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Schleppermafia peilt vermehrt Spanien an

Schlepper­banden bringen Migranten vermehrt von Marokko und Algerien aus nach Spanien. Dort ist die Anzahl der Flüchtlings­ankünfte in den letzten Tagen stark gestiegen. Die Behörden werten dies als Alarmsignal.

Ein Bild, das bisher vor allem aus Italien ­bekannt ist: ­Afrikanische Flüchtlinge ­werden von Polizisten ­empfangen. So geschehen Ende Oktober – in der süd­spanischen ­Hafenstadt ­Motril.
Ein Bild, das bisher vor allem aus Italien ­bekannt ist: ­Afrikanische Flüchtlinge ­werden von Polizisten ­empfangen. So geschehen Ende Oktober – in der süd­spanischen ­Hafenstadt ­Motril.
Keystone

Spanien erlebt derzeit die grösste Welle von Flüchtlingen seit zehn Jahren. Die Zahl der Migranten, die seit Januar übers Mittelmeer an spanischen Küsten antrieben, ist bereits dreimal so hoch wie im Vorjahr. 2017 sind bisher nach offiziellen Angaben knapp 19'000 Menschen in Booten in dem iberischen Land angekommen. Bis Ende des Jahres könnten es weit mehr als 20'000 werden, schätzen die Behörden.

«Koordinierter Angriff»

Die grosse Zahl der Ankünfte lässt die Sorge wachsen, dass die Schleppermafia nun vermehrt die Route von Marokko und Algerien nach Spanien nutzen will. Die Tatsache, dass in diesen Tagen innerhalb von 48 Stunden annähernd 1000 Migranten in mehr als siebzig Booten vor Spanien aufgefischt wurden, wird als Alarmsignal gewertet. Ein spanischer Regierungssprecher sprach von einem «koordinierten Angriff» der Schleppermafia, die Dutzende Kähne von der nord­afrikanischen Küste gleichzeitig auf den Weg geschickt habe.

Kähne auch aus Algerien

Inzwischen kommen die Migrantenschiffe nicht nur über die Meerenge von Gibraltar an der Südspitze der Iberischen Halbinsel, wo die nordafrikanische Küste nur 14 Kilometer entfernt ist. Sondern sie landen an der gesamten südspanischen Küste. Sogar an den nordöstlich gelegenen Stränden der Regionen Murcia und Valencia, wo bereits 200 bis 300 Kilometer Wasser zwischen Spanien und Nordafrika liegt, kommen immer mehr Boote an. Neuerdings legen die Flüchtlingskähne Richtung Spanien nicht nur in Marokko, sondern vermehrt im benachbarten Algerien ab.

Die meisten ankommenden Migranten stammen aus west­afrikanischen Armutsländern südlich der Sahara wie etwa der Elfenbeinküste, Guinea, Nigeria, Kamerun und Mali. Mehr als 40 Prozent der in Spanien landenden Boatpeople sind inzwischen Marokkaner und Algerier.

«Dutzende Schiffe wurden in den vergangenen Tagen vor Algeriens Küste abgefangen und zurückgeschickt», berichtete Francisco Bernabé, Statthalter der spanischen Regierung in der Region Murcia.

Blockade direkt nach Start

An dieser Blockadeaktion seien Schiffe und Flugzeuge der spanischen Küstenwacht und der EU-Grenzschutzeinheit Frontex beteiligt gewesen. Algerien bestätigte, dass auch die algerische Marine Flüchtlingsschiffe an der Überfahrt gehindert habe. Bekannt ist, dass Spanien dieses Blockadeverfahren schon länger anwendet, um im Mittelmeer die Abfahrt von Fluchtkähnen von Marokkos Küste und im Atlantik von der Küste Westafrikas zu verhindern. Dabei werden Schiffe noch in der Nähe des Herkunftsstaates direkt nach dem Aus­laufen gestoppt und der Küstenwacht des jeweiligen Landes übergeben.

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