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Wulff muss definitiv vor Gericht

Eineinhalb Jahre nach dem Rücktritt: Gegen den früheren deutschen Bundespräsidenten ist ein Verfahren wegen Vorteilsnahme eröffnet worden. Der Prozess soll am 1. November beginnen.

mw
Die Politkarriere von Christian Wulff beginnt in den frühen 90er-Jahren: Ex-Kanzler Helmut Kohl und Wulff als Vorsitzender der CDU in Niedersachsen läuten den Wahlkampf 1994 ein.
Die Politkarriere von Christian Wulff beginnt in den frühen 90er-Jahren: Ex-Kanzler Helmut Kohl und Wulff als Vorsitzender der CDU in Niedersachsen läuten den Wahlkampf 1994 ein.
Reuters
Wulff regiert in Niedersachsen bis 2010. Als Ministerpräsident des Bundeslandes gehörte er auch dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG an. (13. Juli 2005)
Wulff regiert in Niedersachsen bis 2010. Als Ministerpräsident des Bundeslandes gehörte er auch dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG an. (13. Juli 2005)
Keystone
Am 31. Mai 2010 gibt der damalige Bundespräsident Deutschlands, Horst Köhler, seinen Rücktritt bekannt.
Am 31. Mai 2010 gibt der damalige Bundespräsident Deutschlands, Horst Köhler, seinen Rücktritt bekannt.
Keystone
Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt daraufhin Christian Wulff als Kandidaten der CDU und FDP vor. (29. Juni 2010)
Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt daraufhin Christian Wulff als Kandidaten der CDU und FDP vor. (29. Juni 2010)
Keystone
Wulffs Gattin, Bettina Wulff, bringt Glamour in den Wahlkampf. Ihre Tattoos werden zeitweise zum dominierenden Thema der Wahlberichterstattung.
Wulffs Gattin, Bettina Wulff, bringt Glamour in den Wahlkampf. Ihre Tattoos werden zeitweise zum dominierenden Thema der Wahlberichterstattung.
Keystone
Wulffs Rivale heisst Joachim Gauck. Der Kandidat der SPD und der Grünen leitete nach der Wende in Deutschland die Stasi-Unterlagen-Behörde und geniesst grossen Respekt in der Bevölkerung. (30. Juni 2010)
Wulffs Rivale heisst Joachim Gauck. Der Kandidat der SPD und der Grünen leitete nach der Wende in Deutschland die Stasi-Unterlagen-Behörde und geniesst grossen Respekt in der Bevölkerung. (30. Juni 2010)
Keystone
Gauck mit Bettina Wulff am Tag der Bundespräsidentenwahl. (30. Juni 2010)
Gauck mit Bettina Wulff am Tag der Bundespräsidentenwahl. (30. Juni 2010)
Keystone
Die studierte Medienwissenschaftlerin Bettina Wulff schaut sich gemeinsam mit ihrer Stieftochter die Wahl an. (30. Juni 2010)
Die studierte Medienwissenschaftlerin Bettina Wulff schaut sich gemeinsam mit ihrer Stieftochter die Wahl an. (30. Juni 2010)
Keystone
Wulff setzt sich gegen den Kandidaten der SPD, Joachim Gauck, durch und wird zum Bundespräsidenten gewählt. (30. Juni 2010)
Wulff setzt sich gegen den Kandidaten der SPD, Joachim Gauck, durch und wird zum Bundespräsidenten gewählt. (30. Juni 2010)
Keystone
Freude und Erleichterung: Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert Christian Wulff im Bundestag zur Wahl. (30. Juni 2010)
Freude und Erleichterung: Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert Christian Wulff im Bundestag zur Wahl. (30. Juni 2010)
Keystone
Und auch die künftige Präsidentengattin freut sich. (30. Juni 2010)
Und auch die künftige Präsidentengattin freut sich. (30. Juni 2010)
Keystone
Der unterlegene Kandidat Joachim Gauck nimmt sichtlich gerührt den Applaus seiner Unterstützer aus der rot-grünen Fraktion entgegen. (30. Juni 2010)
Der unterlegene Kandidat Joachim Gauck nimmt sichtlich gerührt den Applaus seiner Unterstützer aus der rot-grünen Fraktion entgegen. (30. Juni 2010)
Keystone
Im Herbst 2011 werden Vorwürfe laut, Wulff habe sowohl sein Amt als Ministerpräsident Niedersachsens als auch das Amt des Bundespräsidenten für finanzielle Vorteile missbraucht.
Im Herbst 2011 werden Vorwürfe laut, Wulff habe sowohl sein Amt als Ministerpräsident Niedersachsens als auch das Amt des Bundespräsidenten für finanzielle Vorteile missbraucht.
Keystone
So nahm Wulff schon vor seiner Wahl für einen Hauskauf von der Ehefrau seines Freundes Egon Geerkens ein günstiges Darlehen über 500'000 Euro auf. Als dies bekannt wurde, löste er das Darlehen ab und nahm einen normalen Bankkredit auf. (Im Bild: Edith und Egon Geerkens)
So nahm Wulff schon vor seiner Wahl für einen Hauskauf von der Ehefrau seines Freundes Egon Geerkens ein günstiges Darlehen über 500'000 Euro auf. Als dies bekannt wurde, löste er das Darlehen ab und nahm einen normalen Bankkredit auf. (Im Bild: Edith und Egon Geerkens)
