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Steinmeier bestellt türkischen Geschäftsträger ein

Die türkische Polizei führte in der Nacht auf den Freitag eine Serie Razzien gegen die pro-kurdische Oppositionspartei HDP durch. Insgesamt elf Abgeordnete wurden verhaftet.

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Verhaftungen im ganzen Land: Die türkische Polizei führt HDP-Abgeordnete ab. (Video: Tamedia)

Nach den Festnahmen führender Politiker der prokurdischen Oppositionspartei HDP in der Türkei bestellt Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) den türkischen Geschäftsträger ein. Das Gespräch solle noch am Freitag stattfinden, hiess es aus dem Auswärtigen Amt. «Die nächtlichen Festnahmen von Politikern und Abgeordneten der kurdischen Partei HDP sind aus Sicht des Aussenministers eine weitere drastische Verschärfung der Lage», hiess es zur Begründung.

Bei Anti-Terror-Razzien in der Nacht zum Freitag waren die beiden Parteivorsitzenden der HDP, Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag, sowie mehrere HDP-Abgeordnete festgenommen worden, wie die Nachrichtenagentur Anadolu und weitere Medien berichteten. Die HDP ist mit 59 Sitzen die drittgrösste Partei im Parlament und die grösste politische Vertretung der Kurden.

Keine Rechtfertigung, die Opposition mundtot zu machen

Steinmeier habe seinen Staatssekretär Stephan Steinlein beauftragt, den türkischen Geschäftsträger angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Türkei noch am Freitag zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt zu bitten, verlautete aus dem Aussenministerium.

Weiter hiess es: «Niemand bestreitet das Recht der Türkei, der Bedrohung durch den Terrorismus entgegen zu treten und den blutigen Putschversuch mit rechtsstaatlichen Mitteln aufzuarbeiten.» Das dürfe aber nicht als Rechtfertigung dafür dienen, «die politische Opposition mundtot zu machen oder gar hinter Gitter zu bringen», hiess es weiter aus dem Auswärtigen Amt.

Über 30'000 verhaftet

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem gescheiterten Putsch am 15. Juli umfangreiche «Säuberungen» im Staatsapparat angekündigt. Seither wurden zehntausende Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz und des Bildungswesens aus dem Dienst entfernt und 32.000 Menschen inhaftiert.

Gerade wegen der «historisch tiefen Beziehungen» zur Türkei «dürfen wir jetzt nicht schweigen», verlautete weiter aus dem Auswärtigen Amt. Deshalb sei es notwendig, der türkischen Regierung «unverzüglich förmlich» die Haltung der Bundesregierung mitzuteilen.

Die türkische Regierung geht derzeit auch massiv gegen oppositionelle Medien vor. Die Polizei hatte am Montag den Chefredakteur der Zeitung «Cumhuriyet», Murat Sabuncu, und rund ein Dutzend weitere Mitarbeiter inhaftiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Vorgehen als «in höchstem Masse alarmierend» verurteilt.

(SDA)

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