Trauerfeier und neue Erkenntnisse nach Pariser Messerattacke

Frankreich hat sich von den vier getöteten Polizisten verabschiedet. Die Anzeichen auf einen Terroranschlag verdichten sich.

Grosse Trauer in Paris: Präsident Emmanuel Macron schreitet zum Rednerpult. (Reuters/Benoit Tessie/8. Oktober 2019)

Grosse Trauer in Paris: Präsident Emmanuel Macron schreitet zum Rednerpult. (Reuters/Benoit Tessie/8. Oktober 2019)

Mit einer Trauerfeier nahm die Pariser Polizei Abschied von den vier Todesopfern der Messerattacke vor fünf Tagen. An der Zeremonie im Innenhof des Polizei-Hauptquartiers waren am Dienstag zahlreiche Vertreter des französischen Staates vertreten.

Präsident Emmanuel Macron sagte in einer Ansprache, er verbeuge sich im Namen der Nation vor den Toten. «Sie sind im Dienst gestorben», betonte er. Macron kündigte einen «unnachgiebigen Kampf» gegen «den islamistischen Terrorismus» an und rief die Gesellschaft zur «Wachsamkeit» auf.

Ein langjähriger Polizei-Mitarbeiter hatte am Donnerstag vier Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde. Hinweise auf seine Radikalisierung wurden offenbar lange missachtet.

Im Innenhof des Polizeipräsidiums nahe der Kathedrale Notre-Dame waren die Särge der vier getöteten Polizei-Mitarbeiter aufgebahrt, drei Männer und eine Frau. Bedeckt waren sie mit Flaggen in den Farben der Trikolore. An der Zeremonie nahmen auch die früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande teil.

Islamistischer Hintergrund

Inzwischen gibt es immer mehr Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund: Der Täter, der als Informatiker für die Polizei arbeitete, hatte nach Angaben der Zeitung «Le Parisien» vom Dienstag Propaganda-Videos der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf einem USB-Stick gespeichert. Darauf befanden sich zudem persönliche Daten von dutzenden Kollegen. Befürchtet wird, dass er diese an Islamisten weitergeben wollte, mit denen er in Kontakt stand.

Unklar ist, warum im Fall des Täters nicht rechtzeitig Alarm geschlagen wurde. Der 45-Jährige war bereits 2015 aufgefallen, als er den islamistischen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung «Charlie Hebdo» mit zwölf Toten guthiess.

Wegen der Versäumnisse fordert das rechte politische Lager in Frankreich den Rücktritt von Innenminister Christophe Castaner. Er hatte eine «Funktionsstörung des Staates» eingestanden. Castaner muss sich deshalb den Fragen von Parlaments-Gremien stellen, auch ein Untersuchungsausschuss ist geplant.

fal/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt