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Wahlen im Zeichen der Integration

Am 15. März wählen die Niederländer ein neues Parlament. Die Partei des Rechtspopulisten Wilders steht in Umfragen auf dem zweiten bis ersten Platz. Was bewegt seine Anhänger und Gegner? Eindrücke aus einem polarisierten Land.

Der Rechtspopulist Geert Wilders polarisiert die Niederländerinnen und Niederländer.
Der Rechtspopulist Geert Wilders polarisiert die Niederländerinnen und Niederländer.
EPA

Ein kleines Reihenhaus, braun geklinkert, am Rand der Stadt Amersfoort: Tamara Wulffelé musste lange warten auf diese eigenen vier Wände. Acht Jahre stand die alleinerziehende Mutter auf der Warteliste für eine Sozialwohnung – das macht sie wütend.

«Niederländer warten manchmal zehn Jahre oder länger auf eine Wohnung. Und dann sieht man, dass Asylbewerber innerhalb von 14 Wochen etwas bekommen.»

Die 35-Jährige, «von Beruf Mama», ist eine energische Frau und Fan von Geert Wilders. Der Populist will den Islam aus dem Land vertreiben und seine Heimat aus der EU führen. Am 15. März wählen die Niederländer ein neues Parlament.

Wilders-Partei auf dem Vormarsch

Bisher liegt Wilders' Partei für die Freiheit (PVV) in Umfragen bei rund 15 Prozent. Von einer Mehrheit ist sie weit entfernt, aber wegen der zersplitterten politischen Landschaft könnte die PVV damit die grösste oder zweitgrösste Fraktion im Parlament werden.

Dass Wilders Regierungsverantwortung übernimmt, gilt als sehr unwahrscheinlich. Wulffelé aber sagt: «Geert als Ministerpräsident? Das klingt nach einer guten Idee.» Sie sei keine Rassistin, behauptet sie. «Ich liebe Menschen.» Allerdings spricht sie schneller und lauter, wenn es zum Beispiel um Flüchtlinge geht. Oder um Marokkaner.

Rund 380'000 Menschen mit marokkanischen Wurzeln leben in den Niederlanden, die meisten sind Nachfahren von Gastarbeitern. Da es in den sozialen Brennpunkten der Grossstädte immer wieder Probleme mit kriminellen marokkanischen Jugendlichen gibt, hat die gesamte Gruppe in den Niederlanden einen schlechten Ruf – das nutzt Wilders aus.

Integration klappt nicht gut

Die Behörden seien Straftätern gegenüber zu tolerant, findet Wulffelé. Natürlich gehe es nur um eine Minderheit. Aber für straffällige Einwanderer fordert sie: «Hopp, ins Flugzeug und zurück nach Marokko!»

Auch viele Niederländer mit weniger drastischen Ansichten glauben, dass die landestypische Integrationspolitik ihre Ziele nicht überall erreicht hat. Die Niederlande seien immer ein Land von Minderheiten gewesen, erklärt Friso Wielenga, Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien der Universität Münster.

Die grössten religiösen und weltanschaulichen Gruppen bildeten früher sogenannte Säulen: Sie hatten eigene Schulen, Verbände, Parteien, ihre Eliten arbeiteten mit der Regierung zusammen. Diese Strukturen haben sich inzwischen aufgelöst, prägten aber noch lange die Vorstellung von guter Integration.

«Der Gedanke war: Wir geben Zuwanderern eine eigene Säule, lassen sie ihre eigenen Einrichtungen aufbauen», erklärt Wielenga. «Aber die Migranten bildeten als Gruppe gar keine homogene Einheit. So entstanden eher Parallelgesellschaften.»

Probleme mit jungen Marokkanern

Bouchra Dibi gehört zu den Menschen, denen Wilders' Parolen zu schaffen machen: Sie wurde in Marokko geboren. In der Grossstadt Utrecht sitzt die Sozialarbeiterin für die Sozialdemokraten im Stadtrat. Sie wolle Menschen verbinden, erklärt die 44-Jährige. Das klingt einfacher, als es ist.

Die liberal-sozialdemokratische Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte hat die Niederlande aus der Wirtschaftskrise geholt – dem Land dafür aber einen harten Sparkurs zugemutet. Dibi glaubt, dass viele Niederländer einen doppelten Verlust verspüren: Einerseits sorgen sie sich um ihre soziale Sicherheit, andererseits um ihre Identität. Einwanderer seien dadurch zum Feindbild geworden.

Es stimme schon, sagt Dibi: Es gebe Probleme mit jungen straffälligen Marokkanern. Ein Problem für Zuwanderer sei aber auch Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt: Unter den nichtwestlichen Zuwanderern lag die Jugendarbeitslosigkeit 2016 bei 21,4 Prozent, unter den Einheimischen dagegen bei 8,3 Prozent.

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