Separatist erhält Zuspruch aus Madrid

Mit einer Reform des Kabinetts hat Kataloniens Ministerpräsident Puigdemont alle Zweifler seines Separationskurses entlassen. Er will das Referendum zur Trennung von Spanien durchziehen.

Carles Puigdemont, Ministerpräsident Kataloniens.

Carles Puigdemont, Ministerpräsident Kataloniens. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass er es mit der Volksabstimmung am 1. Oktober über eine Trennung von Spanien ernst meint, hat Kataloniens Ministerpräsident Carles Puigdemont mit einer Kabinettsreform deutlich gemacht.

Drei Zweifler am Separationskurs mussten ihre Ministerposten abgeben. Innenminister Juan Ignacio Zoido sagte in einem Interview mit der Madrider Tageszeitung «El Mundo», die katalanische Regionalregierung habe sich in eine Sackgasse begeben.

Es gebe keine konkreten Vorbereitungen für die Volksabstimmung, man habe kein Wahlregister erstellt, auch seien die Regeln unklar, etwa die notwendige Zahl der Stimmen. Zoido: «Sie sind in einer Sackgasse.»

Keine Direktverwaltung

Der Minister bezog sich damit auf Äusserungen aus Barcelona, dass man das Referendum in jedem Fall durchziehen werde, auch wenn es nach der spanischen Verfassung und höchstrichterlichen Entscheidungen nicht zulässig sei. Um das Vorhaben zu stoppen, müsse man die Verantwortlichen in Katalonien schon alle verhaften, meinte Puigdemont.

Sein Stellvertreter Oriol Junqueras erklärte, die katalanischen Demokraten müssten die «Unterdrückung» durch Madrid überwinden. Zoido geht nicht davon aus, dass der Verfassungsartikel 155 zur Anwendung kommen wird. Der erlaubt es der Nationalregierung, die Regionalregierung ihres Amtes zu entheben und die autonome Region, in dem Fall Katalonien, direkt aus Madrid zu verwalten und zu regieren.

«Nation der Nationen»

Im Zweiparteiensystem Spaniens, in dem sich Sozialdemokraten und Konservative an der Regierung abwechselten, waren bisher beide Parteien klar für die Einheit der Nation eingetreten. Inzwischen hat sich die Haltung der Sozialdemokraten aufgeweicht.

Pedro Sánchez, Parteichef der Sozialdemokraten. Bild: Keystone

Parteichef Pedro Sánchez sagte, es gebe keine Zweifel, dass «Spanien zur Nation der Nationen» werde. Der Zentralismus habe ausgedient. Regierungschef Rajoy forderte Puigdemont indes auf, sich aus seinem «Delirium» zu befreien.

Die Separatisten sprächen viel von Trennung. ­Wovon sie sich trennten, sei die Realität. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 09:45 Uhr

Artikel zum Thema

Radikaler Wechsel in Katalonien

Neuer Regierungschef Kataloniens wird der Journalist und Bürgermeister von Gerona, Carles Puigdemont. Damit ist ein langes Parteiengezänk um die Nachfolge von Artur Mas beendet. Mehr...

Katalanische Separatisten einigen sich auf Regierung

In quasi letzter Minute hat der katalanische Regionalpräsident Artur Mas seinen Rücktritt erklärt. Damit ist der Weg frei für eine neue Regierung. Mehr...

Katalonien hängt am Tropf Madrids

Das auf Trennung von Spanien drängende Katalonien ist finanziell von der Regierung in Madrid abhängig. Die Schulden beim spanischen Staat betragen 51 Milliarden Euro. Mehr...

Wettbewerb

Was Männer wollen

Motorfreak, Gentleman oder Sportskanone? Herausfinden und gewinnen!

Kommentare

Blogs

Foodblog Meine erste Wurst

Die neuen Nachbarn

Service

Die Welt in Bildern

Erinnert an einen Pizzaiolo: Auf riesigen Tellern lässt diese Frau in der chinesischen Provinz Jiangxi Chilischoten, Spargelbohnen und Chrysanthemum-Blüten an der Sonne trocknen. (21. Juli 2017)
Mehr...