Frauen zugedacht haben. Von Suzanne Mubarak behaupten böse Zungen – und das sind nicht wenige – sogar, sie sei die eigentliche Herrscherin im Präsidentenpalast gewesen.

Minimale First Lady

Mahmouds bisher spärlich an die Öffentlichkeit gelangte Aussagen lassen darauf schliessen, dass sie ihre Rolle anders versteht. Sie wird sie auf ein Minimum reduzieren. Sie wolle nicht First Lady genannt werden, sagte Mahmoud laut dem Sender al-Arabiya in einem Interview mit dem offiziellen Organ der Muslimbruderschaft. «Der Islam unterscheidet nicht zwischen einer Frau und einer anderen. Wir sind alle Ägypter und müssen uns für unsere Nation vereinen.» Wenn man ihr einen Titel anhängen wolle, dann solle man sie «Ägyptens erste Dienerin» nennen. Ausserdem glaube sie nicht, dass die Gattin des Präsidenten sich in politische oder gesellschaftliche Angelegenheiten einmischen solle.

Begeisterung und Ablehnung

Die First Lady stösst in den urbanen, westlich orientierten Kreisen der Bevölkerung nicht auf Begeisterung. «Sie kann kein Abbild der Frauen in Ägypten sein», zitiert die «New York Times» einen Banker. Und eine junge Studentin schämt sich gar: Die Menschen im Westen würden sich doch lustig machen über eine First Lady, die Abaya trage.

Für andere wiederum symbolisiert die biedere und religiöse First Lady den Beginn des Wandels. Eine Ingenieurin meint in dem Beitrag: «Sie sieht aus wie meine Mutter, wie die Mutter meines Mannes, wie unser aller Mütter.» Endlich ganz normale Leute im Präsidentenpalast.

«Meine Pflichten als Ehefrau»

Naglaa Ali Mahmoud ist sich bewusst, dass sie polarisiert – einfach weil sie ist, wie sie ist. Im Interview mit der Muslimbruder-Zeitung sagte sie, sie könne es ohnehin niemandem recht machen. Spiele sie eine zu aktive Rolle, werde man sie in einen Topf werfen mit der verhassten Suzanne Mubarak.

Halte sie sich zu sehr zurück, werde man mit dem Finger auf ihren Mann zeigen und sagen, Islamist Mursi verstecke seine Frau. «Alles, was ich will, ist ein Leben an einem einfachen Ort, wo ich meine Pflichten als Ehefrau erfüllen kann», sagt sie. Der Präsidentenpalast sei ihr zu weit entfernt vom Alltag der Menschen.

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