Zum Hauptinhalt springen

Sie gehen in Italien auf Stimmenfang

Sportler, Staatsanwälte, Wirtschaftsvertreter, Showgirls und Journalisten: Den Wählern in Italien präsentiert sich bei den Parlamentswahlen im Februar eine bunte Auswahl an Kandidaten.

Zählt zu den etablierten Gefolgsleuten von Berlusconi: Ex-Showgirl und Ex-Gleichstellungsministerin Mara Carfagna. (Archivbild)
Zählt zu den etablierten Gefolgsleuten von Berlusconi: Ex-Showgirl und Ex-Gleichstellungsministerin Mara Carfagna. (Archivbild)
AFP
Ficht ihren nächsten Kampf in der Politik: Fechtweltmeisterin Valentina Vezzali. (Archivbild)
Ficht ihren nächsten Kampf in der Politik: Fechtweltmeisterin Valentina Vezzali. (Archivbild)
Keystone
Will es zum wiederholten Mal wissen – und spricht dafür sogar mit unliebsamen Journalisten: Silvio Berlusconi. (Archivbild)
Will es zum wiederholten Mal wissen – und spricht dafür sogar mit unliebsamen Journalisten: Silvio Berlusconi. (Archivbild)
AFP
1 / 6

Neben bewährten Zugpferden setzen die italienischen Parteien bei den Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar auf Prominente aus der Gesellschaft. Die Fechtweltmeisterin Valentina Vezzali etwa ficht ihren nächsten Kampf in der Politik: Sie kandidiert auf der Liste von Mario Monti.

In unruhige Gewässer zieht auch die seit 1990 für Italien startende deutsche Kanu-Olympiasiegerin Josefa Idem, die für die linke PD (Demokratische Partei) von Pier Luigi Bersani ins Rennen geht. Ex-Fussballprofi Giovanni Rivera tritt ebenfalls für Mitte-Links an.

Der ehemalige Premier Silvio Berlusconi, der sich kürzlich mit der fast 50 Jahre jüngeren Francesca Pascale verlobt hat, bestückt seine PdL (Volk der Freiheit) seit jeher gern mit schönen Frauen. Zu den etablierten Gefolgsfrauen zählen Ex-Showgirl Mara Carfagna, die bis 2011 Gleichstellungsministerin in seinem Kabinett war, und seine Vertraute Maria Rosaria Rossi. Neu in der Riege ist die junge Annagrazia Calabria.

Auf Stimmenfang im Fernsehen und auf Twitter

Im Kampf um Wählerstimmen werden alle Geschütze aufgefahren. Der spröde Monti twittert, Berlusconi absolviert TV-Auftritte in Serie – und punktete just bei seinem Erzfeind, dem Moderator Michele Santoro, den er ehemals aus dem Staats-TV RAI entfernen liess. Früher hätte der Cavaliere mit andersdenkenden Journalisten gar nicht geredet.

Am ruhigsten ist es um Oppositionsführer Bersani, der sich im TV meist wortlos mit sorgenvoll gerunzelter Stirn zeigt. Charismatisch würde man ihn kaum nennen. Dennoch gilt Bersani als aussichtsreichster Anwärter für den Regierungspalast Chigi. Sein Mitte-Links-Bündnis kommt gemäss Umfragen auf etwa 35 Prozent. Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis liegt bei gut 25 Prozent und Montis Zentrumsblock bei knapp 15 Prozent.

Staatsanwälte als Garanten gegen Korruption

Angesichts zahlreicher Korruptionsskandale ringen die Parteien um integre Kandidaten. Montis Bündnis wirbt mit unbescholtenen Kandidaten aus der Bürgerschaft. Auch aufrechte Staatsanwälte sind ein Aushängeschild. Für Monti tritt der Ex-Ankläger Stefano Dambruoso an.

Der bisher oberste Antimafia-Ermittler Pietro Grasso entschied sich Weihnachten für die PD. Antonio Ingroia, Nachfolger der ermordeten Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, rief rasch vor Jahreswechsel seine «Bürgerliche Revolution» ins Leben; die Gruppierung liegt schon über vier Prozent und dürfte ins Abgeordnetenhaus einziehen.

Altgediente Politiker, die im Visier der Justiz standen, mussten weichen. Die PD räumte in Sizilien auf; die Betroffenen protestierten gegen die «Säuberungen» und «Inquisition» – einige hatten bei den Vorwahlen viele Stimmen geholt. Und: Wer im Parlament sitzt, geniesst nicht zuletzt Immunität.

Berlusconi räumt auf...

Besonders in der PdL herrschte Streit um in Strafverfahren verwickelte Politiker. «Wenn wir sie aufstellen, werden wir eine Million Stimmen verlieren», warnte Berlusconi. Auf seinen Druck gaben sein Vertrauter Marcello Dell'Utri, Ex-Industrieminister Claudio Scajola und Nicola Cosentino aus Neapel auf.

Cosentino und Dell'Urti sollen Kontakte zur Mafia gehabt haben. Dell'Utri wurde bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Richter hoben in dritter Instanz einen Teil des Urteils auf; nun ist das Wiederaufnahmeverfahren im Gang.

...allerdings nicht sehr konsequent

Gegen Berlusconi laufen ebenfalls Prozesse, etwa wegen Vorwurfs des Sex mit der damals minderjährigen «Ruby». Auch wurde er wegen Steuerbetrugs in erster Instanz zu einer Haftstrafe verurteilt, die zweite Instanz läuft noch. Trotzdem kandidiert er, ebenso wie der unter Korruptionsverdacht stehende scheidende Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch