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«So blöd sind wir»

Sieht die Energieversorgung gefährdet: EU-Energiekommissar Oettinger ärgert sich über eigenbrötlerische EU-Länder. Wenn diese sich nicht bald zu einer einheitlichen Energiepolitik kurzschliessen, drohe Schlimmes.

Sieht die Energieversorgung Europas gefährdet: Energiekommissar Günther Oettinger. (Archivbild vom 20. Juni 2010)
Sieht die Energieversorgung Europas gefährdet: Energiekommissar Günther Oettinger. (Archivbild vom 20. Juni 2010)
Reuters

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat ein «planloses Vorgehen» der 27 EU-Staaten im Energiebereich kritisiert. Beim heutigen EU-Energieministerrat in Brüssel beklagte Oettinger das nationale Denken und das Tempo, das so verloren gehe.

Mit «27 oder bald 28 parallelen Plänen in den altbekannten Fürstentümern werden wir nicht erfolgreich sein», erklärte Oettinger weiter. Der deutsche EU-Kommissar brandmarkte besonders das Vorgehen bei den Windparks in der Nordsee, «da gibt es noch kein Seekabel».

Niemand wäre «so blöd, dass in einem Industriegebiet ein Schlachthof gebaut wird, wenn es dort nicht Kühlanlagen und eine Industriestrasse gibt. Aber so blöd sind wir in der Energiepolitik», empörte sich der Kommissar während der Diskussion der Energieminister zum Ausbau der Energieinfrastruktur.

USA und China als Vorbilder

Er sei «schon etwas ernüchtert, wie schwer wir vorankommen». Mit verschiedenen Parallelstrukturen «verlieren wir gegenüber den USA und China an Geschwindigkeit». Noch immer hätten zahlreiche Länder nur einen Lieferanten für Gas, «weil es keine zweite Leitung gibt».

Er wolle China nicht als Vorbild hinstellen, doch seien Vergleiche angebracht. Im Nordwesten des Reichs der Mitte würden 35 Kohlekraftwerke und 25 Atomkraftwerke gebaut. Das alles passiere in fünf Jahren, und «da gibt es keinen Kompetenzstreit». Dagegen gebe es in der EU bald mehr Netzeigentümer als Stromverbraucher, ärgerte sich Oettinger.

«Dann geht Europa echt unter»

«Wir können Öl perfekt transportieren, auch Kohle, wir können Uranium perfekt transportieren, auch Biomasse. Aber bei Gas und Strom funktioniert das nur eingeschränkt.» Der Ausbau der Energieinfrastruktur sei aber unbedingt notwendig. «Ohne Übertragung gibt es keine Solidarität im Krisenfall», sagte Oettinger.

Und der Energiekommissar setzte noch einen drauf: «Wenn wir so arbeiten, geht Europa echt unter. Dann brauchen wir nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn aus der Eurokrise eine Energiekrise wird, das geschieht uns recht.»

Bessere Infrastruktur – mehr Effizienz

Bei den Leitlinien für die transeuropäische Energieinfrastruktur geht es unter anderem um die sogenannten Stromautobahnen. Zwar sind 12 prioritäre Energiekorridore festgelegt, wovon mindestens zwei teils auch durch die Schweiz führen sollen. Am Dienstag wurden zur Priorisierung einzelner Projekte oder Korridore keine Entschlüsse gefasst.

Thema war am Dienstag auch die EU-Richtlinie (Gesetz) für Energieeffizienz. Ziel der Richtlinie ist es, Verfahren beschleunigt genehmigen zu lassen. Inhaltlich geht es auch darum, bis 2020 die Energieeffizienz um 20 Prozent zu steigern. Das soll durch weniger Energieverbrauch, aber auch durch weniger Energieverlust erreicht werden.

SDA/rub

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