Terroristin Zschäpe vergrault ihre Verteidiger

Die drei Pflichtverteidiger der Rechtsterroristin Beate Zschäpe wollen den Fall abgeben. Der NSU-Prozess müsste neu begonnen werden.

Differenzen zwischen Angeklagter und Verteidiger: Beate Zschäpe zwischen Heer, Sturm und Stahl.(6. August 2013)

Differenzen zwischen Angeklagter und Verteidiger: Beate Zschäpe zwischen Heer, Sturm und Stahl.(6. August 2013)

(Bild: EPA/Peter Kneffel)

Mitten in den Verhandlungen steht die mutmassliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe vielleicht schon bald ohne Verteidiger da. Die drei bisherigen Pflichtverteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe wollen aufhören: Sie haben am Montag überraschend ihre Entbindung von ihren Mandaten beantragt.

Er habe sich diesen Schritt sehr gut überlegt, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer. Er sei sich darüber im Klaren, dass der Prozess damit neu begonnen werden müsste. Das Gericht unterbrach nach dem Antrag die Verhandlung für eine halbe Stunde.

Die Sprecherin des Oberlandesgerichts sagte, für eine Entbindung von den Pflichtmandaten sei auch dann eine detaillierte Begründung notwendig, wenn die Verteidiger diese selbst beantragen. Allein die kürzlich erfolgte Berufung Grasels zum weiteren Pflichtverteidiger reiche nicht zur Begründung.

Schlechtes Verhältnis zu Stahl, Sturm und Heer

Seit Beginn des NSU-Prozesses am 6. Mai 2013 hatte Zschäpe drei Pflichtverteidiger - nämlich Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Das Verhältnis Zschäpes mit diesen Verteidigern gilt seit langem als belastet. Sie hatte bereits vor einem Jahr deren Entbindung beantragt. Das Oberlandesgericht München liess kürzlich den Münchner Anwalt Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger zu.

Am Montag war der 219. Verhandlungstag des Mammut-Prozesses. Der einzige Zeuge dieses Tages, der Zschäpe schon bei seiner ersten Vernehmung belastetet hatte, wurde zunächst nicht aufgerufen.

Zschäpe muss sich in dem Verfahren für die zehn Morde verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem «Nationalsozialistischen Untergrund» vorwirft. Hinzu kommen zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle.

slw/AFP

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