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Setzte die Türkei Chemiewaffen gegen kurdische Rebellen ein?

Laut Berichten in deutschen Medien stützt ein rechtsmedizinisches Gutachten der Hamburger Universitätsklinik einen schrecklichen Verdacht.

Auf dem Weg in den Irak: Ein türkischer Armee-Helikopter in Cukurca in der Hakkari-Provinz an der türkischen Grenze im Februar 2008...
Auf dem Weg in den Irak: Ein türkischer Armee-Helikopter in Cukurca in der Hakkari-Provinz an der türkischen Grenze im Februar 2008...
Keystone

Wie das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und die Tageszeitung «taz» am Donnerstag auf ihren Webseiten berichteten, wurde der Verdacht zunächst durch Fotografien erregt, die türkisch-kurdische Menschenrechtsaktivisten an eine deutsche Delegation auf Türkei-Experten, Journalisten und Politikern der Linkspartei übergeben hatten. Auf den Bildern, über die der «Spiegel» bereits im vergangenen Juli berichtet hatte, waren demnach Leichname zu sehen, die verbrannt, verstümmelt und verätzt waren.

Laut der «taz» zeigen sie vier von insgesamt acht toten Kämpferinnen und Kämpfern der kurdischen Untergrundorganisation PKK im Alter zwischen 19 und 33 Jahren. Sie sollen im September 2009 nahe der Stadt Cukurca ums Leben gekommen sein. Das Gebiet gilt als Hochburg der kurdischen Guerilla, und die türkische Armee ist dort seit Jahren mit starken Kräften im Einsatz.

Indizien für Chemiewaffen

Laut dem neuen Bericht auf der «Spiegel»-Webseite hat nun der deutsche Bildfälschungsexperte Hans Baumann verifiziert, dass die Aufnahmen der Todesopfer authentisch sind. Und ein rechtsmedizinische Gutachten der Universität Hamburg soll laut dem Bericht bestätigen, dass die Kurden mit hoher Wahrscheinlichkeit «durch den Einsatz chemischer Substanzen starben».

Aufklärung des Falls gefordert

Sollte dieser Verdacht zutreffen, hätte die türkische Armee bei ihren Einsätzen gegen die Chemiewaffen-Konvention verstossen, die das Land unterzeichnet hat. Deutsche Politiker fordern nun eine gründliche Untersuchung des Falls. «Die neuerlichen Ereignisse sind so eklatant, dass die türkische Seite sie dringend aufklären muss», zitiert der Spiegel Online die Grünen-Chefin Claudia Roth, «es ist nicht nachvollziehbar, warum eine Obduktion der Leichen von PKK-Kämpfern angeordnet wird, aber die Ergebnisse unter Verschluss gehalten werden.»

Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz von der CDU, meint, dass Ankara diese Vorwürfe «dringend aufklären» müsse – am besten unter internationaler Beteiligung.

Nicht der erste Verdachtsmoment

Von der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs kam dazu die Stellungnahme, dass der Verdacht, die Türkei setze Chemiewaffen ein, seit vielen Jahren bestehe. «Die Menschen vor Ort sagen das immer wieder», behauptete Gisela Penteker, Türkei-Beauftragte der Organisation laut dem Bericht.

In der Türkei allerdings verweigert die Armee bisher jede Stellungnahme zu den Vorwürfen – und auch die Regierung schweigt oder behauptet laut dem Bericht von Spiegel Online, dass es sich bei solchen Vorwürfen um Propaganda der PKK handle.

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