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Dutzende Islamisten ersticken bei Gefangenentransport

Fünf Tage nach Beginn der Ausschreitungen droht Ägyptens Armeechef den Islamisten, wenn nötig, härter gegen sie vorzugehen. In Kairo starben Dutzende verhaftete Muslimbrüder. Sie sollen versucht haben zu fliehen.

kpn/chk/fko
Mehr als 1000 Menschen starben während der Ausschreitungen: Ein ägyptischer Soldat auf einem Panzerwagen vor dem obersten Gerichtshof in Kairo. (19. August 2013)
Mehr als 1000 Menschen starben während der Ausschreitungen: Ein ägyptischer Soldat auf einem Panzerwagen vor dem obersten Gerichtshof in Kairo. (19. August 2013)
AFP
Mursi-Anhänger fliehen während Schiessereien vom Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Mursi-Anhänger fliehen während Schiessereien vom Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Reuters
Die Zahl der Toten steigt weiter: Ägypter trauern in Kairo um Ammar Badie, Sohn eines Muslimbruder-Anführers, der bei den Zusammenstössen getötet wurde. (18. August 2013)
Die Zahl der Toten steigt weiter: Ägypter trauern in Kairo um Ammar Badie, Sohn eines Muslimbruder-Anführers, der bei den Zusammenstössen getötet wurde. (18. August 2013)
Keystone
Die Armee markiert Präsenz: Soldaten riegeln das Gebiet um das oberste Gericht in Kairo mit Stacheldraht ab. (18. August 2013)
Die Armee markiert Präsenz: Soldaten riegeln das Gebiet um das oberste Gericht in Kairo mit Stacheldraht ab. (18. August 2013)
AFP
Den fünften Tag in Folge gab es Ausschreitungen: Ein Schützenpanzer im Zentrum Kairos. (18. August 2013)
Den fünften Tag in Folge gab es Ausschreitungen: Ein Schützenpanzer im Zentrum Kairos. (18. August 2013)
AFP
Stundenlange Verhandlungen: Eine Frau spricht aus der umstellten Moschee hinaus mit Polizisten. (17. August 2013)
Stundenlange Verhandlungen: Eine Frau spricht aus der umstellten Moschee hinaus mit Polizisten. (17. August 2013)
Mohammed al-Shahed, AFP
Auch in anderen Teilen Ägyptens kommt es zu Gewalt: Die geplünderte und in Brand gesteckte evangelische Kirche von Malawi südlich von Kairo. (17. August 2013)
Auch in anderen Teilen Ägyptens kommt es zu Gewalt: Die geplünderte und in Brand gesteckte evangelische Kirche von Malawi südlich von Kairo. (17. August 2013)
AP Photo/Roger Anis
Die Muslimbrüder widersetzen sich den Sicherheitskräften: Der verwüstete Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Die Muslimbrüder widersetzen sich den Sicherheitskräften: Der verwüstete Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Virginie Nguyen, AFP
Schiesst auf Mursi-Anhänger: Ein Mann auf der Strasse in Kairo. (16. August 2013)
Schiesst auf Mursi-Anhänger: Ein Mann auf der Strasse in Kairo. (16. August 2013)
AP/Manoocher Deghati
Wurde von Sicherheitskräften umstellt: Rauch über der Moschee Al-Fath in Kairo. (16. August 2013)
Wurde von Sicherheitskräften umstellt: Rauch über der Moschee Al-Fath in Kairo. (16. August 2013)
Reuters
Zustand wie im Krieg in Kairo: Ein Militärhelikopter kreist über dem Zentrum Kairos. (16. August 2013)
Zustand wie im Krieg in Kairo: Ein Militärhelikopter kreist über dem Zentrum Kairos. (16. August 2013)
Reuters
Demonstranten vor der Moschee Al-Fath beim Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Demonstranten vor der Moschee Al-Fath beim Ramses-Platz in Kairo. (16. August 2013)
Reuters
Ein Kettenfahrzeug des Militärs spiesst ein Mursi-Plakat auf. (15. August 2013)
Ein Kettenfahrzeug des Militärs spiesst ein Mursi-Plakat auf. (15. August 2013)
Reuters
Ein zweiter blutiger Tag in Ägypten: Eine zerstörte Moschee in Kairo. (15. August 2013)
Ein zweiter blutiger Tag in Ägypten: Eine zerstörte Moschee in Kairo. (15. August 2013)
Reuters
Soldaten stehen vor der abgebrannten Rabaa-al-Adawiya-Moschee Wache. (15. August 2013)
Soldaten stehen vor der abgebrannten Rabaa-al-Adawiya-Moschee Wache. (15. August 2013)
Reuters
Viele Menschen starben: Kämpfe in Kairo. (14. August 2013)
Viele Menschen starben: Kämpfe in Kairo. (14. August 2013)
AFP
Was vom Protestcamp übrig blieb: Luftansicht auf den Platz al-Adawiya in Rabaa. (15. August 2013)
Was vom Protestcamp übrig blieb: Luftansicht auf den Platz al-Adawiya in Rabaa. (15. August 2013)
AFP
Tritt aus Protest gegen die Gewalt ab: Ägyptens Vizepräsident Baradei.
Tritt aus Protest gegen die Gewalt ab: Ägyptens Vizepräsident Baradei.
Keystone
Völlig erschöpft: Ein freiwilliger Helfer schläft neben den Leichen in Kairo. (15. August 2013)
Völlig erschöpft: Ein freiwilliger Helfer schläft neben den Leichen in Kairo. (15. August 2013)
AFP
Nach der Räumung: Polizisten halten die Stellung auf dem Rabaa-al-Adawiya-Platz. (14. August 2013)
Nach der Räumung: Polizisten halten die Stellung auf dem Rabaa-al-Adawiya-Platz. (14. August 2013)
Reuters
Die Islamisten können gegen den Polizei-Einsatz nicht viel ausrichten. (14. August 2013)
Die Islamisten können gegen den Polizei-Einsatz nicht viel ausrichten. (14. August 2013)
Keystone
Mursi-Anhänger fliehen vor Tränengasangriffen der Polizei.
Mursi-Anhänger fliehen vor Tränengasangriffen der Polizei.
Reuters
Wie auf einem Kriegsschauplatz: Ein Mursi-Anhänger hilft einem Verletzten.
Wie auf einem Kriegsschauplatz: Ein Mursi-Anhänger hilft einem Verletzten.
Keystone
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Bei einem Fluchtversuch von Islamisten aus einem Gefangenentransport in Ägypten sind mindestens 35 Mitglieder der Muslimbruderschaft getötet worden. Die Männer seien an von der Polizei eingesetztem Tränengas erstickt, teilte das Innenministerium in der Nacht mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer der Auseinandersetzungen der vergangenen Tage auf fast 800.

Mit dem Transport sollten nach Angaben des Innenministeriums mehr als 600 Muslimbrüder und Anhänger der Islamisten von Kairo aus in ein Gefängnis am Rande der ägyptischen Hauptstadt gebracht werden. Einige der Gefangenen hätten einen Polizisten überwältigt und ausbrechen wollen. «36 von ihnen sind erstickt, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte, um den Ausbruch zu verhindern», erklärte das Ministerium. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der Transport von «unbekannten Bewaffneten» angegriffen, die den Gefangenen zu Hilfe kommen wollten.

Nach Angaben der Muslimbruderschaft wurden bei dem Vorfall 35 ihrer Mitglieder getötet. Die Islamisten hatten die Zahl der Opfer zunächst mit 52 angegeben, später korrigierten sie diese Angaben. «Die Ermordung von 35 festgenommenen Teilnehmern an Demonstrationen gegen den Sturz von Präsident Mohammed Mursi zeigt die zielgerichtete Gewalt der Sicherheitskräfte», erklärten die Muslimbrüder. Die Anhänger von Mursi, der selbst der Muslimbruderschaft entstammt, seien «das Ziel kaltblütigen Tötens».

Merkel: Stopp der Rüstungsexporte

In Brüssel kommen am Montag die 28 Botschafter der EU-Staaten zusammen, um über die Lage in Ägypten zu beraten. Dabei soll eine gemeinsame Position der EU-Länder gefunden werden. Die Sitzung könnte laut der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton als Vorbereitung für ein mögliches Aussenministertreffen dienen. Dies fordert insbesondere Deutschland.

Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) könnte ein Stopp der Rüstungsexporte nach Ägypten ein geeignetes Druckmittel sein. Rüstungsexporte könnten «auch Gegenstand von Massnahmen sein, mit denen man deutlich macht, wir sind sehr skeptisch gegenüber dem, was in Ägypten im Augenblick vorgeht», sagte Merkel am Sonntag im ZDF. Die Situation in dem Land sei «ausserordentlich brisant, auch besorgniserregend».

Im US-Kongress wurde derweil weiter heftig darüber gestritten, ob die Gewalteskalation in Ägypten eine Kürzung der Militärhilfen für Kairo rechtfertigt – oder diese sogar ganz gestrichen werden müssen. Während einige Senatoren am Sonntag das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte verurteilten, äusserten andere die Sorge, ein Ende der Zahlungen werde den Einfluss auf einen Schlüsselpartner im Nahen Osten gefährden.

Armee setzt harten Kurs gegen Muslimbrüder fort

Ägypten wird seit dem Sturz Mursis durch das Militär Anfang Juli von Protesten seiner Anhänger erschüttert. Mitte vergangener Woche eskalierte die Lage, bei blutigen Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden seitdem fast 800 Menschen getötet. Zudem nahmen die Sicherheitskräfte mehr als tausend Muslimbrüder und Mursi-Anhänger fest. Auch in den kommenden Tagen will die Armee ihren harten Kurs gegen die Islamisten fortsetzen. «Wir werden niemals schweigend der Zerstörung des Landes zusehen», sagte Armeechef Abdel Fattah al-Sisi am Sonntag.

Die Muslimbruderschaft war unter dem früheren Machthaber Hosni Mubarak ebenfalls verboten gewesen. Nach einem Wahlsieg war sie vergangenes Jahr an die Macht gekommen. Am 3. Juli wurde Mursi vom Militär gestürzt. Vorangegangen waren Massenproteste gegen die Herrschaft der Islamisten.

Ein erneutes Verbot der Muslimbruderschaft würde den Anhängern von Ex-Präsident Mursi den Boden für ein politisches Engagement entziehen. Die Sicherheitskräfte könnten hingegen eine Null-Toleranz-Linie gegen Demonstrationen der Gruppe fahren, gaben Experten zu bedenken. Dadurch dürfte sich das Gewaltrisiko in den kommenden Tagen noch erhöhen. Begonnen hatte das Blutvergiessen am Mittwoch mit der Räumung zweier Protestlager von Mursi-Anhängern in Kairo durch Sicherheitskräfte.

(sda/AFP)

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