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Staatsmann gegen Gladiator

Morgen wählt Frankreichs Konservative UMP einen neuen Parteichef. Das Rennen zwischen Francois Fillon und Jean-Francois Copé dürfte das engste werden, das die Partei je gesehen hat.

Die Stimmung ist aufgeheizt: francois Fillon (l.) und Jean-Francois Copé (r.) während einer TV-Debatte in Paris.
Die Stimmung ist aufgeheizt: francois Fillon (l.) und Jean-Francois Copé (r.) während einer TV-Debatte in Paris.
AFP

Auf der Zielgeraden ist der Ton spürbar schärfer geworden. «Jede Kurve nach rechts» nehme sein Rivale, lästerte Frankreichs Ex-Premier François Fillon über Jean-François Copé. Dieser hielt seinem Konkurrenten im Rennen um den Parteivorsitz der konservativen UMP vor, «lauwarme» Opposition «in Pantoffeln» zu betreiben.

Die Stimmung ist aufgeheizt vor der Wahl am Sonntag, bei der die UMP-Mitglieder ihren neuen Vorsitzenden wählen - und zugleich erste Weichen stellen in der Frage, wer 2017 für die Konservativen ins Präsidentschaftsrennen gehen könnte.

In den vergangenen Wochen haben Fillon, der unter dem im Mai abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy fünf Jahre lang Regierungschef war, und der derzeitige UMP-Generalsekretär Copé nichts unversucht gelassen, ihre Parteianhänger auf ihre Seite zu ziehen. Rund hundert Wahlkampfauftritte absolvierte jeder im ganzen Land, die Ermüdung ist den Kandidaten anzusehen. Während sich Fillon und Copé bei einem Fernsehduell Ende Oktober noch mit Samthandschuhen anfassten, nahm die Zahl der Attacken zuletzt zu.

Mit Angriffslust und ohne Scheu

Denn auch wenn Umfragen Fillon vorne sehen – das Rennen um die Parteiführung, die Sarkozy als Staatschef ruhen liess, dürfte das engste werden in der zehnjährigen Geschichte der UMP. Zumal die Umfragen sich als trügerisch erweisen könnten: Befragt werden Sympathisanten der UMP, abstimmen dürfen aber nur die rund 300'000 Parteimitglieder. Und bei einer geringen Wahlbeteiligung könnte Copé den Sieg davontragen, weil er beim harten Kern der Partei, der auf jeden Fall wählen geht, die Nase vorne haben dürfte.

Die Rollenverteilung zwischen den Kandidaten jedenfalls ist klar: Auf der einen Seite der 58-jährige Fillon, der sich mit seiner Regierungserfahrung als gelassener und ausgeglichener «Staatsmann» präsentiert, einen politisch moderaten Kurs fährt und für seine Partei auch bei enttäuschten Wählern des sozialistischen Staatschefs François Hollande auf Stimmenfang gehen will.

Auf der anderen Seite der zehn Jahre jüngere Copé, angriffslustig und ohne jede Scheu vor Polemik und rechtslastiger Rhetorik - etwa wenn er von einer «Rechten ohne Komplexe» spricht und einen «Rassismus gegen Weisse» in manchen Problemvierteln Frankreichs anprangert. Als «Gladiator» hat Fillon ihn bezeichnet, was Copé eher als Lob denn als Kritik empfinden dürfte.

Das ideale Sprungbrett

Nicht wenige in der UMP fürchten um den Zusammenhalt der Partei, wenn Copé das Rennen machen sollte, denn die polarisierende Art des 48-Jährigen könnte in der politischen Mitte angesiedelte UMP-Politiker aus der Partei treiben. Fillon präsentiert sich bewusst als Garant für die Einheit der UMP. Copé aber lässt die Befürchtungen an sich abtropfen: Er wisse eine «überwältigende Mehrheit» der politischen Mitte der Partei hinter sich, sagte er kürzlich.

Die UMP-Mitglieder wird vor ihrer Stimmabgabe aber noch eine ganz andere Frage umtreiben, denn weder Fillon noch Copé machen aus ihren Ambitionen einen Hehl, 2017 bei den Präsidentschaftswahlen anzutreten. Die Parteiführung ist dafür das ideale Sprungbrett. Fillon hat die Abstimmung um den Parteivorsitz bereits zu einer «vorgezogenen Vorwahl» für die Präsidentschaftskandidatur 2017 erklärt - und verweist gerne auf Umfragen, wonach er bei den Franzosen beliebter ist als Staatschef Hollande, Copé im direkten Vergleich mit dem Sozialisten aber klar unterliegen würde.

Wer 2017 für die Konservativen Präsidentschaftskandidat wird, ist indes auch nach der Wahl am Sonntag lange nicht entschieden. Denn immer noch rätselt ganz Frankreich, ob Sarkozy ein politisches Comeback startet. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage sagten 64 Prozent der Rechtswähler in Frankreich, sie wünschten sich den Ex-Staatschef in fünf Jahren als Kandidaten.

fs/cp/mt

AFP/wid

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