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Sieben Nächte Gewalt und Feuer

In Stockholm gab es die siebte Nacht in Folge Ausschreitungen. Demonstranten griffen Polizisten mit Steinen an, mehrere Autos gingen in Flammen auf. Gesamthaft scheint sich die Lage etwas zu beruhigen.

Rund 200 Rechtsradikale patrouillierten in Autos durch Stockholm: Polizisten nehmen Mitglieder der rechten Gruppierung fest. (25. Mai 2013)
Rund 200 Rechtsradikale patrouillierten in Autos durch Stockholm: Polizisten nehmen Mitglieder der rechten Gruppierung fest. (25. Mai 2013)
Keystone
Feuerlöschaktion bei einer Schule, die im Stockholmer Vorort Kista in Brand gesetzt wurde.
Feuerlöschaktion bei einer Schule, die im Stockholmer Vorort Kista in Brand gesetzt wurde.
AFP
Bürger in Sorge: Demonstration gegen Gewalt und Vandalismus in Husby. (22. Mai 2013)
Bürger in Sorge: Demonstration gegen Gewalt und Vandalismus in Husby. (22. Mai 2013)
AFP
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In Stockholm und anderen schwedischen Städten hat es am Wochenende erneut nächtliche Krawalle gegeben. In verarmten Vororten der Hauptstadt gingen in der Nacht zum Sonntag mehrere Autos in Flammen auf, aufgebrachte Jugendliche warfen Steine in Richtung von Polizisten. Im Gegensatz zur Vornacht meldete die Polizei jedoch keine Vorkommnisse aus anderen Städten und sprach insgesamt von einem Rückgang der Gewalt.

Stockholm erlebte die siebte Nacht der Gewalt in Folge. In Vaarberg im Süden der Hauptstadt griffen junge Demonstranten einen Patrouillenwagen mit Steinen an. Nach Polizeiangaben wurde kein Beamter verletzt, auch Festnahmen gab es nicht. In Jordbro, einem anderen südlichen Vorort, ging ein Steinhagel auf die Polizei nieder, als diese einen Angreifer festnehmen wollte. Die Polizisten setzten Tränengas ein.

Mehrere Festnahmen

In der Nacht zum Samstag brannten auch in den Städten Örebro, Uppsala und Linköping Autos und Gebäude. Es kehrte jedoch schon bald wieder Ruhe ein. Berichten zufolge fuhren in der Gegend von Stockholm rund 200 Rechtsradikale in Autos herum. Eine starke Polizeipräsenz verhinderte aber offenbar gewaltsame Zusammenstösse. Laut Polizei trugen auch Bürgerpatrouillen zu einer Verringerung der Gewalt bei.

Nachdem sich die Polizei in den ersten Tagen zurückgehalten und vor allem Brände gelöscht hatte, gingen Beamte nun gezielt gegen Randalierer vor. Ein Gewaltverdächtiger befand sich in Polizeigewahrsam, 20 weitere wurden nach vorübergehender Festnahme wegen Störung der öffentlichen Ordnung wieder freigelassen. Stockholms Polizeisprecher Lars Byström sagte, auch wenn die Polizei nicht immer eingreife, mache sie Videoaufnahmen und sammele Informationen. «Auf diese Weise können wir die Leute ein paar Tage später fassen.»

Polizei tötete 69-Jährigen

Die Krawalle hatten am Sonntag vergangener Woche in dem zu Kista gehörenden Vorort Husby begonnen, in dem 80 Prozent der Einwohner Migranten sind und grosse soziale Missstände herrschen. Auslöser war die Tötung eines 69-jährigen Mannes durch die Polizei. Örtliche Aktivisten warfen den Polizisten übertriebene Gewaltanwendung vor und gaben an, von den Beamten als «Herumtreiber» und «Affen» beschimpft worden zu sein. Die Gewalt weitete sich in den vergangenen Tagen auf zahlreiche andere Viertel aus.

Die Sozialwohnblöcke in Husby wurden in den frühen 70er-Jahren im Zuge des umstrittenen «Millionenprogramms» der schwedischen Regierung errichtet, mit dem günstiger Wohnraum geschaffen werden sollte. Nach Schätzungen haben etwa 80 Prozent der rund 12'000 Bewohner einen Migrationshintergrund, und die Quote der Jugendarbeitslosigkeit gehört zu den höchsten des Landes. Ein 2007 gestartetes Sanierungs- und Verschönerungsprogramm kam bislang kaum voran.

Die für Schweden ungewöhnliche Welle der Gewalt veranlasste die USA und Grossbritannien, ihre Bürger aufzufordern, die betroffenen Stadtteile zu meiden. Dem Rundfunksender Sveriges Radio zufolge gingen wegen der Schäden bei den drei grossen schwedischen Versicherungsgesellschaften If, Folksam und Trygg-Hansa inzwischen Ersatzansprüche in Höhe von Millionen Kronen (Hunderttausende Euro) für jeweils 20 bis 30 verbrannte Fahrzeuge ein.

SDA/fko

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