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IS zerstört die antike Ruinenstadt Nimrud

Es ein trauriges Video: Jihadisten zerstören Jahrtausende alte Kulturgüter – zuerst mit Sägen und Hämmern, dann mit Sprengladungen.

Zerstörerisch: Ein Jihadist bearbeitet uralte Steintafeln mit einer Schleifmaschine.(Screenshot: Youtube)
Zerstörerisch: Ein Jihadist bearbeitet uralte Steintafeln mit einer Schleifmaschine.(Screenshot: Youtube)

Eine gewaltige Explosion – das ist, so muss man fürchten, das Ende der altassyrischen Ruinenstadt Nimrud, 30 Kilometer südlich von Mossul. Ein Propaganda-Video der Terrormiliz Islamischer Staat scheint zu bestätigen, was nach Berichten von Augenzeugen und irakischen Archäologen zu vermuten war. Die Jihadisten haben Nimrud offenbar gesprengt – auch wenn die Authentizität des Videos noch nicht bestätigt ist. Mindestens zwei verschiedene Explosionen sind in dem siebenminütigen Film dokumentiert, eine davon so gewaltig, dass Trümmer Dutzende Meter in die Höhe geschleudert werden. Eine Druckwelle fegt über das Gelände, wie sie sonst allenfalls nach dem Einschlag schwere Bomben zu beobachten ist. Hunderte Meter steigen der Rauch und der Staub in den Himmel.

(Video: Youtube)

Ein apokalyptisches Inferno – die Bilderstürmer haben entlang der wertvollen Friese und Reliefs alle paar Meter ausgediente Ölfässer aufgestellt, die sie mit Sprengstoff befüllten. Die blauen Zündleitungen verbinden sie zu einer zerstörerische Kette, die vermutlich nichts übrig gelassen hat von den Wundern der vor 3200 Jahren an den Ufern des Tigris gegründeten Stadt. Anfang März waren die sunnitischen Ultra-Extremisten über sie hergefallen. Wo einst die wohl bestausgestattete und besterhaltene archäologischen Stätte Iraks lag mit weitläufigen Palästen, sind heute offenbar nur noch Gruben gefüllt mit Schutt.

Ideologischer Irrsinn

Wie Berserker malträtieren die Jihadisten Reliefs mit Vorschlaghämmern, schneiden Metallklammern mit Winkelschleifern kaputt, die Steinblöcke zusammenhielten. Ihr Rausch ist ideologischer Irrsinn. «Wann immer wir in der Lage sind, in einem Stück Land die Zeichen des Götzendienstes zu entfernen und den Monotheismus zu verbreiten, werden wir es tun», faselt einer der Jihadis und verbindet dies mit der Drohung, man werde auch die Heiligtümer der Schiiten und das Weisse Haus in Washington zerstören. Stein für Stein reissen sie zunächst aber das Erbe einer antiken Hochkultur ein. Mit einem Radlader werfen sie die Trümmer auf einen Haufen, was dann noch nicht zerstört ist, dem rücken zwei Männer mit Pressluft-Meisseln zu Leibe. Nicht auszuschliessen ist allerdings, dass die Sprengung auch dazu dienen soll, zu verschleiern, dass die Jihadisten Artefakte gestohlen haben, um sie auf dem Schwarzmarkt zu Geld machen zu können.

Bereits Anfang April war ein weiteres Video aus Hatra aufgetaucht, der antiken Festungsstadt, die von der Unesco als Weltkulturerbe geführt wird. Griechische und römische Architektur verschmilzt hier mit orientalischen Stilelementen. Der Film zeigt, wie die Jihadisten mit Spitzhacken und Hämmern auf Statuen und Skulpturen von Köpfen an den Mauern der grossen Iwane einschlagen. Baumaschinen sind dagegen nicht zu erkennen. Auch hier hatten Menschen aus der Gegend von zwei schweren Explosionen berichtet, die in den Aufnahmen aber ebenfalls nicht bestätigt werden. Es bleibt damit noch ein Rest Hoffnung, dass dieser noch wenig erforschte Ort, Sitz einer ersten arabischen Hochkultur, nicht ebenfalls völlig zerstört ist. Wissen, wie schlimm es wirklich steht um Nimrud und Hatra und das kulturelle Erbe Iraks werden wir aber erst, wenn es Archäologen gelingt, die Stätten in Augenschein zu nehmen.

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