Keystone
Der umstrittene Anruf: Am 12.12.2011 soll der Chefredaktor der deutschen «Bild»-Zeitung, Kai Diekmann, von Christian Wulff telefonisch unter Druck gesetzt worden sein, Berichte zur Hauskauf-Affäre nicht zu veröffentlichen. Seither herrscht Eiszeit zwischen Diekmann und Wulff. Zuvor berichtete «Bild» sehr positiv über den Politiker.
Der umstrittene Anruf: Am 12.12.2011 soll der Chefredaktor der deutschen «Bild»-Zeitung, Kai Diekmann, von Christian Wulff telefonisch unter Druck gesetzt worden sein, Berichte zur Hauskauf-Affäre nicht zu veröffentlichen. Seither herrscht Eiszeit zwischen Diekmann und Wulff. Zuvor berichtete «Bild» sehr positiv über den Politiker.
Keystone
Die «Bild»-Zeitung veröffentlicht daraufhin den Bericht und berichtet über Wulffs Anruf. Christian Wulff entschuldigt sich am 15.12.2011 öffentlich beim «Bild»-Chefredaktor. Doch die Vorwürfe ebben nicht ab. Wulff soll während Jahren, teils zusammen mit seiner Frau, bei wohlhabenden Freunden Ferien gemacht haben...
Die «Bild»-Zeitung veröffentlicht daraufhin den Bericht und berichtet über Wulffs Anruf. Christian Wulff entschuldigt sich am 15.12.2011 öffentlich beim «Bild»-Chefredaktor. Doch die Vorwürfe ebben nicht ab. Wulff soll während Jahren, teils zusammen mit seiner Frau, bei wohlhabenden Freunden Ferien gemacht haben...
Keystone
...und Wahlkampfhilfe vom Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer erhalten haben (hier mit Lebensgefährtin Veronica Ferres).
...und Wahlkampfhilfe vom Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer erhalten haben (hier mit Lebensgefährtin Veronica Ferres).
Keystone
Am 22. Dezember trennt sich Wulff überraschend und ohne Angaben von Gründen von seinem langjährigen Pressesprecher. Später wurde bekannt, dass Glaeseker vorgeworfen wird, mehrfach kostenlos Ferien im Anwesen des Eventmanagers Manfred Schmidt gemacht zu haben.
Am 22. Dezember trennt sich Wulff überraschend und ohne Angaben von Gründen von seinem langjährigen Pressesprecher. Später wurde bekannt, dass Glaeseker vorgeworfen wird, mehrfach kostenlos Ferien im Anwesen des Eventmanagers Manfred Schmidt gemacht zu haben.
Keystone
Manfred Schmidt gilt als einer der bekanntesten deutschen Organisatoren für Promi- und Medienevents.
Manfred Schmidt gilt als einer der bekanntesten deutschen Organisatoren für Promi- und Medienevents.
Keystone
Weitere Vorwürfe werden laut. So sollen Christian und Bettina Wulff weitere Einladungen von reichen Freunden angenommen haben. Der mediale Druck wird immer grösser. Oppositionspolitiker fordern Wulffs Rücktritt, ehemalige Vertrauensleute distanzieren sich von ihm. (15. Februar 2012)
Weitere Vorwürfe werden laut. So sollen Christian und Bettina Wulff weitere Einladungen von reichen Freunden angenommen haben. Der mediale Druck wird immer grösser. Oppositionspolitiker fordern Wulffs Rücktritt, ehemalige Vertrauensleute distanzieren sich von ihm. (15. Februar 2012)
Keystone
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Der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff kommt nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA vor Gericht. Er muss sich wegen Vorteilsnahme verantworten. Das Landgericht Hannover habe in einer 14-seitigen Stellungnahme den Anwälten die Entscheidung mitgeteilt.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Wulff im April wegen Bestechlichkeit angeklagt, den Filmproduzenten David Groenewold wegen Bestechung. Das Gericht eröffnete das Verfahren nun wegen Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung. Nach Angaben des «Spiegels» soll der Prozess am 1. November beginnen.

Oktoberfest und Filmprojekt

Groenewold hatte 2008 einen Teil der Kosten für einen Oktoberfestbesuch des Ehepaares Wulff in München übernommen. Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident, wusste davon nach eigenen Angaben nichts. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Groenewold Wulff motivieren wollte, für eines seiner Filmprojekte um Geld zu werben. Das tat Wulff einige Wochen später.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar 2012 den Antrag auf Aufhebung der Immunität des damaligen Bundespräsidenten gestellt. Daraufhin war er vom Amt zurückgetreten.

Vorausgegangen war eine monatelange Affäre um einen günstigen Hauskredit und kostenlose Ferien bei befreundeten Unternehmern. Die Vorwürfe bezogen sich auf Wulffs Zeit als Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen.

(SDA)

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