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Wegbleiben als Statement

Nach dem Einmarsch in Nordsyrien fürchten Türkei-Urlauber um ihre Sicherheit. Das ist Unsinn – wegbleiben sollten sie trotzdem.

In der Türkei ging es gerade aufwärts mit dem Tourismus, doch nun steht das Land wieder vor einem Einbruch der Gästezahlen. Foto: Chris McGrath/Getty Images
In der Türkei ging es gerade aufwärts mit dem Tourismus, doch nun steht das Land wieder vor einem Einbruch der Gästezahlen. Foto: Chris McGrath/Getty Images

Was soll man sagen zu der Entwicklung in der Türkei? Schwierig, ja existenzbedrohend ist die Situation für viele Menschen, die vom Tourismus leben, dort ja schon länger. Seit die Porträts des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan grösser auf den städtischen Plätzen hängen als jene, die Kemal Atatürk zeigen, den Begründer der Republik. Seit der Laizismus zurückgedrängt wurde, der Präsident immer ungnädiger, autokratischer mit Kritikern umzugehen begann und selbst Stammgäste dem Land fernblieben.

Viele Hoteliers, Tourismusunternehmen, Reiseleiter haben die Katastrophe kommen sehen – manche trauten sich anfangs noch, den Kurs der Regierungspartei AKP zu kritisieren. Irgendwann war es dann zu spät: zu mächtig war der Präsident geworden, zu gefährlich Kritik an ihm. Aber es gab ja auch genügend Touristiker, die auf der Welle des Wohlstands, die die Regierungspartei dem Land zunächst beschert hat, behaglich mitgeschwommen sind. Das rächt sich nun bitter.

Erneut steht die Türkei vor einem Einbruch der Gästezahlen. Zuletzt waren wieder mehr Urlauber ins Land gekommen, auch deshalb, weil Pauschalreisen in die Türkei so unverschämt günstig sind. Nach dem Einmarsch der türkischen Truppen ins syrische Kurdengebiet fürchten viele Urlauber um ihre Sicherheit. Das ist Unsinn. Sicher ist die Türkei – für Touristen. Für die Kurden im Kriegsgebiet ist die aggressive Grossmannsucht hingegen lebensbedrohlich.

Deshalb sollte man jetzt wegbleiben: als Statement gegen den politischen Kurs und aus Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen, die in Städten wie Istanbul gestrandet sind, wo die Kinder Schuljahr um Schuljahr verlieren, Familien auf der Strasse schlafen und im Müll nach Abfällen suchen. Nein, ein humanitäres Aushängeschild ist dieses eigentlich so schöne, so gastfreundliche Land gerade nicht. Da helfen auch keine Imagekampagnen. Nötig wäre endlich eine Abkehr vom eingeschlagenen Kurs. Doch das ist unter diesem Präsidenten nicht zu erwarten.

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