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Für seinen Kopf gibt es zehn Millionen Dollar

Abu Bakr al-Baghdadi regiert mit Brutalität an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak – und liefert sich Machtkämpfe mit der al-Qaida-Spitze. Wer ist der Doktor der Religionswissenschaften?

Mittlerweile widersetzte sich der Isis-Chef gar dem obersten Al-Qaida-Mann Ayman al-Zawahri. Dieser wollte, dass der Al-Qaida-Ableger Janhat an-Nusra für Syrien zuständig ist und al-Baghdadi für den Irak.
Mittlerweile widersetzte sich der Isis-Chef gar dem obersten Al-Qaida-Mann Ayman al-Zawahri. Dieser wollte, dass der Al-Qaida-Ableger Janhat an-Nusra für Syrien zuständig ist und al-Baghdadi für den Irak.
Keystone
Die USA reagierten auf das Erstarken der Terroristen im Irak und kündigten Hellfire-Raketen- und Drohnenlieferungen nach Bagdad an.
Die USA reagierten auf das Erstarken der Terroristen im Irak und kündigten Hellfire-Raketen- und Drohnenlieferungen nach Bagdad an.
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Abu Bakr al-Baghdadi ist Doktor der Religionswissenschaften. Al-Baghdadi ist aber auch Terrorist im Dienst der al-Qaida. Seit der Mann im Jahr 2010 die irakische Milizorganisation Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) übernommen hat, haben es Andersdenkende im Isis-Territorium schwer. Christen, nichtsunnitische Muslime, Journalisten oder auch Säkularisten – alle sind betroffen von der äusserst brutal umgesetzten Scharia. Wer nicht folgt, wird verfolgt. Leute verschwinden, Standgerichte auf Marktplätzen werden abgehalten, die Schuldigen öffentlich hingerichtet. Mit den auf Pick-ups geschraubten Maschinengewehren markieren al-Baghdadis Männer Präsenz und verbreiten Angst und Schrecken.

Inzwischen ist der 1971 geborene al-Baghdadis zur Nummer zwei in der Al-Qaida-Hierarchie aufgestiegen, zehn Millionen Dollar hat die US-Regierung auf seinen Kopf ausgeschrieben. Unter seiner Führung vergrösserte sich das Isis-Territorium von der irakischen Provinz Anbar bis hoch zum Oberlauf des Euphrats im Nordosten Syriens. Innerhalb dieses Gebiets rief al-Baghdadi Emirate aus, sogenannte Gottesstaaten – Isis ist zum erfolgreichsten Ableger von al-Qaida geworden.

Den obersten Chef ignoriert

Dementsprechend gross ist die Sorge im Westen. In einer Titelgeschichte des «Time Magazine» über die Isis weist Mike Rogers, der Vorsitzende des amerikanischen Geheimdienstausschusses, darauf hin, dass die Organisation auch bald den Westen angreifen könnte. Jüngst angekündigte amerikanische Hellfire-Raketen- und Drohnenlieferungen nach Bagdad zeigen die Ernsthaftigkeit dieser Besorgnis.

Zurzeit ist al-Baghdadi jedoch mit internen Machtkämpfen beschäftigt. Er ignorierte im April vergangenen Jahres einen Befehl von al-Qaidas Nummer eins, Ayman al-Zawahri: Dieser wollte, dass der Al-Qaida-Ableger Janhat an-Nusra für Syrien zuständig ist und al-Baghdadi für den Irak. Die Missachtung von al-Zawahiris Weisung zeigt den gestiegenen Einfluss von al-Baghdadi deutlich auf; führt aber dazu, dass nun gleich zwei Al-Qaida-Filialen in Syrien agieren.

Zulauf durch Gefängnisstürmung

Die gewachsene Macht von al-Baghdadi ist eng verbunden mit dem grossen Zulauf von neuen Kämpfern. So hat die irakische Regierung um Nouri al-Maliki die sunnitische Bevölkerung von der Regierungsbildung ausgeschlossen. Deshalb stehen die meisten Sunniten der schiitisch geprägten Regierung sehr feindselig gegenüber und unterstützen den antischiitisch eingestellten al-Baghdadi, selbst wenn sie mit Fanatismus nichts am Hut haben.

Zudem profitierte die Isis vom Syrienkonflikt. Der Konflikt zieht Kämpfer aus der ganzen islamischen Welt an, von Albanien über den Kaukasus bis hin zur arabischen Halbinsel – selbst aus Europa vermag die Bewegung neue Kämpfer anzulocken. Sie alle wollen al-Baghdadi und dem islamischen Staat im Irak und in Syrien dienen.

Seit al-Baghdadi an der Macht ist, haben sich neben den Bombenanschlägen auch die Gefängnisausbrüche markant gesteigert. Der grösste unter ihnen erfolgte im Juli 2013. Nach monatelangem Planen und Vorbereiten stürmten al-Baghdadis Männer Abu Ghraib, das grösste irakische Gefängnis. 500 Insassen kamen frei, die meisten waren Al-Qaida-Kämpfer. Seither hat sich die Durchschlagskraft von Isis wesentlich erhöht.

Finanzielle Unabhängigkeit

Al-Baghdadi weiss zudem seine Krieger einzusetzen, wie der amerikanische Politikwissenschaftler Joshua Landis auf seiner Webseite «Syria Comment» schreibt: Al-Baghdadis Männer kontrollieren die türkischen Grenzübergänge, sie besetzen Ölfelder und Raffinerien, verteilen Nahrung an die Bevölkerung, betreiben gar eine Schule zur religiösen Gehirnwäsche. Den Nachschub seiner Truppen nach Syrien organisiert der Isis-Chef über die Schwesterstädte im Irak.

Ein Grund für die starke Abgrenzung zu Al-Qaida-Chef al-Zawahiri liegt in al-Baghdadis finanzieller Unabhängigkeit: Seine Organisation verkauft Erdöl, erpresst Schutzgelder und bekommt Gelder aus den Golfstaaten – dieses Geld muss bar überreicht werden, berichtete die FAZ. Denn al-Baghdadi liess alle Institute schliessen, die Überweisungen durchgeführt haben. Geschlossen hat er auch alle Medienhäuser – die Einwohner der syrischen Provinzstadt Raqqa sind beispielsweise nur noch per Telefon mit der Aussenwelt verbunden.

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