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Start-ups für Flüchtlinge

Die dänische Unternehmerin Anne Kjaer Riechert gründet Schulen für Geflüchtete und Migranten.

Riechert spricht fünf Sprachen, ist erst 36 Jahre alt und schon erfolgreich. Foto: PD
Riechert spricht fünf Sprachen, ist erst 36 Jahre alt und schon erfolgreich. Foto: PD

Anne Kjaer Riechert erkennt man am Event ihrer eigenen Firma nicht gleich als Hauptperson. Sie ist zurückhaltend, spricht leise und freundlich, doch je länger sie auf der Bühne spricht, desto klarer wird: Diese Frau weiss, wie sie die Welt verändern will. Bei einem Brunch ihrer Redi School, einem Social Business in Berlin, in dessen Kursen Geflüchtete und Migranten IT-Fähigkeiten lernen, spricht sie über die Chancen, die sie in der Zuwanderung sieht – und dieser zentrale Punkt ihrer Arbeit scheint ihr ganzes Wesen auf den Punkt zu bringen: Dort, wo andere Probleme sehen, entdeckt sie Möglichkeiten, auf die sie sich mit Leidenschaft stürzt.

Die Idee für die Redi School – Redi ist kurz für «Ready for Digital Integration» – kam Riechert im Sommer 2015, als sie ein Flüchtlingslager besuchte und zu einer Ramadan-Feier eingeladen war. «Dort lernte ich Mohammad kennen, einen Programmierer aus Bagdad. Seit er in Deutschland war, hatte er keinen Laptop mehr und konnte sich keine neuen digitalen Fähigkeiten beibringen», sagt sie. Auf der einen Seite habe sie gesehen, wie viel Talent Mohammad habe und dass er gern arbeiten würde. Auf der anderen Seite gebe es in Deutschland 55'000 offene Stellen in der IT-Branche.

Dieses Denken hat Riechert spätestens an der dänischen Hochschule Kaospilot in Aarhus gelernt, eine Mischung aus Business- und Designschule, an der es darum geht, unternehmerische Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Dort machte sie 2006 ihren Bachelor. Jährlich werden dort nur zwischen 35 und 37 Studierende aufgenommen.

Am wichtigsten ist ihr, Probleme gemeinsam anzugehen

Anschliessend arbeitete sie als Beraterin für Unternehmerische Sozialverantwortung. Bei Samsung entwickelte sie eine entsprechende Strategie für Skandinavien. 2010 zog sie dann nach Japan und machte einen Master in Friedensforschung. 2012 kam sie nach Berlin, wo sie das Stanford Innovation Lab aufbaute, eine Initiative der Stanford University – und 2015 dann die Gründung der ersten Redi School.

Riechert ist international (sie spricht fünf Sprachen), mit 36 Jahren noch relativ jung und experimentierfreudig. Ihr sind die Strukturen wichtig, in denen sie arbeitet, und die Menschen. «Ich mache das seit zehn Jahren. Am wichtigsten für mich war und ist die Erkenntnis, dass man es nicht allein schaffen kann.» Mithilfe anderer werde alles viel besser. «Wenn ich sehe, hier gibt es ein Problem, denke ich: Wir brauchen einfach nur die richtigen Menschen zusammenzubringen, um eine Lösung umzusetzen.»

Die Frage nach dem Sinn wird immer gestellt

Die Redi School ist Riecherts drittes Social Start-up. Das macht sie zu einem Vorbild für eine neue Form des Wirtschaftens, die mehr Nutzen stiften will. «Ich glaube, es geht nicht nur mir so: Geld ist natürlich schön, aber gute Freunde und Sinn und Zweck in meinem Alltag zu haben, ist genauso wichtig.» Das sei auch vielen Firmen wichtig, die sich von ihr beraten lassen.

Anne Kjaer Riechert glaubt, dass hier der zukünftige Markt für Unternehmen liege. Eine ganze Generation von Angestellten frage schon jetzt nach dem tieferen Sinn von Firmen und suche im Berufsleben mehr als ein Einkommen. «Da werden wir noch grosse Veränderungen sehen. Aber es muss schneller gehen.»

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